Kultur | 05.07.2010

„Man lernt, gute Auftritte zu schätzen“

Während der Schule hat Kilian Ziegler Deutsch nicht wahnsinnig stark interessiert - dies sieht heute ganz anders aus. Inzwischen ist die Sprache die grosse Leidenschaft des Slam-Poeten Kilian Ziegler.
Hat alles auf die Slam-Karte gesetzt: Kilian Ziegler aus Trimbach (SO).
Bild: André Albrecht/fotografie-albrecht.ch Claude Hurni/claudehurni.ch

Wörter, Reime, Texte und Geschichten haben Kilian Ziegler nicht wirklich interessiert – bis er noch während seiner Kantizeit anfing zu rappen. Mit Poetry Slam, mit dem er heute den Hauptteil seines Lebensunterhaltes verdient, hat er noch später angefangen: Erst im Januar 2008 hatte er seinen ersten Auftritt -in erster Linie aus Interesse und Neugierde, ob er sich im Bereich Sprache gegen andere behaupten kann. Von da an ging alles ziemlich rasant: Nachdem er an zwei bis drei weiteren Slams teilgenommen und einige von denen gewonnen hatte, bekam er Anfragen für wiederum andere Slams und sonstige Auftrittsmöglichkeiten. Es folgten unzählige Slams und Shows, aber auch Workshops und Vorträge und schliesslich der Werkjahrbeitrag in der Höhe von 18’000 Franken des Kantons Solothurn. „Wenn man einmal in der Slamily (kurz für Slam – Family, A.d.R.) drin ist, ist dies die halbe Miete“, so Kilian Ziegler über seinen schnellen Werdegang als Poetry Slammer.

 

Die kreative Energie der Jungen

Eine neu entfachte Faszination ist die für den U20-Poetry Slam. Es fasziniert Kilian, Wissen und Können weiter zu geben und das resultierende Ergebnis anzuschauen. Bei jedem Workshop ist er von Neuem positiv überrascht. „Die Jungen haben enorm viel kreative Energie. Es ist sehr dankbar, mit ihnen etwas auf die Beine zu stellen“.

Nebst den Workshops gleist Kilian in Zürich einen Verein auf und moderiert das diesjährige Final der U20- Schweizermeisterschaft, welches am 17. September in Olten stattfindet..

 

Jenseits der Slam-Karte

Wie Kilian selbst sagt, habe er alles auf die „Slam-Karte“ gesetzt, um so Luft zu holen und sich auf etwas zu konzentrieren.

Doch auch jenseits der Slam-Karte, die fast einen Vollzeit-Job ausmacht, ist Kilian äusserst aktiv und hat sein Leben voll und ganz der Sprache und der Poesie verschrieben. So ist er beispielsweise auch bei der Organisation zweier Lesebühnen dabei: Bei „Wortklang“ in der Vario-Bar in Olten und bei „Schreib und Seele“ in Basel. Bei den Lesebühnen geht es darum, dass eine offene Plattform für Poetinnen und Poeten geschaffen wird, bei der jede und jeder ihre oder seine Texte, Gedichte, Raps oder sonst etwas vortragen kann. Für Kilian stellt diese Tätigkeit einen guten Ausgleich dar.

Als weiterer Ausgleich rappt er weiterhin mit seiner seit 2003 bestehenden Hip-Hop-Band Dropalicious. Dies allerdings vor allem im „stillen Kämmerchen“, da alle drei Mitglieder der Band voll ausgelastet sind und so nicht wirklich Zeit für Auftritte, geschweige denn für eine CD-Produktion, finden.

Sein Soziologie-Studium kommt bei all dem etwas zu kurz. Dieses belege er aus Interesse und als inspirative Quelle für Texte und nicht, weil er später in dem Bereich arbeiten will. Sein Traum hingegen ist es, seinen Lebensunterhalt als freischaffender Texter oder wie bisher als Poetry Slammer zu verdienen.

 

Besondere kleine und grosse Momente

„Für mich sind normalerweise die kleinen Slams die besten und aufregendsten. Wenn man richtig spürt, wie das Publikum mitfiebert und dir an den Lippen hängt und die Wärme des Raumes auch rein physikalisch richtig heiss wird, dann treibt das an“, so Kilian über seine besten Auftritte.

Aber auch in grossen Sälen kommt es teilweise zu besonderen Momenten. So beispielsweise, als er diesen Mai an den Solothurner Literaturtagen einen Auftritt an einer Peter Bichsel-Veranstaltung im Landhaus hatte. „Da waren so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller in diesem Raum. Ich war der einzige, der Peter Bichsel nicht persönlich kannte und auch der einzige Poetry Slammer. Poetry Slam ist oftmals nicht wirklich anerkannt und wird belächelt. Und dann stand ich auf dieser Bühne und trug meinen Text über genau das vor: Ich als einziger Poetry Slammer in einem Haufen voller Schriftstellern“. Und wider Erwarten waren alle begeistert. Peter Bichsel erwähnte Kilian dann sogar in seiner Rede und nach der Veranstaltung schenkte er ihm für seinen Auftritt eine Flasche Whiskey.

Wie überall gibt es aber natürlich auch beim Poetry Slam eine negative Seite. So gibt es beispielsweise auch Auftritte, bei denen die anwesenden Personen überfordert sind oder gar nicht zuhören wollen. Also Auftritte, bei denen „Perlen vor die Säue“ das Prinzip sei.

Durch seine positive Art findet Kilian aber auch diese Auftritte wertvoll. „So lernt man die guten Auftritte wieder mehr zu schätzen.“

 

Die Motivationsspritze

Kilian agiert dieses Jahr bei dem «Kantonalen Preis junge Literatur« des Kuratorium für Kulturförderung Solothurns als so genannter Botschafter. Er wirbt Jugendliche an, bei dem Wettbewerb mitzumachen und repräsentiert ihn. Bei dem „Kantonalen Preis junge Literatur“ werden Texte, Raps oder Slams zum Thema „Grenzen“, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verfasst wurden, von einer hochkarätigen Jury mit Fachpersonen aus dem Bereich Literatur sowie SchriftstellerInnen ausgezeichnet.

Kilian freut sich sehr über diese Aufgabe. Er findet es wichtig, dass Jugendliche auf eine unkomplizierte Art an den Wettbewerb gelangen und mitmachen können. Und er freut sich daher, dass die Ausschreibung dieses Jahr so multimedial verläuft. Zudem ist er froh, dass die Organisatoren für diese Aufgabe einen Slammer ausgesucht haben. Poetry Slam bekommt somit viel Gewicht.

„Ich sehe mich in der Aufgabe als Motivationsspritze: Das ist auch der Grund, weshalb ich mitmache. Ich will die Jugendlichen dazu motivieren, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.“ Die Organisatoren des Wettbewerbs haben mit Kilian auf alle Fälle auf die richtige Karte gesetzt. Seine Ausstrahlung ist so positiv und motivierend und seine Augen so funkelnd, wenn er über seine Leidenschaft spricht, dass vermutlich jede und jeder danach mit grösster Freude seiner Kreativität freien Lauf lässt.

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