Gesellschaft | 14.06.2010

Wünschen, dass die Beziehung das überlebt

Schule oder Lehre fertig - und dann? Drei Maturanden und ein Lehrabgänger erzählen, wie sie mit Prüfungsstress umgehen und was sie nach den Sommerferien vorhaben.
Michael hat seine Maturaarbeit über die Scientology-Kirche geschrieben. Fotos: Matthias Strasser Thierry könnte sich eine Zweitlehre als Pöstler vorstellen. Florence hat sich während des Gymnasiums ein Anti-Stress-Programm zusammengestellt. Luisa möchte nach einem Zwischenjahr vielleicht Germanistik und Umweltwissenschaften studieren.

Jeden Sommer wird gefeiert. Wenn junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, geht die Post ab. Im Jahr 2009 erreichten gemäss Bundesamt für Statistik 18’240 Schweizerinnen und Schweizer die Maturität, gar 56’947 schlossen eine Lehre mit dem eidgenössischen Fähigkeitsausweis (EFZ) ab. Dazu kommen weitere Diplome, etwa von Handels- und Fachmittelschulen. Für die Berner Luisa, Thierry, Florence und Michael ist es dieses Jahr so weit, sie stecken mitten in den Abschlussprüfungen. Wie geht es den vier frisch Ausgebildeten und Schulabgängern? Leiden sie unter dem Prüfungsstress? Was haben sie als nächstes vor?

 

Michael Fund, knapp 20, Maturand

„In den vergangenen zwölf Jahren hatte ich mal mehr Stress, mal weniger. Im Rahmen meiner Maturaarbeit habe ich mich mit der Scientology-Kirche auseinandergesetzt. Bekehrt wurde ich glücklicherweise nicht (lacht). Nach der Matura toure ich mit meiner Freundin mit Interrail durch ganz Skandinavien. Anschliessend muss ich wohl oder übel im November in die Rekrutenschule, wo ich dann auch Durchdiener machen werde. Nachdem diese Hürde überwunden ist, schwebt mir ein Sprachaufenthalt in einem englischsprachigen Gebiet vor und wenn möglich auch ein Sozialeinsatz im Ausland mit SCI. Studieren würde ich anschliessend eigentlich noch gerne im Ausland, vielleicht in Australien, wobei dies finanziell eine Schwierigkeit darstellen würde. Eigentlich würde mich ein Studium im Bereich Anthropologie oder Psychologie interessieren. Ich lass mich überraschen und wünsche mir von Herzen, dass meine Beziehung das überlebt.“

 

Thierry Stöckli, 18, auszubildender Landschaftsgärtner

„Von den zwölf Jahren sind mir in erster Linie die drei Jahre Lehrzeit bei ‚Haas Gartenbau‘ in Erinnerung geblieben. Geblieben sind mir in erster Linie die Ausflüge, die wir mit der Schule machten. Etwa nach Italien, während des ersten Lehrjahres. Im zweiten Lehrjahr und auch im Hinblick auf die Abschlussprüfungen hat dann der Lernaufwand etwas zugenommen. Obschon ich eigentlich keinen Grund zur Nervosität hätte, bin ich vor den Prüfungen jeweils sehr nervös – eine Art übertriebener, selbstaufgeladener Stress. Nach den Prüfungen kann ich weiter im Betrieb arbeiten. Ich könnte mir vorstellen, die Weiterbildung zum Polier zu absolvieren, auch eine Zweitlehre in einem anderen Beruf ist nicht unmöglich, vielleicht als Pöstler, das wäre ein Kindheitstraum.“

 

Florence Tinembart, 19, Maturandin

„Schulisch gesehen lief in diesen zwölf Jahren alles gut, jedoch habe ich einige persönliche Grenzerfahrungen machen müssen betreffend meines Umgangs mit Stress. Dies hat mich dann dazu bewogen, meine Maturaarbeit zum Thema ‚Ich und mein Stress‘ zu gestalten, in welcher ich ein Selbstexperiment durchgeführt und ein Anti-Stress-Programm zusammengestellt habe. Mit genügend Schlaf und Yoga konnte ich meinen Stress frappierend senken. Ausserdem haben mich in diesen Jahren der Selbstfindung auch immer wieder Fragen wie ‚Wer bin ich?‘ und ‚Wer ist Gott?‘ beschäftigt. Nach der Matura werde ich zuerst auf dem Gurten arbeiten und dann schon bald mein Praktikum in der Waldau beginnen und anschliessend noch ein halbes Jahr Praktikum im Suchtbereich anhängen; ideale Voraussetzungen für ein Studium an der Fachhochschule für Soziale Arbeit.“

 

Luisa Hafner, 18, Maturandin

„Nach zwölf Jahren Schulzeit überwiegt die Freude, allerdings verspüre ich in schwachen Momenten eine gewisse Angst. Schliesslich muss ich nun selber dafür sorgen, dass ich einen geregelten Tagesablauf habe. Die Gymerzeit werde ich in guter Erinnerung behalten. Prüfungsstress verspüre ich kaum, da ich mich sehr gut vorbereitet fühle. Deshalb kann ich sie relativ gelassen angehen. Direkt studieren gehen ist kein Thema, zuerst werde ich ein Zwischenjahr einlegen. In erster Linie möchte ich Geld verdienen, zugunsten einer guten Erfahrung in einem Praktikum würde ich dies allerdings hinten anstellen. Zuerst aber gehe ich nach England, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Danach könnte ich mir vorstellen, Germanistik oder Umweltwissenschaften zu studieren.“