Sport | 12.07.2010

Welches Nass ist das beste?

Es ist Juli, die Höchsttemperaturen haben die 30-Grad-Grenze längst überschritten und für viele haben die Sommerferien bereits begonnen. Was lockt, ist der Sprung ins kalte Nass. Grund genug, die Berner Badeanstalten miteinander zu vergleichen. Eines gleich vorne weg: Erfrischend sind sie alle!
Geheimtipp Lorraine-Bad: Das Bad ist bescheidener und weniger überlaufen als Andere. Beinahe unendliche Weiten im Weyermannshaus. Der 10m-Sprungturm ist die Attraktion des "Chönizer". Fotos: Matthias Strasser

In der Weyermatt-Badi in Köniz sind in diesen Tagen auffällig viele Jugendliche anzutreffen und dies mit gutem Grund: Das “Chönizer” bietet alles, was ein modernes Freibad bieten kann. Einen 10m-Sprungturm, eine Wasserrutsche, Becken in allen Grössen und Tiefen, ein Beachvolleyballfeld und andere Spiele und eine sonnige Liegewiese. Dass man für den Eintritt fünf Franken (bzw. 3 Franken für Kinder) bezahlen muss, nehmen die Besucher gerne in Kauf. Laut Bademeister wird dafür auch ausserhalb der Becken auf ein angemessenes Verhalten wert gelegt. (“Wer sich renitent benimmt, geht heim!”) Dennoch sind drei Bademeister bei bis zu 5000 Gästen vergleichsweise knapp bemessen.

 

Was den fleissigen Badi-Gänger hingegen freuen dürfte: Die günstigen Preise für Pommes (5.50 CHF) und Eis (ca. 3 CHF) am Imbissstand. Einzig das Pferde-Entrecôte an Kräuterbutter mit Pommes Frites und Salat für 23 Franken schlägt preislich oben aus – ob dies bei der Nachfrage ebenfalls der Fall ist, bleibt offen.

 

Für alle, die beim Turmspringen bis zu zehn Meter hoch hinaus wollen, bietet das Schwimmbad Weyermatt in Köniz ein breites Angebot.

 

Brandung wie am Meer – das Ka-We-De

Auch im Berner Ka-We-De zahlen die Besucher Eintritt zwischen 2.50 und 5 Franken. Allerdings kommt man dafür in den Genuss eines Wellenbades im Freien. Die Besucherzahlen halten sich mit bis zu 1200 Gästen an einem sonnigen Sommertag im beschaulichen Rahmen. Die sonnige Liegewiese lädt zum Verweilen ein, und wer sich nicht ins Wellenbad traut, findet in der Wasserrutsche einen adäquaten Ersatz. Je nach Andrang werden die Öffnungszeiten abends um eine halbe Stunde bis 20.30 Uhr verlängert.

 

Wer nicht stundenlang vor dem Gotthard im Stau stehen möchte, um sich in der Brandung auszutoben, ist im Kirchenfeld an der richtigen Adresse.

 

Klein aber fein – das Flussbad in der Lorraine

Das kleinste Bad in unserem Vergleich liegt am Aareufer im Lorraine-Quartier. Gut 1000 Besucher sind hier anzutreffen. Der Eintritt ist frei, die Ausstattung – der Vergleich mit anderen Bädern zeigt es – spartanisch. Wasserrutsche: nicht vorhanden. Sprungbrett: keines. Volleyballfeld: Fehlanzeige. Und dennoch hat das Quartierbad einiges zu bieten. So sind etwa alle Becken ohne Wasseraufbereitungsanlage versehen und damit chlorfrei. Das beinahe familiäre Ambiente und die sonnige Lage sind weitere Gründe für die Wahl des Lorrainebades. Ausserdem fliesst die Aare an dieser Stelle langsam und ist damit auch für “Aare-Neulinge” geeignet. Der steile Aufstieg vom Bad ins Quartier führt jedoch nicht selten dazu, dass der Abschied lange hinausgezögert wird.

 

Trotz, oder gerade wegen des Fehlens jeglichen Luxus: Für einen “Feierabend-Schwumm” oder ein Erholen fernab des gewohnten Trubels ist das Lorraine-Bad allemal einen Besuch wert.

 

Der Renner – das Freibad Marzili

Das Marzili ist zweifellos das beliebteste und meistbesuchte Freibad Berns. An Spitzentagen sorgen bis zu sieben Bademeister für die Sicherheit der über 10’000 Besucher. Allerdings haben die zentrale Lage und der freie Eintritt zur Folge, dass einem zeitweilen Hören und Sehen vergeht vor Badetüchern und Sonnenschirmen. Würde die Aare nicht fliessen, wäre sie wohl bald ebenso warm wie die Schwimmbecken. Und dennoch: Das Marzili gefällt. Gerade weil die Aare, ohne Frage der Publikumsmagnet schlechthin, eben fliesst. Ferner wird unter der Monbijoubrücke erstklassiges Beachvolleyball gespielt, die weiträumigen Liegewiesen laden zu geselligem Verweilen ein.

 

Die Aare ist nirgendwo so schön wie im Marzili. Dieses Bad sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

 

Der alte Weyer im Westen – das Freibad Weyermannshaus

Entstanden ist das Schwimmbad aus einem Teich. Das “Weyerli” ist aufgrund seiner Lage im Westen Berns vor allem bei der Bevölkerung von Bümpliz/Bethlehem und der Länggasse beliebt. Bis zu 10’000 Besucher geniessen an sonnigen Tagen den Badespass zum Nulltarif, 4000-5000 sind es im Durchschnitt. Acht Aufsichtspersonen stehen im Einsatz, um das grosse Becken im Auge zu behalten. Kleiner Wermutstropfen: Da das Badewasser zusätzlich mit Grundwasser ergänzt wird, ist die Wassertemperatur etwas kühler als in anderen Berner Freibädern. Das Bad bietet jedoch weiträumige und sehr sonnige Liegewiesen zum Aufwärmen. Auch für ein Fussballfeld und einen Sandplatz zum Beachvolleyball spielen ist gesorgt.

 

Die eingehenden Untersuchungen haben jedoch gezeigt: Das Wasser ist in allen Berner Freibädern gleich nass.