Kultur | 20.07.2010

Foto Szene GR – Albert Steiners Erben

Text von Katharina Good
Fotografien zeigen Graubünden generell als stimmungsvolle und paradiesische Berglandschaft. Ein Fotograf, der dieses poetische Bild Graubündens geprägt hat, ist Albert Steiner (1877-1968). Er war inspiriert von Malern wie Giovanni Segantini und gilt noch heute vielen Fotografinnen und Fotografen als Vorbild. Die Ausstellung, die ihm und zeitgenössischen Künstlern gewidmet ist, ist der Anfang des langfristigen Projekts "Foto Szene GR".
Stephan Schenk und Katharina Amman erklären den Besuchern die sich wandelnde Technik und Wahrnehmung der Fotografie. Plakat der aktuellen Ausstellung. Florio Puenter, Lej da Segl, 2009, Cibachrome, 118 x 168.5 cm, Bündner Kunstmuseum Chur. Jules Spinatsch, Temporary Discomfort, Chapter IV, Pulver Gut, Davos, 2003, Inkjet Print, 110 x 250 cm, Bündner Kunstmuseum Chur.

Wie die Szene entsteht

Mit Foto Szene GR will das Bündner Kunstmuseum aufzeigen, wie zeitgenössische Fotografen den Bergkanton und seine Einwohner darstellen. Das Projekt soll sich nach und nach weiterentwickeln. Es soll zuletzt die Frage beantworten, was die Bündner Fotografie-Szene ausmacht. Neben den Ausstellungen und Sonderveranstaltungen im Bündner Kunstmuseum wurde eine Webseite lanciert.

Tink.ch berichtet über die spezielle Führung vom letzten Donnerstag mit Schwerpunkt auf Fotogeschichte und Technik.

 

Wandlung von Wahrnehmung und Wiedergabe

Die erste Ausstellung stellt zeitgenössische Fotografen vor, die sich ausdrücklich mit dem fotografischen Erbe Graubündens auseinandersetzen. Diese haben zum Teil selbst geholfen, historisches Material aus dem Bündner Staatsarchiv zu sammeln. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den zeitgenössischen Arbeiten und den geschichtsträchtigen Aufnahmen werden sichtbar.

Ein beliebtes Motiv ist seit jeher der Silsersee im Oberengadin. Das Bild Stille am Silsersee von Steiner ist poetisch und von einer zeitlosen Schönheit. Die Berge spiegeln sich im See, verjüngen sich gleichmässig zur Bildmitte hin, und die Symmetrie ist einzig durch eine Lärche im Vordergrund gebrochen.

Eine Fotografie von Florio Puenter (*1964) zeigt den gleichen See wieder in Schwarzweiss. Puenter retouchiert auf seinen Landschaftsaufnahmen alles, was auf die Zivilisation hindeutet. Davon sind die prunkvollen Paläste von St. Moritz genauso betroffen wie kleine Bergdörfer und die Spuren der Landwirtschaft. Dies versetzt die Landschaft in einen für die Schweiz geradezu unnatürlichen Zustand und wirkt dadurch befremdend.

 

Die Technik für grosse Kunstwerke

Die Fotografien zeigen nicht nur ähnliche Motive, die zeitgenössischen Künstler setzen oft auch in Sachen Technik auf die bewährte Tradition. In der Themenführung erklärte der Fotograf Stephan Schenk die Technik der Grossformatfotografie, die ihn mit Steiner verbindet. Die Bilder werden direkt auf grossen Aufnahmeträgern festgehalten, was viele Details verspricht. Früher musste der Fotograf dafür schwere und zerbrechliche Glasplatten mittragen.

Auch heute kann man mit dieser Technik keine schnellen Schnappschüsse machen. Der Fotograf ist immer noch auf eine schwere und technisch anspruchsvolle Ausrüstung angewiesen. Ein Grossformatbild muss wohl überlegt sein. Dafür sei das Bild dann perfekt und er müsse nichts mehr wegschneiden, sagt Schenk.

An der Technik zeigt sich die Geschichte der Fotografie: Sie wandelt sich ständig und in immer kürzeren Abständen. Das Material, das Schenk für seine Waldpanoramen brauchte, ist nun nicht mehr erhältlich.

Auch die Bilder, die mit modernerer Technik entstanden, zeigen einen hohen konzeptuellen Ansatz. Jules Spinatsch etwa konnte während des Wef dank einer Sonderbewilligung Webcams in seinem Geburtsort Davos aufstellen. Mit 2176 Überwachungsbildern stellte er ein Panorama der menschenleeren Strasse zusammen. Und zeichnet damit ein ganz anderes Bild Graubündens als das der paradiesischen, naturbelassenen Bergwelt.

 

 


19. Juni – 12. September 2010 im Bündner Kunstmuseum, Postplatz in Chur.

Öffnungszeiten:
Montag geschlossen; Dienstag – Sonntag 10–17 Uhr

Reguläre Führungen:
1. und 29. Juli, 5. und 19. August, 2. September. Donnerstags, 12.30 – 13.30 Uhr

 

Kommende Sonderveranstaltungen:

  • Katharina Ammann spricht mit Hans Danuser über sein Werk und seine Entdeckung des Bergeller Fotografen Andrea Garbald (1877-1958). Donnerstag, 26. August, 12.30 – 13.30 Uhr
  • Kunst und Kommerz? – Fotografie zwischen Auftragsarbeit und freier Kunst. Mit Goran Galić/Gian-Reto Gredig, Raymond Meier und Ester Vonplon moderiert von Patrick Frey. Donnerstag, 9. September, 19.15 Uhr

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