Gesellschaft | 21.06.2010

Zwischen Haustieren und Reportern

Text von Malte Vogt
Es singt, faucht, krabbelt und schwimmt: Schülerinnen und Schüler in Taiwan stellen ihre Haustiere vor. Und mittendrin ist der ICYE-Freiwillige.
Stolz präsentieren die Kinder ihre kleinen Schützlinge. Fotos: Malte Vogt Der Volunteer passt auf, dass keine Käfige fallen gelassen werden.

Heute ist im St. Theresa Opportunity Center ein besonderer Tag. Nicht nur die Schüler der Einrichtung, sondern auch die noch etwas kleineren Schüler aus ganz Yujing dürfen heute ihre Haustiere hierher bringen und sie vorstellen. Da singt und faucht, krabbelt und schwimmt es und ich gehe mit meiner Kamera herum und mache Fotos von Einsiedlerkrebsen, Papageien, Eichhörnchen und dicken Viechern, die den Kellerasseln ganz ähnlich und so gross wie meine Hand sind.

 

Umringt von Tieren und Reportern

Stolz werden Enten, Fische und Schildkröten präsentiert und neugierig verfolgt man gemeinsam der mit Liebe gestalteten Show. Sogar Reporter verschiedener Zeitungen sind hier, um über dieses kleine Festchen zu berichten. Ich habe alle Hände voll zu tun und passe auf, dass keines der Kinder einen Vogelkäfig fallen lässt, oder auf die Idee kommt, die Hand ins Aquarium zu stecken. Und so falle ich auch den Reportern der Zeitungen auf und man beschliesst, mich nach einem Interview zu fragen, zudem ich natürlich gerne bereit bin. Nur dumm, dass keinerlei Fragen vorbereitet wurden und das Interview schnell aus dem Ärmel geschüttelt werde muss. Und nach kurzem Überlegen fragt man mich wild durcheinander, woher ich komme, was meine Familie macht, was ich in der Schweiz gemacht habe und was ich hier mache.

 

Die Reporter kritzeln alles in ihre kleinen Notizbücher, während ich eine Frage nach der anderen beantworte und erkläre, dass ich vor allem die tiefsinnigen Gespräche vermisse, die ich hier auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nicht führen kann, aber dass Arbeit mit den Kindern mir sehr gefällt und ich froh bin, noch eine Weile hier sein zu können.

 

Fotoshooting für die Zeitungen

Danach müssen noch ein paar Fotos von mir geschossen werden, natürlich mit einem Kind im Arm, also schnapp ich mir eines meiner Schülerchen und lächle freundlich in drei verschiedene Kameras. Dann muss ich noch ein bisschen mit dem Kind im Arm schaukeln, einmal quer über den Platz laufen und auf das Baumhaus hoch steigen, die Reporter mit der Kamera immer dabei. Doch ganz sicher, ob es auch einen Artikel über mich geben wird, ist es noch nicht.

 

Plötzlich berühmt

Doch viel scheint in diesem kleinen Örtchen nicht zu passieren, denn am nächsten Tag kann man wirklich in drei verschiedenen Zeitungen meine Geschichte lesen. Zweimal bin ich sogar mit Bild zu sehen. Ich lasse mir die Artikel selbstverständlich vorlesen und stelle zu meinem Vergnügen fest, dass es da wohl verschiedene Missverständnisse bei der Übersetzung des Interviews gab, oder ich etwas falsches auf Chinesisch gesagt haben muss. Und so habe ich gemäss des Artikels mein Wirtschaftsstudium schon beendet, was ja zu schön wäre, obwohl ich es noch nie überlegt habe, Wirtschaft zu studieren. Dass es sich bei den Zeitungen aber nicht nur um ein kleines unbedeutendes Käseblatt handelt, erfahre ich wenige Tage später, als ich mich mit einer andern Freiwilligen in einem kleinen Tea-Shop in Tainan verabrede und dort plötzlich von der Chefin mit Namen begrüsst werde. Mit meinem chinesischem Namen, versteht sich.

 

 

Infos zum ICYE


Der ICYE (Internationaler Jugend- und Kulturaustausch) bietet Sozialeinsätze in über 30 Ländern auf der ganzen Welt an. Mehr Informationen auf www.icye.ch.

Links