Kultur | 01.06.2010

Zwischen Angst, Wahn und Wut

Mächtige Paukenschläge, verzerrte Schatten, Holzbaracken. Die Anfangszene des Theaterstücks "DNA". In der Mitte der Bühne sitzt die quirlige Leah, links daneben der notorisch essende Phil - zwei der elf Protagonisten aus "DNA" von Dan Kelly, welches sich mit Jugendgewalt und den Folgen befasst.
Bild: Simon Hallström

Die zehnköpfige Jugendbande hat ein Problem. Ein grosses Problem. Adam ist tot. Was ursprünglich ein Spiel, eine Mutprobe hätte sein sollen, endet grausam für den Jungen. Ein Spiel mit schwerwiegenden Folgen – auch für die Bande. Um die Spuren zu verwischen, wird der stumme und starre Phil um Rat gefragt. Phil, der fixierte Pol der Gruppe, heckt einen Plan aus, der genauso wahnsinnig aber clever durchdacht wie der Sprecher selbst ist: Sie erfinden eine Beschreibung für den imaginären Täter. Leah bewundert Phil dafür, wie er die Sache lenkt Ihre Zuneigung wird von ihrem Angebeteten jedoch totgeschwiegen. Der Plan funktioniert. Die Übeltäter bleiben von den zumindest rechtlichen Folgen verschont, bis die Polizei plötzlich einen Täter fasst, der dem frei erfundenen Profil entspricht. Ein Täter, der also gar nicht existieren sollte. Chaos herrscht, Angst und Wahn fallen über die Gruppe her.

 

Zwar werden ihre Spuren nicht aufgedeckt, doch die Jugendlichen verlieren auch sich selber in diesem Plan. So werden sie zu Phils Marionetten, seinem Werkzeug, das er benutzt, um sich und die ganze Gruppe zu schützen. Beinahe jeder einzelne fällt tiefer in das Loch, in dem sie sich bereits befinden. Und auch die, die den Abgrund des Planes erkennen, schweigen oder halten sich raus. Damit zeigt sich die selbstverständliche Schwäche, der Zwang der Gruppendynamik und die Hilflosigkeit der Jugendlichen und deren Themenfragen: Was will ich? Wo gehöre ich hin und wohin gehe ich? Wer ist für mein Glück verantwortlich? Und wie Phil im Stück sagt: „Was ist wichtiger: Der Mensch oder die Gruppe?“

 

DNA wurde von Elias Perrig mit Basler Jugendlichen inszeniert. Der Regisseur hat dabei brillante Arbeit geleistet, aber auch Beate Fassnacht und Beat Frei, deren Kombination aus Bühnenbild und Musik den Zuschauern Angst einflösst. Die jungen Schauspieler bieten eine geschmeidige und lebhafte Darbietung und heben die Eigenarten der einzelnen Charaktere natürlich und authentisch hervor.

 

Weitere Aufführung


„DNA“ wird am 14. Juni auf der kleinen Bühne des Theater Basel aufgeführt. Weitere Infos gibt es auf www.theater-basel.ch.

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