Kultur | 30.08.2010

Rocken an der Seine

Während drei Tagen hat Paris ein grünes Herz. Am Rock en Seine wird ökologisch getanzt. Mit Holzspänen und Pfefferminztee. Und mitten drin Tink.ch.
Sommergefühle trotz Herbstblätter.
Bild: Seraina Manser Blauer Himmel über Paris und dem Rock en Seine. Es wird eng vor den Bühnen.

Jeweils am letzten Augustwochenende findet das Rock en Seine vor den Toren von Paris statt. Die Metro bringt einen fast bis auf das Gelände. Obwohl das Festival noch jung ist, gegründet wurde es im Jahr 2003, konnte es schon viele Rockgrössen verpflichten. Dieses Jahr spielten unter anderem Massive Attack, Arcade Fire, Paolo Nutini und Blink 182 im Parc de Saint Cloud. Mit 76 000 Besuchern ist das diesjährige Festival ausverkauft.

 

Das Festivalgelände befindet sich auf einer wunderschönen Ebene am Ufer der Seine. Die drei Bühnen, alle mit hervorragenden Scheinwerfen ausgestattet, befinden sich genug weit voneinander entfernt, sodass man nicht einen Konzertmix auf sich nehmen muss. Viele Bäume und antike Statuen sorgen für eine gehobene Atmosphäre, besonders in der Nacht, wenn die Lämpchen zwischen den Blättern zu leuchten beginnen, wird mir die romantische Seite des Rock en Seine bewusst.

 

Grünes Openair

Was als erstes auffällt: Auf dem Boden gibt es kaum Abfall, aber nicht etwa, dass die Abfallentsorgung einfach wäre, im Gegenteil. Vier verschiedenfarbige Abfallkübel stehen nebeneinander, der erste für recyclebare Abfälle, der zweite für Pet, der dritte für Verpackungen aller Art und der vierte für den Rest. Ein Blick in die Kübel zeigt: Nicht alle wissen die Beschreibungen und Bildchen richtig zu interpretieren. Doch auf den Boden geschmissen wird kaum etwas. Petflaschen dürfen sowieso keine mitgenommen werden und auf dem Gelände werden nur Becher mit Depot herausgegeben.

 

Den Handyakku kann man bei SFR (société française de radioélectrique) gratis aufladen, und zwar dank Sonnenenergie. Riesige Solarzellen stehen vor dem SFR Zelt. Während ich warte, dass das Handy wieder Energie hat, kann ich mich in einen SFR Liegestuhl unter den Bäumen legen oder aber ich suche die “toilettes sèches” auf. Das sind aber nicht etwa hundskommune Toitoi Häuschen oder etwa WC-Wagen, sondern durch Stoffbahnen getrennte Plumpsklos. Die Spülung fehlt, dafür steht Sägemehl bereit. Die ganze Anlage ist sauber und stinkt nicht. Eine ungewohnte, aber sehr sympathische Art, das Problem “WC am Openair” zu lösen.

 

Falafel essen und Tee schlürfen

Das riesige Verpflegungsangebot reicht von Falafel über Raclette. Ein chinesischer Essstand mit roten Lampions steht zwischen einer Creperie und einer riesigen Pfanne mit brodelndem Chili con carne. Zum Desserts gibt’s Churros, noch fast warm oder jene, die mehr Geduld haben, stellen sich in die Reihe, wo man gratis Ben&Jerry Eis bekommt. Das Eis mit dem Fairtradebonus passt optimal ins Konzept des Rock en Seine.

Die Besucher trinken Heineken Bier oder aber The à  al Menthe. Etwa fünf mobile Wagen bieten warmen oder kalten The à  la Menthe an, vor allem abends, wenn sich der Herbstwind bemerkbar macht, ist so ein wärmender Becher der Renner schlechthin.

Wer es gemütlich mag, kann sich einen ganzen Krug Tee bestellen und sich dann auf ein Lederkissen unter ein Juttendach setzen und teetrinkend die Vorbeilaufenden beobachten.

 

Schuhe statt Alkohol

An jenem Ort, wo an einem Schweizer Openair der Bacardidome stünde, steht am Rock en Seine der Converse Cubus. Dort kann man Converse-Schuhe kaufen und sie anschliessend selbst verzieren oder man kann T-shirts mit eigenen Motiven bedrucken lassen.

 

Die Triphop Band Massive Attack, Headliner des Samstagabend, begeistert mit einer durchdachten Show. Während den Songs werden im Hintergrund Schriftzüge in allen möglichen Sprachen projeziert und als Martina Topley Bird zum Mikrofon greift, zieht sie das Publikum mit ihrer vollen Stimme völlig in ihren Bann; sicher auch dank der blauen Lichtkegeln, die über die Menge kreisen.

Um Mitternacht sind die Konzerte fertig und die Métro bringt mich sicher ins Zentrum. Im Hinterkopf der Gedanke schon nächstes Jahr wieder an der Seine zu rocken, sollte ich denn den Wettbewerb um ein Rocke en Seine Ticket 2011 gewinnen.

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