Gesellschaft | 24.08.2010

Im Rennen gegen den Klimawandel

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel.
Mit dem am vorletzten Montag lancierten ZERO Race soll auf die Möglichkeiten alternativer Energiequellen aufmerksam gemacht werden. Auch in St.Gallen legten die Rennfahrzeuge am vorletzten Montag eine Pause ein und präsentierten ihre fahrbare Botschaft.
Grün und elegant, das Auto der Zukunft. Diese Batterie muss noch viele Kilometer durchhalten. Weit weg von zu Hause. Die Teilnehmer werden von Stadtrat Fredy Brunner in St. Gallen begrüsst.
Bild: Julian Stiefel.

In 80 Tagen um die Welt – der Traum von Jules Verne ist schon längst Realität geworden. Trotzdem veranstaltet der Luzerner Solarpionier Louis Palmer ein Autorennen mit genau diesem Ziel. Dabei gibt es eine Besonderheit: Gefahren wird mit emissionsfreien Motoren. Sämtliche Fahrzeuge sind eigene oder abgeänderte Konstruktionen der vier Teams von drei Kontinenten. Am Montag, 16. August 2010, starteten die Elektrofahrzeuge auf dem Platz vor dem UNO-Hauptgebäude in Genf zum längsten und grünsten Rennen aller Zeiten.

 

Abgasfreie Botschafter

Am Start befinden sich vier Parteien aus Australien, der Schweiz, Deutschland und Süd Korea. Die Teams namens TREV (Australien), Zerotracer (Schweiz), Vectrix (Deutschland) und Powerplaza (Süd Korea) mussten speziell für das ZERO Race ein Hi-Tech-Elektromobil entwickeln. Mit dem Rennen will Louis Palmer die Aufmerksamkeit von sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten erreichen. Denn wir brauchen erneuerbare Energiequellen und saubere Verkehrsmittel. Die Erdölreserven gehen irgendwann aus und die Klimakrise ist bereits im Anmarsch. “Wir stecken alle in einem Rennen gegen die Zeit”.

Doch im Wettbewerb geht es nicht nur um die Geschwindigkeit. Weitere wichtige Argumente sind Alltagstauglichkeit, Zuverlässigkeit, Effizienz, Design und Sicherheit. Anhand von 80 kleinen Wettbewerben jeden Tag wird ein Sieger auserwählt werden. Jedes Team ist zudem dazu verpflichtet, den verwendeten Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Heimatland ins Stromnetz einzuspeisen.

 

Nachdem die Fahrzeuge zunächst in der Schweiz zu bestaunen waren, geht es nun nach Brüssel, Berlin, Wien, Moskau und Shanghai. Im Dezember sollen die Fahrzeuge dann mit dem Schiff wieder in Europa ankommen. Die 30’000 Kilometer Route führt durch 16 Länder mit rund 150 Aufenthalten in grösseren Ländern für Pressekonferenzen. Im Januar 2011 sollen die Fahrzeuge wieder in Genf eintreffen. -¨Ein Höhepunkt wird sicher die Präsentation der Fahrzeuge an der UN-Weltklimakonferenz in Mexiko sein.

 

Hilfe und Aufmerksamkeit

Wie kommt jemand auf die Idee, mit einem Elektroauto um die Welt zu fahren? Louis Palmer war der erste Mensch, welcher das im Jahr 2007 wagte. Auf seiner Reise durch 38 Länder lernte er viel über die Massnahmen zum Schutze der Umwelt. Ganz erstaunt war er über die Tatsache, dass die Chinesen eigentlich mehr an alternativen Energiequellen interessiert sind, als wir denken. Nicht selten widmeten Zeitungen seinem Projekt ganze Seiten und in den USA wurde Palmer gar von einem Nachrichtenhelikopter verfolgt. Das Interesse im Heimatland blieb allerdings geringer.-¨ Doch verging auch einige Zeit bis zum Start seiner ersten Weltreise. Nachdem Kriege und Umweltprobleme plötzlich zur Realität wurden, setzte der ehemalige Lehrer seinen Kindheitstraum im Jahre 2004 um. In dieser Zeit führte er eine Art Nomadendasein. Da ein Lehrer ja nicht gerade die Person ist, welche ein Auto baut, wanderte er von Organisation zu Organisation, um sein Auto zu bauen. Alleine schon beim Preis der Batterien begann das Problem. Auch noch heute zahlt man um die 15’000 Schweizer Franken für eine solche. Die Nachfrage ist viel zu gering. Bei einer grösseren Produktion könnten die Preise bis auf einen Zehntel reduziert werden.-¨ Doch seine Arbeit hatte sich offenbar gelohnt. In praktisch jedem Land stiess seine Idee auf Interesse und es existierte eine allgemeine Motivation, ihm zu helfen. Voller Stolz erzählt Palmer von seinem Treffen mit dem Minister in Syrien, welcher ihm einen polizeilichen Geleitschutz zur Verfügung stellte.

 

Am Montag startete dann schliesslich die zweite Weltumrundung. Und das nicht einfach irgendwo, sondern auf dem Platz vor dem UNO Hauptgebäude in Genf. Das Tor, höchstens zwei Mal im Jahr geöffnet, machte ihm den Weg frei. Etwa 50 Journalisten verfolgten den Start und am nächsten Tag wurde rund um die Welt über das Event berichtet. Doch was erwartet Louis Palmer vom Rennen?-¨ “Der Erfolg des ZERO Race hängt von der Zahl der erreichten und zur Handlung inspirierten Menschen ab”, so Palmer. “Steigender Verkehr und Umweltverschmutzung sind Situationen, welche Lösungen erfordern. Das ZERO Race zeigt einen realistischen Weg in eine saubere und grüne Zukunft für den ganzen Planeten.”

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