Gesellschaft | 02.08.2010

Lügen machen schnelle Beine

Text von Joanna Skwarek | Bilder von Joanna Skwarek
Wie transportiert man einen 40 Kilogramm schweren und toten Hund? Eine unglaubliche Geschichte aus dem Tagebuch einer Freundin.
Was sich der dreiste Kofferdieb wohl denkt, wenn er den Inhalt entdeckt? (Symbolbild).
Bild: Joanna Skwarek

Grossstadt, Sommerferien, Sonne – und mir passiert so was! Mein lieber, alter Hund Lessi ist nach 15 Jahren in der Familie gestorben. Mein Liebling, mit dem ich aufgewachsen bin. Als Einzelkind hatte ich eine besonders grosse Bindung zu diesem Familienhund. Jetzt bellt er nicht mehr, spielt nicht rum, wird uns nie wieder nerven. Mir geht’s nicht gut. Ich habe erfolglos versucht, meine Eltern zu erreichen, die gerade in die Sommerferien mit dem Auto unterwegs sind. Eine Frage lässt mich nicht in Ruhe: Wo kann ich meinen Hund begraben? Ich kontaktiere unseren Tierarzt. Er gibt mir Hinweise zu einer Institution, die für Hundegräber zuständig ist.

 

Ich versuche, der Frau am Telefon zu erklären, was ich vorhabe, und sie, nicht gerade feinfühlig, bombardiert mich mit Preiszahlen. Ich merke entsetzt, dass dies eine teure Angelegenheit wird und dass ich es mir momentan gar nicht leisten kann. “Ja, wissen Sie”, höre ich am Schluss, “wenn Sie sich entscheiden, den Hund selbst zu uns zu bringen, können Sie die hohen Transportkosten sparen”. Ohne es mir lange zu überlegen, beschliesse ich, den Hund selber zu transportieren.

 

Tja, ich habe mir tatsächlich nicht überlegt, wie ich meinen über 40 Kilo schweren Hund einpacken und an das andere Ende der Grossstadt fahren soll. So bin ich irgendwie schnell auf die Idee mit dem Koffer gekommen. Zuerst den Hund in eine Decke einwickeln, anschliessend in den Koffer packen und los an die Tramhaltestelle. Viel Hektik auf der Strasse, ein heisser Tag und ich alleine mit dem toten Hund im Koffer! Als wäre dies noch nicht stressig genug, kommt ein altes Tram. “Oh nein! Jetzt muss ich noch den Koffer da rein tragen”, denke ich. In dem Augenblick spricht mich jemand unerwartet an: “Brauchen Sie Hilfe?” – “Ja, gerne, nett von Ihnen”, antworte ich und lasse einen jungen, gut aussehenden Mann meinen Koffer mit wertvollem Inhalt ins Tram tragen. So entsteht automatisch eine Diskussion, wobei ich schnell mit der Frage konfrontiert werde, was wohl im schweren Koffer sei. “Fahren Sie in die Ferien?” Eine blöde Situation und eigentlich eine ganz selbstverständliche Frage, auf die ich aber nicht vorbereitet bin.

 

Dies erklärt auch meine dumme, unüberlegte Antwort: “Nein, ich transportiere eine Playstation, Spiele, DVDs und CDs zu einer Freundin”, erkläre ich. Na toll, super, ganz gute Lüge, aber was soll-˜s. Ich wollte nicht einem Fremden von meinem toten Hund im Koffer erzählen. Als ich aussteigen will, bietet er mir wieder freundlich an, mit dem Koffer zu helfen. Kaum draussen, nimmt der junge, attraktive Typ die Beine in die Hand und rennt samt Koffer weg!