Gesellschaft | 09.08.2010

“Fremde sind Freunde, die du noch nicht kennst”

Text von Eva Hirschi
Couchsurfing wird immer populärer, auch in der Schweiz. Ziel ist das Kennenlernen von fremden Menschen aus anderen Ländern und Kulturen und der gegenseitige Austausch. Nicht selten entstehen bei solchen Begegnungen auch neue Freundschaften.
Die Couch bei Joyce in San Diego, auf der die Autorin die Nacht verbrachte. Joyce, ihre Gastgeberin. Fotos: Eva Hirschi

Joyce ist eine 27-jährige Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln und wohnt in San Diego, Kalifornien. Seit zwei Jahren ist sie in der Couchsurfing Community aktiv und hell begeistert. Sie überzeugte selbst ihre Mutter von der Couchsurfing Idee, welche seither auch schon verschiedene Gäste beherbergt hat. Für mich ist Joyce meine erste CouchSurfing Erfahrung. Auf meiner Reise in Kalifornien verbringe ich drei Nächte bei ihr und fühle mich, als würde ich bei einer Freundin – anstatt bei einer Fremden – übernachten. Joyce erzählt von ihren Erfahrungen und Erlebnissen durch das Courchsurfing.

 

Joyce, du hattest die Ehre, meine erste Couchsurfing Gastgeberin zu sein. Wie war es?

Es war grossartig! Es freut mich immer, wenn ich die erste Couchsurfing Erfahrung für jemanden sein kann. Ich möchte, dass dieser Aufenthalt zur besten Erfahrung für die neuen Couchsurfer wird, damit sie wissen, was Couchsurfing bedeutet.

 

Wie vielen Menschen hast du schon Unterschlupf gewährt?

Zuerst habe ich keine Leute gehostet. Ich war nervös, Fremde zu treffen und sie in mein Haus zu lassen. Also spielte ich einfach Touristenführer und traf die Couchsurfer auf ein Eis oder einen Kaffee und führte sie in der Stadt herum. Später entschied ich mich, auch bei mir zu Hause Couchsurfers zu hosten. Bis jetzt habe ich bereits acht Surfers beherbergt.

 

Kannst du etwas zu den Couchsurfern sagen, die dich besucht haben?

Sie kamen aus unterschiedlichsten Teilen der Welt; Tschechien, Schottland, Amerika, Weissrussland, Finnland, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die meisten waren sehr gesprächig und erfreut, in einer neuen Stadt zu sein. Andere waren etwas scheu. Eine Deutsche blieb beispielsweise nur für eine Nacht. Eine tiefere Beziehung mit ihr aufzubauen, war kaum möglich. Ich empfehle, wenn möglich mindestens zwei Nächte bei seinem Gastgeber zu verbringen. So kann man sich besser kennen lernen.

 

Wie waren deine Erfahrungen, als du selbst mit Couchsurfing unterwegs wars?

Bis jetzt habe ich vier Mal “gecouchsurft”, in Europa. Meine Erfahrungen als Gast waren fantastisch und öffneten mir die Augen. Ich sah, wie viele nette und aufrichtige Menschen es auf der Welt gibt und wollte etwas von dieser Freundlichkeit und Güte zurückgeben. Darum liebe ich es zu hosten.

 

Hattest du auch schon negative Erfahrungen?

Einmal hatte ich eine etwas negative Erfahrung, also es war eher ein Missverständnis. Manche Menschen realisieren nicht, dass die Kulturen stark variieren und verschiedene Länder manchmal andere Wege haben zu kommunizieren. Es ist wichtig, die Dinge auch von der Sichtweise anderer Menschen zu sehen. Schlussendlich löste sich das Missverständnis aber und wir hatten eine gute Zeit zusammen. Ansonsten hatte ich nie irgendwelche negativen Erfahrungen.

 

Was hast du lieber – couchsurfing oder hosting?

Es ist schwer zu sagen, was ich lieber habe. Ich liebe beides aus unterschiedlichen Gründen. Wenn ich couchsurfe, heisst das, ich reise: Klar ist das toll! Wenn ich Gastgeberin bin, dann bin ich stolz, den Leuten mein Land zu zeigen. Es bereitet mir Freude zu wissen, dass ich nicht nur jemandem einen Platz zum Schlafen gebe, sondern auch eine Freundin bin, auf die man sich verlassen kann. Wenn man in einer neuen Stadt ist, ist es sehr beruhigend zu wissen, dass man, selbst wenn man allein unterwegs ist, jemanden hat, der möchte, dass du einen guten Tag hattest und dass du sicher nach Hause kommst am Abend. Sowohl beim Reisen wie auch beim Beherbergen gewinne ich neue Freunde. Es ist also immer eine gute Erfahrung.

 

Wie sieht der perfekte Couchsurfer aus?

Der perfekte Couchsurfer ist ein entgegenkommender, rücksichtsvoller Gast, der keine Unordnung hinterlässt. Er gibt sich Mühe, seinen Gastgeber kennen zu lernen und mit ihm Zeit zu verbringen. Schliesslich ist es ja kein Gratis-Hotel-Service. Es geht darum, neue Freunde aus der ganzen Welt zu gewinnen und neue Kulturen kennen zu lernen, selbst wenn man gerade nicht am Reisen ist.

 

Was gefällt dir am CouchSurfing am meisten?

Etwas vom schönsten beim CouchSurfing ist, dass egal wo in der Welt ich gerade bin und ich durch das Couchsurfing neue Freunde finde, mich dort wie zu Hause fühle. Es gibt keine Fremden beim Couchsurfing. Nur Freunde, die du noch nicht kennen gelernt hast.

 

 


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