Gesellschaft | 12.07.2010

In Filzkleidern durch den Hitzestau

Text von Audrey Djouadi
Die Besucher der Modenschau Artist in Wonderland bekamen einiges zu sehen: Kleider aus Filz, Gesangsperformances oder eine Fotovernissage. Dabei mussten sie aber auch die hitzigen Temperaturen aushalten.
Liess sich von der Hitze nicht beeindrucken: Model mit Knitterkleid. Fotos: Melinda Stucky Nina Bohéme performt "Heavy Cross".

Samstagnachmittag, stechende Hitze, die Frisur sitzt nicht. Wer an diesem Samstag die Modenschau von Artist In Wonderland bestaunen wollte, musste Geduld mitbringen, viel Geduld. Ebenfalls nicht schlecht gewesen wäre einer dieser kleinen Miniventilatoren, die ein so herrlich-nerviges Brummen von sich geben. Doch das Hitzeproblem wurde von den Veranstaltern simpel aber effektiv gelöst: Die Flyer wurden als Fächer angepriesen. So wedelte die ganze Frontrow um die Wette. Artist In Wonderland hatte für diese Schau drei Designerinnen aufgeboten: Kathrin Mosimann mit ihrem Label Kunst Stoffe, Gabriela Finger mit Haus 47 und Bettina Graber mit B-Collection. Doch bevor die Schau anfangen konnte, musste sich unsereins noch durch einige Unannehmlichkeiten meistern. Problem 1: Ärger beim Eingang. Die wollten doch allen Ernstes, dass ein Schreiberling Eintritt bezahlt! Doch dieses, wie sich später herrausgestellt hat, Missverständnis räumt der Chef persönlich aus dem Weg.

 

Sonnenbrille als Schutzwall

Gut, also weiter im Text: Problem 2: Mag sein, dass Frau Schreiberling die Freitagnacht etwas zu eifrig gefeiert hat. Jedenfalls erwies sich Sonne und Licht im allgemeinen als grösster Feind. So musste die Sonnenbrille als Schutz vor den beissenden Strahlen und den mitleidigen Blicken schützen. Problem 3: das Mosaikpublikum. Unter eher, naja, solid-bünzlig angezogenen Gästen fanden sich vereinzelt solche, die sich auch tatsächlich für Mode zu interessieren scheinen. Halt wie bei einem Mosaikbild, viele blaue Steine, zwischendurch mal ein spezieller.

 

Um die 40 Minuten Verspätung, die die Machern den Zuschauern zumuteten, etwas spannender zu gestalten, strichen Frau Schreiberling und ihre Begleitung Frau Fotografin zwischen den Stühlen durch, um sich die Vernissage von Marc & Louis Photography anzuschauen. Während dem Schreiberling die Bilder gefielen, fand die Fotografin nur wenig lobende Worte und warf noch ein paar fachliche Begriffe nach. Doch auch dieser Ausflug vermochte nicht wirklich die Zeit totzuschlagen – also wieder zurück auf unsere Plätze. Während draussen ein wildes Gewitter tobte (selbstverständlich, während die Meute draussen Bäche schwitzt am Nachmittag, wehen am Abend, wenn man drinnen hockt, laue Lüftchen und frische Tröpfchen. Danke). Doch dann: der Silberstreifen am Horizont, die Rettung in der Not – irgendeine ganz, ganz geniale Person, hatte die Idee, die Goodiebags mit Süssigkeiten vollzustopfen! YES! Nachdem also mein Blutzuckerspiegel rasant in die Höhe schnellte, stolzierte auch das erste Model über den Laufsteg. Doch die Show begann erst richtig, als Nina Bohéme, in die ich mich auf den ersten Blick total verliebt hatte, den Catwalk entlang schritt. In Schuhen, die höher waren als meine, performte sie einen Song.

 

Einwegkleider

Im Allgemeinen hat Nina den Abend hervorragend moderiert. Das Highlight der Schau waren eindeutig die Kleider aus Einweghandschuhen und Strumpfhosen. Ansonsten präsentierten sich handgemachte Unikate und gefilzte Kleider. Zugegebenermassen war mir das neu, ein Kleid aus gefilztem Stoff. Wie kommt man denn auf die Idee? “Oh mir ist langweilig, ich filz mir mal `nen geilen Dress”? Doch war Frau Schreiberling zu diesem Zeitpunkt, als Filzi über den Laufsteg gleitete, sowieso abgelenkt, weil die Herrschaften tatsächlich den dunkelsten, peinlichsten guilty pleasure song spielten. Miley Cyrus mit “Party in the USA”. Während einer peinlichen Sitztanzeinlage meinerseits entging mir also das ominöse Filzkleid mehr oder weniger.

 

Sowieso vermochte das ganze Drumherum mehr zu begeistern als die Mode selbst. Als Nina dann in einem funkelnden Goldkleid und langen blonden Haaren “Heavy Cross” von The Gossip performte, konnte sich die Frontrow nicht mehr halten und schunkelte mit.

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