Kultur | 16.08.2010

“Früher hatten wir keine Ahnung”

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Die Noiserock-Band Health aus L.A. hat neulich ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Tink.ch traf Jake Duzsik und John Famigliette am Melt Festival und sprach mit ihnen über Lärm, Ästhetik und Geschenke.
Sind gerne wild und laut: Jake Duzsik und John Famiglietti von Health.
Bild: Martin Sigrist

Was ist der Plan für heute Abend? Werdet ihr die lauteste Band sein?

Jake Duzsik: Wir hoffen es.

John Famiglietti: Wir haben wohl nicht die grösste Anlage hier am Festival, aber wir werden trotzdem versuchen, die lautesten zu sein. Es gibt hier zusätzlich ein Limit für die Lautstärke.

Jake: Meistens sind die Dance-Zelte auf den Festivals am lautesten, die haben am meisten Bass, da können wir nicht mithalten.

John: Wir haben auch Bässe…

Jake: …und werden wild sein.

 

Ist es denn gut, laut zu sein?

Jake: So lange es nicht nervt.

John: Wir wollen nicht einfach laut sein. Nicht, wenn die Musik dann scheisse klingt.

Jake: Wir sind besser geworden mit der Lautstärke. Früher hatten wir keine Ahnung, denn wir hatten kein Mischpult. Wir haben einfach in Lagerhäusern oder Galerien gespielt, ganz ohne richtige Anlage. Später auf richtigen Bühnen hiess es dann, man müsse dies oder jenes leiser machen, doch das wollten wir nicht, wir waren uns nicht daran gewöhnt, so zu arbeiten. Aber wir haben gelernt, dass es manchmal einfach besser klingt, wenn das eine oder andere etwas zurück dreht.

 

Eure erste CD habt ihr so aufgenommen.

Jake. Ja, in einem Konzertlokal in L.A.. Das war einfach so ein Raum.

 

Das zweite dann in einem richtigen Studio?

Jake: Naja, ein umgebautes Lagerhaus, nicht so wirklich ein Studio.

John: Vielleicht werden wir das nächste Mal in ein richtiges Studio gehen. Die neusten Songs wurden halb professionell im Studio gemacht.

 

Ihr seid sehr grosszügig mit Geschenken für eure Fans, verschenkt ihr noch immer Dinge?

Jake: Keine kostenlosen Konzerte mehr.

John: Aber Gratis-Reisen nach L.A. und solche Sachen.

Jake: Beim letzten Album konnte man darin Geschenke finden, gratis CDs, Fotos oder Tickets für eine Reise zu uns nach L.A., einschliesslich Essen von uns. Und wir kümmerten uns darum, dass der Gewinner schön betrunken war und etwas mit uns rumziehen konnte. Das haben wir gemacht. Das war kürzlich, aber wir machen das nicht so oft, nicht jedes Wochenende.

 

Zu eurer Musik. Fokussiert ihr jemals auf den Text=? Man hört ihn fast nicht und kann ihn kaum verstehen.

Jake: Für mich sind sie wichtig, denn ich schreibe sie. Aber es kommt drauf an, wie wir die Alben abmischen. Nicht der Text an sich steht im Mittelpunkt sondern der ästhetische Sound. Die Musik klingt so gut wie sie jetzt ist, obwohl man den Text bei gewissen Songs überhaupt nicht versteht. Wir machen nie philosophische Statements über unsere Texte, wie wichtig sie uns sind. Beim Abmischen richten wir uns nach den ästhetischen Anforderungen unserer Musik.

John: Wenn wir die Songs hören, hören wir auch die Texte, für uns sind sie klar genug.

Jake. Weil wir wahrscheinlich die Songs so oft hören. Aber offensichtlich geht es unserem Publikum nicht so, darum drucken wir die Texte immer ab. Denn wenn du sie mal gelesen hast, dann verstehst du sie. Tom Yorke (Anm. d. Red: Sänger von Radiohead) würde ja auch niemand verstehen, wenn er die Texte nicht abdrucken würde.

 

Ihr habt als Health zwei Alben und unter dem Namen Health Disco bereits zwei Remix-Alben dieser Alben veröffentlicht.

Jake. Ja wir wollen Symmetrie. Wir sind sehr stolz auf beide Remix-Alben und wir werden versuchen, so weiter zu machen. Wenn’s möglich ist, ein gutes drittes zu machen, werden wir ein weiteres Remix-Album veröffentlichen.

John: Beim zweiten Remix-Album haben wir die Veröffentlichung verschoben, weil es anfänglich nicht gut genug war. Es ist eine Art parallele Zeitachse zum Original-Album. Du brauchst nicht das eine für das andere. Wir sehen das unabhängig voneinander: Health hat zwei Alben veröffentlicht und Health Disco hat ebenfalls zwei veröffentlicht, Sozusagen von zwei verschiedenen Bands.

 

John, Du bist ein toller Tänzer auf der Bühne.

John: Ich würde toll durch schlecht ersetzen und davor noch enthusiastisch einfügen. Aber vielen Dank.

Jake: Er ist jeweils überall auf der ganzen Bühne, steht mir auf die Füsse, schlägt mich mit seinem Bass.

John: Na ja, mach es richtig oder geh heim, sag ich mir.

Jake: Wir sind auf der Bühne nicht alle so. Schau dem anderen Gitarristen auf der Bühne ins Gesicht. Er geht genau so ab wie John, aber nur in seinem Gesicht. Wenn du richtig gut hinschaust, siehst du es in den Details. Meist sieht es aus, als würde er verärgert gähnen oder ganz konzentriert darüber nachdenken, wo seine Schlüssel sind.

 

 

Hinweis


Health werden am Zürich Openair am 27. August 2010 spielen.

 

 

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