Kultur | 23.08.2010

Inception – träumen mit Leonardo DiCaprio

Das Leben - doch nur ein Traum? In dem Science-Fiction-Thriller "Inception" werden Unterbewusstsein, Traumwelt und Realität der Protagonisten und des Zuschauers wild durcheinander gebracht.
Leonardo DiCaprio in der Rolle als Meisterdieb der Gedanken. An seiner Seite die junge talentierte Schauspielerin Ellen Page.
Bild: © 2009 Warner Bros. Pictures. All rights reserved.

Es ist wie in einem Traum, denke ich in der Pause der Filmvorführung. Nun ja, das sollte es auch sein, denn in “Inception” geht es in erster Linie um Träume. Der neue Film von Christopher Nolan hat es in sich: Schon nach der ersten Szene ist man von der komplexen Handlung gefangen. Doch wird es einem während des 148-minütigen Traumspektakels nie langweilig, auch wenn eine akribische Aufmerksamkeit gefordert ist.

 

Der Meisterdieb Cobb – DiCaprios Figur – dringt in die Träume seiner Opfer ein, um Informationen aus den Tiefen ihres Unterbewusstseins stehlen zu können. Diese, von ihm und seinem Team perfektionierte Methode, nennt sich “Extraction”, Entnahme also. Als der japanische Geschäftsmann (Ken Watanabe) Cobb beauftragt, einen Gedanken nicht zu stehlen, sondern “einzupflanzen”, beginnt die Herausforderung. Denn eine solche “Inception” gilt als kaum realisierbar. Aber Cobb weiss: “Gedanken sind widerstandsfähiger als jeder Virus. Einmal in Umlauf gebracht, wuchern sie weiter wie Geschwüre.”

 

Traumhafte Wahl der Darsteller

Leonardo DiCaprio versucht erneut sein Romantik-Image von Titanic abzulegen – und schafft es diesmal endgültig. Überzeugte er bereits in “Blood Diamond”, “The Departed” und “Shutter Island”, so beweist er in “Inception” auch den letzten Kritikern, dass er älter und und vor allem facettenreicher geworden ist.

 

Zur Seite stehen ihm mit Joseph Gordon-Levitt (“500 Days of Summer”) und Ellen Page (“Juno”) junge, talentierte Schauspieler. Vor allem Ellen Page spielt überragend und stellt teilweise den Protagonisten in den Schatten. Einmal lässt der Regisseur sie gewagt eine ganze Stadt auf den Kopf stellen und reizt so die filmischen Möglichkeiten bis zum Äussersten aus.

 

Mit Inception ist dem Regisseur Christopher Nolan (“Batman: The Dark Knight”, “Memento”) seine bisher beste Leistung gelungen. Er übertraf sich in seinen letzten Filmen selber: In “Memento” erzählt Nolan eine Geschichte rückwärts und mit “The Dark Knight” machte er die Batman-Saga endgültig zum Kino-Epos. Nun prägte er sogar das Wort “Traumfabrik” neu. Denn was der Starregisseur unter Kino als Traumfabrik versteht, hätte er mit “Inception” nicht besser zeigen können.

 

Ein geschicktes Spiel mit Traumwelt und Realität, Unterbewusstsein und Gedanken

Geschickt hantiert Nolan mit den Möglichkeiten der modernen Filmtechnik und entwirft fantastische (Traum-)Welten. Infolge vieler Schnitte kann man sich jedoch nie ganz sicher sein, ob etwas auf der Leinwand geschieht, die Realität, ein Traum, ein Traum im Traum oder gar ein Traum im Traum im Traum ist. So spielt der Regisseur mit dem Bewusstsein seines Publikums. Dennoch kommen auch rasende Verfolgungsjagden, Kampfszenen und wilde Feuergefechte nicht zu kurz. Gegen Ende des Films überwiegen diese, der Regisseur übertreibt es fast. Diese Mischung zwischen Action-Streifen und komplexen Psycho-Drama, wilden Schiessereien und tiefgründigen Dialogen, Realität und Traum gefällt nicht allen. Aber gerade diese Mischung macht “Inception” trotz komplexen Handlungssträngen und krachenden Explosionen zu einem massentauglichen Kino-Erlebnis. Wer mit dieser Mischung leben kann, den erwartet mit “Inception” ein spannendes Erlebnis.

 

 


“Inception” läuft seit dem 29. Juli 2010 in den Schweizer Kinos.

 

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