Kultur | 28.07.2010

Once upon a time there was a kook … or four

Nach bereits drei ausgelassenen Festivaltagen beherbergt das Gurtenfestival in Bern am Samstagabend auf der Hauptbühne die britische Rockgruppe "The Kooks". Man muss anfügen, dass offenbar bei einigen Bands das Talent etwas Angeborenes ist. Das erste Album von herausragender Qualität, das zweite ebenfalls hervorragend, wenn auch mit atypischen Formationen ein bisschen verstellt. Es sind diese Bands, bei denen man spürt, dass ihre Musik überdauern wird, und auf diese Weise Legenden entstehen.
"The Kooks" enttäuschten ihre Fans. Fotos: André Maurer

Nach einem ziemlich grauen Tag hat der Regen die gute Laune der Festivalgänger noch nicht getrübt. Es ist 21 Uhr 30 und in wenigen Minuten werden die vier Jungs aus Brighton auf die Bühne steigen. Die Fans können ihre Präsenz kaum mehr erwarten. Die Menge vibriert und trampelt. Um diesen Enthusiasmus zu verstehen, müssen wir uns in der Erfolgsgeschichte dieser Band ein wenig zurückversetzen.

 

Britische Talente

Es war 2006, als “The Kooks” nach ihrem Dasein als einfache Band beginnen, mit dem ersten Album “Inside in/inside out” seriös von sich zu reden machen. Ihr Ticket zum Ruhm erlangen sie durch die Single “Ooh la”, einem kleinen Schmuckstück der Melancholie, das ihnen erlaubt, an der Spitze der britischen Charts zu kratzen. Ihr erstes Album ist ein Erfolg, mehr als eine Million Exemplare werden in England verkauft. Zwei Jahre später mit dem Erscheinen von “Konk” sind sie offensichtlich am Wendepunkt angelangt und enttäuschen ihr Publikum nicht, im Gegenteil: Die neuen Melodien sind ebenso wirkungsvoll, aber reifer. In ihrer musikalischen Identität bestärkt haben sie das Erfolgsrezept gefunden. Der Rahmen ist abgesteckt, mit einem dritten Album in Vorbereitung finden wir uns jetzt kurz vor dem Auftritt unserer jungen Briten auf dem Gurten.

 

Das Konzert, eine Entäuschung

Die Frage ist einfach: Wird ihr Auftritt überzeugen? Nicht wirklich, muss man sagen. Natürlich sind ihre Lieder hervorragend und ihre Melodien mitreissend, aber ein gut gelungenes Konzert ist die Frucht einer komplizierten Alchemie und hier haben offensichtlich die Zutaten nicht zusammen gepasst. Trotz eines warmherzigen und motivierten Publikums bleibt die Band eher distanziert und erfüllt selbst die Erwartungen der grössten Verehrer nicht. So spielt beispielsweise der Bassist die meiste Zeit des Konzertes – warum auch immer – mit dem Rücken zum Publikum. Natürlich ist nicht alles so schwarz wie es scheint, und diese Engländer haben Talent zum weiterverkaufen. Die Festivalbesucher geniessen die grössten Hits trotzdem und die Stimmung lässt auf dem Höhepunkt mit “Naive”, “Always where I need to be” und “Do you wanna” das Publikum tanzen. Ein Moment der Begnadigung für die Band gibt es, als Luke Pritchard, der Sänger, mit ungeheuchelter Emotion das sehr schöne Stück “Sway” anstimmt. Die Lieder verketten sich, manchmal mit Zögern, vielleicht haben “The Kooks” Mühe, ihre Höhe zu finden angesichts eines Publikums mit so hohen Erwartungen? Die letzten Noten erhallen, während die Band bereits hinter den Kulissen verschwindet, die Menge knapp verabschiedend, die jedoch noch mehr will. Die Zugabe kommt allerdings nicht und das Publikum bleibt ein bisschen verbittert zurück. Zwischen verdutztem Raunen und verstörten Gesichtern muss man sich eingestehen, dass das Konzert nun tatsächlich schon vorbei ist.

 

“The Kooks” sind noch nicht ganz am Punkt angelangt, wo sie ihre Magie in ein triumphales Konzert umwandeln können, doch sie sind noch so jung, so gut und so vielversprechend, dass man es ihnen von Herzen gerne verzeiht.