Gesellschaft | 05.07.2010

“Wandern liegt bei den Jungen im Trend”

Am nächsten Montag startet Get-Together. Organisatorin Ramona Schneider aus Zürich erzählt, was es mit dem Wanderprojekt auf sich hat und wie man sich daran anschliessen kann.
Get-Together führt Menschen aus der ganzen Schweiz zusammen. Fotos: PD Ramona Schneider (Jahrgang 1985) lebt in Zürich und ist verantwortlich für das Projekt Get-Together. Sie befindet sich in der Ausbildung zur Soziokulturellen Animatorin an der Hochschule Luzern und arbeitet für infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz. Die Etappen sind teilweise über dreissig Kilometer lang: Das Mitführen von Pflaster empfielt sich sehr.

Am Montag startet das Wanderprojekt in Müstair (GR) und Chancy (GE). Läuft in den Vorbereitungen alles nach Plan?

Ramona Schneider: Wir sind soweit, wie wir wollten, und alles Wichtige ist organisiert. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln, wie vereinzelte Unterkünfte für die Wandernden organisieren und ein paar Unklarheiten bei den Projekttagen.

 

Übernachten die Wandernden notfalls in Zelten?

Es gibt vereinzelte Etappen, wo in Zelten übernachtet wird. Da müssen die Teilnehmenden ihr Zelt aber selbst mitbringen. Meistens übernachten wir aber in Zivilschutzanlagen wo man lediglich seinen Schlafsack mitbringen muss.

 

Was ist die Hauptschwierigkeit einen Anlass wie Get-Together zu organisieren?

Für mich persönlich ist es das erste Mal, dass ich einen Anlass dieser Grösse organisiere. Ein solches Projekt hält viele Überraschungen bereit. Mit der Zeit wächst man jedoch in die Aufgabe hinein. Eine weitere Schwierigkeit war der Aspekt der Viersprachigkeit. Damit wir alle Landesteile und Sprachregionen in die Planung miteinbeziehen konnten, brauchten wir Kontaktpersonen vor Ort, die vermitteln konnten und organisatorische Angelegenheiten, wie die Unterkunftorganisation, gleich selbst übernahmen.

 

Für die, die es noch nicht wissen: Was ist Sinn und Zweck von Get-Together?

Das Wanderprojekt soll vor allem auch junge Leute ansprechen. Ziel ist, den Teilnehmenden die Viersprachigkeit unseres Landes näher zu bringen. Auf der Wanderung soll der Austausch mit Andersprachigen zustande kommen und die Sprachgrenzen werden auch physisch – sprich zu Fuss – überschritten. Nicht zuletzt soll die Wanderung auch eine Entdeckungsreise sein, die die Schweiz in all ihren Facetten repräsentiert und Einblick in die verschiedensten schweizerischen Kulturen gewährt.

 

Soll das Projekt auch gegen aussen Botschaften vermitteln?

Wir werden Unterwegs Leute befragen, was sie zum Thema Viersprachigkeit zu sagen haben. Die Resultate werden anlässlich des Abschiedsfests am 15. August in Bern der Öffentlichkeit präsentiert. Auch via moderne Medien kommunizieren wir immer wieder mit der Aussenwelt. Ausserdem ist jede und jeder frei, sich uns anzuschliessen.

 

Was muss ich tun, möchte ich mich den Wandergruppe anschliessen?

Auf der Webseite www.get-together.ch gibt es ein Anmeldeformular. Pro Etappe, die man mitläuft, werden 10 Franken Gebühren verrechnet, um die Unkosten von Essen und Unterkunft zu decken. Auf dem Routenplan (www.get-together.ch) sehen die Leute, ob wir in Zelten oder einer Unterkunft übernachten. Solche, die uns per Zufall begegnen, können sich uns auch spontan anschliessen.

 

Liegt Wandern bei den Jungen noch im Trend?

Gerade in der Altersklasse, die wir primär ansprechen wollen, sprich zwischen 20 – 30 Jahren, ist Wandern eine beliebte Wochenendbeschäftigung. Es ist ein beliebtes Kontrastprogramm zu unserem Alltag, der immer hektischer wird. Das Wandern erlaubt auch, viel Neues zu entdecken, da man ziemlich langsam unterwegs ist und die Umwelt bewusst und ungefiltert wahrnimmt.

 

Am 15. August treffen die beiden Wandergruppen gemeinsam in Bern auf dem Bundesplatz ein. Was erwartet die Besucher dieses Festes?

Es wird natürlich gefeiert. Wir werden auf eine anstrengende und wohl auch interessante Zeit zurückblicken. Den Besuchern werden gesammelte Inhalte zum Thema Viersprachigkeit in der Schweiz präsentiert. Es gibt Darbietungen und die teilnehmenden Gruppenleiter stehen den Besuchern Red und Antwort.

 

 

Über das Projekt Get-Together:

 


Neben dem Föderalismus und der direkten Demokratie ist die Viersprachigkeit dieses Landes eines der Merkmale, welches im Ausland am stärksten wahrgenommen wird. Doch erst 1996 hat das Schweizer Stimmvolk mit der Abstimmung zum Sprachenartikel diese Mehrsprachigkeit offiziell anerkannt.

 

 

Heute gehören laut der 2004 veröffentlichten Studie “Die Schweizer Sprachenvielfalt im öffentlichen Diskurs”, Begriffe wie “sprachliche Minderheit”, samt ihrer negativen Konnotation zum alltäglichen Wortschatz, obwohl diese dem eigentlichen Gleichwertigkeitsgrundsatz der Sprachen widerspricht. Daneben sind die Zahlen der Schweizerinnen und Schweizer rücklaufig, welche sich in einer zweiten Landessprache verständigen können. Dies ist laut Paolo Barblan, dem Geschäftsführer des Forum Helveticum, ein Indikator für ein zunehmendes Desinteresse an den anderen Sprachgemeinschaften.


Get-Together will bei den Teilnehmenden ein gemeinsames Bewusstsein für die sprachliche und kulturelle Vielfalt unseres Landes schaffen, indem es die Begegnung und den Dialog zwischen den Sprachgemeinschaften fördert.

 

 

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