Kultur | 30.08.2010

“Ich bin Adam Green”

Text von Audrey Djouadi
Adam ist Adam und bleibt Adam - diese Erkenntnis lieferte der New Yorker Liedermacher Adam Green bei seinem Auftritt am Zürich Open Air und im Interview mit Tink.ch
Nicht so schüchtern: Adam Green. Adam Green betet die Musik an. Grosse Schritte zu grosser Musik: Adam Green Fotos: Tatjana Rüegsegger

Du wirst mit Bob Dylan und Leonard Cohen verglichen, was hältst du davon?

Adam Green: Was wirklich? Das wär ja grossartig. Ich mag die beiden nämlich sehr und bin ein grosser Fan.

 

Und dass du als neuer Bob Dylan gehandelt wirst, ist gerechtfertigt?

Ach was, ich glaube das ist einfach eine Welle, es ist “in” so was zu sagen. Ich meine, wenn ich der neue Bob Dylan bin, wer war der alte? Demzufolge müsste es ja auch einen Bob Dylan vor Bob Dylan gegeben haben, der dann der alte Bob Dylan gewesen wäre. Ich bin Adam Green, und das ist das einzige, was ich sein kann.

 

Die Texte haben sich auf der neuen Platte verändert. Sie sind weniger abstrakt und einfacher zu verstehen. Weshalb dieser Wandel?

Mir ist auch aufgefallen, dass sich meine Art zu schreiben verändert hat. Ich glaube aber, dass sie sich in eine gute Richtung verändert hat, vielleicht ist es aber auch nur eine Phase. Es könnte sich auch plötzlich wieder ändern. Ich weiss nicht. Eigentlich will ich auch nicht, dass man die Texte einfacher versteht, mir gefällt es wirklich sehr, abstrakte Texte zu schreiben, die sind viel persönlicher. Und es hat was für sich, wenn man die Textfetzen selbst zusammensetzten muss, so dass es für jeden eine andere Bedeutung hat. Man muss die Zusammenhänge löffelweise geben.

 

Würdest du sagen, du bist reifer geworden?

Es ist nicht so , dass ich mich jetzt niederlassen will. Aber wer wird schon richtig, richtig erwachsen? Immerhin werde ich nächstes Jahr 30!

 

Und jetzt bist du deswegen total am Ausflippen?

Nein, ich seh das eigentlich ziemlich gelassen. Obwohl viele meiner Freunde gerade dreissig werden und mir allerlei Horrorgeschichten erzählen. Echt, mich stört das nicht gross. Ich fühle mich immer noch als sei ich sechs Jahre alt.

Das Einzige, was ich hoffe ist, dass ich nicht ausser Form gerate.

 

Deine Urgrossmutter war die Verlobte von Kafka, hast du noch Bezug dazu?

Adam: Ja, das würd ich schon sagen. Ich hab mich auch damit auseinandergesetzt, schliesslich assoziieren die Menschen mich mit dieser Familie. Das ist schon speziell, insbesondere da es eine jüdische Familie ist. Die meisten jüdischen Familien haben nicht wirklich eine Geschichte, weil sie eigentlich fast alle umgebracht wurden. Es ist schön, dass ich so irgendwie einen Platz und Kultur und Geschichte habe. Ich bin schon stolz darauf, aber mit mir hat es ja eigentlich nicht viel zu tun.

 

Ich hab gehört, dass das neue Album von Drogen und Frauen handeln sollte, aber die Drogen sind irgendwie nirgends zu finden. Was ist da passiert?

Adam: Das ist wahr, mein Plattenlabel hat alle Songs, die von Drogenkonsum handeln, rausgestrichen. Aber das haben sie gemacht, damit ich massentauglicher bin. Ich weiss nicht, ich will eigentlich machen und singen was ich will, wer ich bin. Ich kann nicht verstehen, dass ein Indielabel sich darum schert, kommerziell zu sein. Kommerziell zu sein ist für mich wirklich schrecklich. Dass sie die Songs rausgenommen haben, war eine der schmerzvollsten Erfahhrungen, die ich je mit ihnen machen musste.

 

Und wie kommst du damit klar?

Adam: Es ist wahnsinnig hart für mich, weil ich wirklich wirklich will, dass die Leute meine Songs hören. Es steckt schliesslich auch Arbeit dahinter. Ich werde manchmal sehr nervös, wenn ich daran denke, dass ich ein kommerzieller Künstler sein soll. Das bin nicht ich, das will ich nicht sein. Das ist doch lächerlich.

 

Weisst du eigentlich irgendwas über die Schweiz?

Adam: Ja, ich weiss, dass sich die Leute hier am Strand gern ausziehen.

 

Und woher weisst du das?

Adam: Ich hab sie gesehen! Vom Bus aus! Alle waren sie nackt! Das fand ich cool.

 

Andere Frage: Warum nennst du dich “Adam The Computer”?

Adam: Ah, Adam aus dem Internet? Es gibt da eine Dame, die mich gestalkt hat und das hat sie per Internet getan. Das erste Mal, dass ich also richtig gestalkt wurde, war also diese Person aus dem Internet.

 

Hat sie aufgehört?

Adam: Nein.

 

Und was ist das mit dir und Garfield?

Adam: Ich hab eine sehr spezielle Verbindung zu Garfield, ich zeichne ihn gerne. Und dann versau ich das Bild. Er ist ein sehr dekadentes Tier, er ist ein kleiner Essensjunkie. Ich bin kein Junkie.

 

Als letztes möchte ich dich bitten, aus den Begriffen Katy Perry, uterus, a snail, to be in limbo, universe und destruction eine kleine Geschichte zu machen:

Adam: Also, es war einmal Katy Perry, die eine Schnecke in ihrer Gebärmutter hatte. Sie durchquerte das gesamte Universum, nur um kurz vor dem Weltuntergang zu schweben.

Once upon a time, Katy Perry had a snail in her uterus and she walked through all the universe just to be in limbo at the eve of destruction.

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