Sport | 16.08.2010

Schanze im Regen

Am letzten Wochenende traf sich die Crème de la Crème des Freestylesports am Freestyle in Zürich, um dem Traum vom Fliegen etwas näher zu kommen. Ein Reporter von Tink.ch war unter den 28'000 nassen Besucherinnen und Besuchern.
Das Herbstwetter machte seinem Namen alle Ehre.
Bild: Elia Blülle. Das Freestyle ist der grösste Event seiner Art in Zürich. Freestyle.ch

“Hey you! Gosch höt as Freestyle”, fragte der spindeldürre Typ im knallgrünen Pullover der Grösse XXL, mit einer Wollmütze und tiefhängenden Hosen. Sein Gegenüber antwortete in eben so perfektem Schweizerenglisch: “Yes secher! That werd e beautiful day.” Sie waren nicht die einzigen. Das ganze Tram bestand aus Teenagern, herausgeputzt für den riesigen Event, ganz nach dem Motto: Je dicker der Pullover, desto besser. Nur blöd, dass es wie aus Kübeln regnete und sich die Kleider, kaum waren wir ausgestiegen, wie Schwämme mit Wasser vollsogen. Die Markenlabels verschwanden unter Pellerinen und mich schien das als einzigen nicht zu stören.

 

Wintereinbruch in Zürich

Schnee in Zürich gibt es selten und erst recht nicht im Herbst. Das dachte ich zumindest, bis ich die gigantische Konstruktion sah, auf welcher eine ebenso riesige Schneeschanze aufgebaut wurde. Die weisse Unterlage wurde nicht auf die Landiwiese transportiert, sondern vor Ort produziert. Wasser, flüssiger Stickstoff und Druckluft liessen es auf der Landiwiese künstlich schneien. Die Anlage wirkte etwa so fehl am Platz wie eine Streetparade in Zermatt, doch zugegeben, spektakulär war es. Doch vorerst blieb das monströse Spielzeug der Adrenalinjunkies nur den Pistenarbeitern vorbehalten. Denn der Regen gab der obligaten Festivalschlammschlacht ein Comeback und wie durch ein Wunder verwandelte sich die Riesenschanze nicht in einen Sturzbach.

 

Es lebe der Konsum

Die Veranstalter unternahmen alles, um gelangweilten Besucher möglichst viel zu bieten. Die Generation des Konsums macht ihrem Namen alle Ehre. Markenunternehmen versuchten teure Freestyle-Utensilien zu verkaufen, da der Geldbeutel beim vorherrschend jungen Publikum locker sass. An fast jeder Ecke wurde man mit  Werbegeschenken überladen. Mit Skateanlagen wollte man zusätzlich Action bieten, aber das Wetter verunmöglichte diese Attraktionen. Der Anlass schien nicht vom Sport zu Leben, sondern vom Konsum. Nicht wenige sind vor dem sportlichen Highlight mit vollgepackten Säcken wieder durch den Ausgang verschwunden.

 

Perfektion im Regen

Was die Trendsportler auf der Schanze boten, war Weltklasse. Sie wirbelten durch die Luft und präsentierten dabei ihr Können und die spektakulärsten Tricks in fünf Metern Höhe. Das Resultat: Offene Mäuler, plärrende Moderatoren und unvergessliche Bilder. Die Stimmung erlebte trotz eisigen Temperaturen ihren Höhepunkt, als Lokalmatador und Olympiateilnehmer Iouri Podladtchikov zu seinem Sprung ansetzte. Der Stadtzürcher enttäuschte trotz Heimvorteil und belegte im Schlussklassement den sechsten Platz.

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