Kultur | 09.08.2010

Gute Musik statt schlechter Fussball

Tink.ch traf Matt Cocksedge von Delphic am Melt und sprach mit ihm über verschiedene Arten und Orte, Musik zu machen.
Matt Cocksedge hat den Durchblick.
Bild: Martin Sigrist Nachdenkliche Musik aus Manchester. Tink.ch-Reporter Martin Sigrist hat Matt Cocksedge getroffen.

Wie geht es dir?

Matt Cocksedge: Mir geht es gut, mein Leben dreht sich gerade voll um Festivals. Irgendwie vermischen sich alle zu einem einzigen. Aber das Melt sticht immer heraus, denn dieser Ort ist aufregend. Wir wollten unbedingt diesen Sommer wieder kommen.

 

Ihr seid bekannt für eure Live-Auftritte. Warum sollte man eigentlich eure CD kaufen?

Wir versuchen auf dem Album etwas anderes zu machen. Es ist aber auch toll, live zu spielen, das bietet wiederum einen anderen Zugang zur Musik. Wir haben die Musik aus dem Studio und daneben unsere Konzerte, das Album ist eine Art Verbindung von beidem. Die Songs sind sozusagen die Crème der Torte, während der Boden aus dem einen oder andern besteht.

 

Vor eurem ersten Album habt ihr schon mit der Band Kitsuné zusammengearbeitet. Ist das der Weg zum Erfolg?

Es ist ein Weg, sie haben einen guten Ruf und einen Riecher, um neue Sachen zu entdecken. Ich glaube nicht, dass es der einzige oder beste Weg ist. Für uns war es ein Ding neben anderen. Aber es ist natürlich gut, wenn du von Kitsuné quasi ein Siegel hast. Das macht die Leute neugierig.

 

Ihr kommt aus Manchester, habt aber euer Album in Berlin aufgenommen.

Ja, unser Produzent hat dort ein Studio. Viele Stücke haben wir aber bereits in England geschrieben. Unsere Musik hat dann aber eine Berlin-Atmosphäre bekommen. Das ist wohl ein weiterer Grund, sich das Album anzuhören. Es ist vielleicht der Vibe von Berlin. Diese Schönheit der Stadt, die Graffitis und die teilweise völlig heruntergekommenen Stadtviertel. Das ist für uns ganz vertraut, in Manchester ist es ganz ähnlich. Auf unserer CD ist das auch zu hören. Nimm den Song “Acolyte”, sozusagen das Zentrum unseres Albums, ungefähr neun Minuten lang. Der Song fängt mit einer einsamen Gitarre an, aber im Hintergrund hörst du Autos und Menschen. Die Gitarre ist wie eine Hymne. Dieser Funken Schönheit ist umgeben von Trostlosigkeit und Dunkelheit, das macht ihn noch schöner.

 

Ihr kommt aus Manchester, einer Stadt, die zahlreiche gute Bands hervorbringt.

Wer hätte das gedacht. Wir sind stolz darauf, aus Manchester zu kommen. Die Leute sind neugierig darauf, was als nächstes kommt. Es gibt dort nicht diese Szenen. Als wir unsere Band starteten, hatten wir unsere Ideen, wie wir es machen wollten. Andere haben ähnliche Dinge auf ihre eigene Art gemacht. Dann haben wir alle ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht. Wir wollten Manchester damit in eine neue Richtung bewegen, nicht in eine bestimmte, einfach vorwärts. Die Stadt verändert sich gerade sehr, sie ist nun aus dem Oasis-Kater von vor fünf oder zehn Jahren aufgewacht und es ist Zeit, dieses Image abzuschütteln.

 

Eure Band ist ein Resultat von aufgelösten Bands.

Wir waren vorher in ein paar Bands, das macht man so in Manchester. Der einzige Weg aus der Stadt ist entweder Fussball zu spielen oder in einer Band zu sein. Wir waren im Fussball nicht wirklich gut, so gründeten wir eine neue Band. Wir haben lange darauf hin gearbeitet, haben viele schlechte Shows gespielt vor vielleicht fünf Leuten. Es geht aber weiter, wir haben Glück gehabt, wir können an einem Festival wie hier spielen, ausserhalb von Manchester. Du gehst durch viel persönliche Scheisse, um diesen Traum zu erreichen. Irgendwann bist du in einer Band und es ist toll und du bist glücklich.

Links