Kultur | 23.08.2010

Auf dem Weg zur Übermenschlichkeit

Text von Audrey Djouadi
Sie lernten sich in einem "Rock'n'Roll-Zirkus" kennen und mischen seither die Schweizer Indie-Szene auf: Alvin Zealot aus Luzern, die so hoch hinaus wollen wie ihre Musikhelden, die Radiohead oder Oasis heissen.
Die Mitglieder von Alvin Zealot schauen auch bei Sonnenschein in den Himmel.

Wie hat sich die Band gefunden?

Nick: Kim und ich träumten als Buben davon, eine Band zu gründen. Davor hatten Jeremy und ich auch schon eine Band, die The Classic hiess. Aufgrund der neuen Idee haben wir die Band aufgelöst. Jeremy habe ich gleich mit ins Boot geholt. Speziell ist eigentlich auch, dass wir als Band auf die Suche nach einem Frontmann gegangen sind.

 

Wie habt ihr den Frontmann gefunden?

Nick: Das ist eine lustige Geschichte. Bei uns in Dierikon gibt es ein Haus namens Villa Maria. Das war ein Künstlerhaus und dort gab es kleine Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein privates Openair, das “Rock’n’Roll Circus” hiess. Dort hat Kim Benjamin geftroffen.

Jeremy und ich gingen mit ihm in die Primarschule. Aber Benjamin und ich waren zu dieser Zeit ziemlich zerstritten. Später haben wir haben uns aus den Augen verloren. Plötzlich kam Kim mit dieser Idee.

 

Diese Differenzen sind jetzt aus der Welt geschafft?

Nick: Die konnten wir natürlich sofort beheben. Für die Entstehung der Band haben wir alle etwas geopfert, Jeremy und ich die alte Band, Beni war in einer anderen Band und Kim hat seine Sportlerkarriere im Judo hingeschmissen..

 

Wie seid ihr auf den Titel eures ersten Albums gekommen, das kürzlich erschienen ist?

Nick: Jedes Jahr gibt es im August eine Zeit, in der extrem viele Sternschnuppen zu sehen sind, genau zu dieser Zeit haben wir das Album aufgenommen. Als wir aus dem Studio gekommen sind, haben wir uns auf den Boden gelegt, in den Himmel geschaut und haben viele, viele Sternschnuppen gesehen.

 

Und ihr habt euch alle etwas gewünscht?

Jeremy: Ja, aber ich sag nicht was!

 

Seid ihr mit Musik aufgewachsen?

Jeremy: Meine Eltern haben sich in einer Band kennengelernt. Meine Mutter hat gesungen und mein Vater war Perkussionist. Von ihnen habe ich das in den Adern, aber hauptsächlich hat mir mein Bruder die Musik gezeigt. Ich hab mit Fun-Punk angefangen, wie zum Beispiel Blink 182.

Nick: Mein Einstieg in die Musik lief ganz ähnlcih mit SUM 41! (lacht)

Jeremy: Später hat mir mein Bruder dann die wirklich guten CDs gezeigt, wie Oasis und Radiohead.

Nick: Meine Eltern waren musikbegeistert, gingen auf Pink Floyd Konzerte. Mit sieben Jahren habe ich angefangen, Schlagzeug zu spielen. Zuerst auf Küchentellern, bis mir die Eltern ein Schlagzeug gekauft haben.

 

In Luzern gibt es Bands, die einen ähnlichen Musikstil haben. Gibt es Konkurrenzkampf?

Nick: Ich würde das nicht Konkurrenzkampf nennen, eher ein gegenseitiges Anstacheln. Wir spielten kürzlich mit The Bucket (Anm.d.Red.: Indieband aus Luzern) und vor dem Auftritt sagten sie uns, dass sie wahnsinnig viel geprobt hatten, weil sie neben uns nicht dumm dastehen wollten. Es gibt schon auch Konkurrenz, kürzlich habe ich mich mit jemandem unterhalten, der Seven Dollar Taxi (Anm.d.Red.: Andere Indieband aus Luzern) besser findet als uns.

 

Warum gibt es viele Luzerner Indiebands?

Jeremy: In Luzern wird man sehr gefördert wird. Es gibt viele Sprungbretter.

Nick: Die Plattenlabels (Anm.d.Red: Goldon Records, Little Jig Records) passen auf ihre Bands auf. Ausserdem kennt hier jeder jeden. Am Wochenende trifft man jeden entweder in der Schüür, im Treibhaus oder in der Bar 59. Das ist das Ausgangsdreieck, daher weiss man “Oh, der ist in einer Band”. Das Ganze ist ein ziemlicher Kuchen.

 

Oscar Wilde hat einmal gesagt “All art is quite useless”- was meint ihr dazu?

Es ist bereichernd, wenn Menschen ihre Ideen verwirklichen. Es ist auch eine Toleranzfrage – wie weit darf Kunst gehen? Meiner Meinung nach sollte man sein Ding durchziehen und alles in Kauf nehmen.

Wir könnten auch noch spirituell werden: Wie kommt man dem Übermenschlichen nahe, wenn nicht durch Kunst? Es ist für mich ein Weg, über mich selbst als Wesen hinauszuwachsen.

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