Kultur | 05.07.2010

Shrek und der Märchen-Napoleon

Auch ein starker Oger wird einmal alt. Shrek lässt sich deshalb im vierten und letzten Teil "Für immer Shrek" auf einen fatalen Pakt mit Rumpelstilzchen ein. Ein Ende in Würde.
Shrek schliesst im vierten Teil einen Pakt ab mit Rumpelstilzchen, dem "Napoleon" des Märchens.
Bild: (c) by Universal Pictures International (Schweiz) GmbH -2010

Es war einmal ein Oger, der lebte glücklich mit seiner Familie im Sumpf. Er liebte seine Frau und Kinder sehr und sie liebten ihn. Seine treuen Freunde, ein Esel und ein Kater, kamen oft zu Besuch. Doch irgendetwas fehlte dem Oger und er machte sich auf, es zu suchen.

 

Shrek, der tollkühne Held, kommt in die Wechseljahre im vierten und letzten Teil der Animationsfilmreihe von Regisseur Mike Mitchell. Vor bald zehn Jahren lief der erste Teil sehr erfolgreich in den Kinos und markierte damit den Beginn einer regelrechten Animationsfilmwelle, ausgehend von den beiden Riesen im Geschäft, “Nemo”-Erfinder Pixar und “Shrek”-Macher Dreamworks.

 

Die Krux mit dem Altern

Shrek (Stimme Mike Myers) und Fiona (Stimme Cameron Diaz) gehören zusammen, das wurde schon im ersten Teil klar. Dennoch gingen auch im zweiten und dritten Teil die Herausforderungen nicht aus, die sich dem Ogerpaar stellten: Prinz Charming, der auf den Königsthron lauerte und deshalb Prinzessin Fiona hartnäckig den Hof machte. Die Macht, die dem Thronfolger Shrek zu Kopf stieg, oder das Elternwerden. Ein harmonisches Alltagsleben im Sumpf wäre ja auch langweilig, hat man sich gedacht, und so ist der vierte Teil “Für immer Shrek” eine sorgfältige Sache. Ein würdiges Ende, modisch in 3D.

 

Shrek tut sich mit dem Altern in Würde schwer. Er sehnt sich nach den guten alten Zeiten, als man ihn noch mit Heugabeln verfolgte und er noch kein Volksheld war. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf einen fatalen Pakt mit dem listigen Rumpelstilzchen ein: Shrek tauscht einen “Tag als echten Oger” gegen sage und schreibe die Herrschaft über das ganze Königreich “Weit Weit Weg”.

 

Es ist eine karge, raue Landschaft unter dem Zepter des grössenwahnsinnigen Märchen-Napoleons Rumpelstilzchen (Stimme Walt Dohrn), der mit seiner roten “Wutperücke” grossartig herumtrotzt. Baumwüsten, Hexentyrannei und ein riesiges Prunkschloss werfen Schatten auf die Märchenwelt, wie sie bisher erst beim Drachenturm zu sehen waren, wo Fiona einmal eingekerkert war. Und das erste Mal bekommt man im Film auch andere Oger zu Gesicht: Wie die Jediritter aus “Star Wars” bereiten sie sich auf eine Revolution vor – eine amüsante, aber nur halbherzig ausgeführte Anspielung.

 

Echte Freunde

Monarchie, Opposition, Familienprobleme gehören zum Rezept der “Shrek”-Filme: Figuren und Handlungen sind unserer Welt und Geschichte ähnlich, bei allem romantisch Märchenhaften. Die Tiere sind somit auch keine moralischen Fabelwesen, sondern echte Freunde. Die beiden drolligen Publikumslieblinge, der Esel (Stimme Eddie Murphy) und der Kater (Stimme Antonio Banderas) stehen Shrek auch im vierten Teil zur Seite, als dieser Fionas Liebe zum letzten Mal für sich gewinnen muss. Die tierischen Spässe und Musikeinlagen sind nichts Neues mehr. Sie bringen die Zuschauer aber doch immer wieder zum Lachen oder entlocken ihnen ein “Jö”. Etwa, wenn dem Esel das nasse Fell nach allen Seiten absteht oder wenn der Kater die Augen untertassengross aufsperrt.

 

Halten sich die “Shrek”-Macher an ihren Plan und Teil vier ist wirklich das Finale, können Shrek und Fiona in ihrem Sumpf endlich das tun, was man im Märchen halt so tut: Glücklich leben bis ans Ende der Tage.

 

 

“Für immer Shrek” (Engl. “Shrek forever after”) läuft ab dem 7. Juli 2010 in den Schweizer Kinos.

Links

  • Diese Filmkritik erschien erstmals bei Leporello , dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.