Gesellschaft | 16.08.2010

La piscine “George Drigny”

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
In Paris gibt es 38 öffentliche Schwimmbäder. Die meisten sind gut hinter unscheinbaren Fassaden getarnt, oft deutet nur ein Schild oder ein leichter Chlorgeruch auf sie hin. So stolpere auch ich mehr zufällig vor den Eingang eines "piscine couverte". Der Plan für den nächsten Regentag ist somit geboren.
Das altehrwürdige Piscine Georges Drigny. Badekappe ja, Velohelm nein: In Paris sieht man die Dinge eben etwas anders.
Bild: Seraina Manser

Und da auch in Paris nicht immer schönes Wetter sein kann, mache ich mich schon bald mit Schirm und Badehose auf ins Piscine George Drigny. George Drigny war, wie mir die Bademeisterin erzählt, ein Wasserballspieler, der für die Franzosen einst an der Olympiade teilnahm. Zu seinem Andenken wurde dann dieses Schwimmbad errichtet.

 

Bändelfreies Schwimmen

Die Pariser und Pariserinnen profitieren von einem reduzierten Eintrittspreis. Weil die Badmeisterin trotz meinen Bemühungen merkt, dass ich keine Pariserin bin, kostet mich der Eintritt drei Euro. Das ganze Bad macht auf mich einen eher verwahrlosten Eindruck; altmodische graue Plättchen an den Wänden und einen beigen Steinboden. Umso mehr erstaunt mich die moderne Schliessfachanlage: Man wählt ein Kästchen seiner Wahl und tippt dann einen persönlichen vierstelligen Code ein, den man dann einfach nicht vergessen darf, während man seine Längen schwimmt. Das ist meiner Meinung nach viel besser als ein Schlüssel mit Bändel um den Arm, der einem unnötigen Wasserwiderstand bereitet und man immer kontrollieren will oder muss, ob er noch am Handgelenk hängt!

 

“Monnaie!”

Einen Stock tiefer befindet sich dann das Schwimmbecken. Die tiefe Holzdecke bedrängt mich ein wenig und auch die Lichtsparmassnahme ruft in mir nicht gerade ein wohliges Gefühl hervor. Aber was solls, denke ich, bin ja schliesslich zum Schwimmen hier und möchte sogleich in das Becken steigen. Da springt der Bademeister auf und ruft mir “Monnaie” hinterher. “Will er mir Geld schenken?”, schiesst es mir durch den Kopf. “Ja, immer gerne doch! Nur zu”, denke ich. Er macht leider keine Anstalten, sondern fasst sich mit einer Hand an den Kopf und deutet mit der anderen auf die  Schwimmer im Wasser. Tatsächlich tragen alle ein “bonnet”, also eine Schwimmkappe. Das ist hier in Frankreich obligatorisch, wie es scheint. Ich verlasse also die Schwimmhalle wieder und siehe da, im Garderobenbereich gibt es einen Selecta-Automaten, nur dass es anstatt Cola und Kaugummis Nasenklammern, Schwimmbrillen und Schwimmkappen drinhat. Für zwei Euro fünfzig komme ich in den Besitz einer wunderschönen, weissen Schwimmkappe, die ich mir mit grossem Krafteinsatz über den Kopf stülpe.

 

An diesem Freitagnachmittag hat es erstaunlich viele Schwimmer und auch Kinder, die im Becken herumplanschen. Alle tragen selbstverständlich eine Kopfbedeckung, manche sind sogar mit Nasenklammer und Schwimmbrille ausgerüstet. Das Becken ist auf einer Seite nur 80 cm tief. Diesen Fakt nützen viele aus, um sich in diesem Bereich einzudehnen. Für die Kinder gibt es ausser ein paar Schwimmbrettchen und Bällen keine Attraktion, aber der Lautstärke nach scheinen sie trotzdem ihren Spass zu haben. Wie sieht es wohl in anderen Piscines bezüglich Sprungturm und Rutschbahn aus? 37 Bäder sind noch zu erforschen, die Badekappe hab ich ja jetzt schliesslich.