Kultur | 01.06.2010

Wotsch mit mir chatte?

Text von Amadis Brugnoni | Bilder von Amadis Brugnoni
Im Chat ist alles möglich, denn in der virtuellen Welt gibt es keine Grenzen: Mädchen werden zu Jungen, hässliche Menschen sind plötzlich hübsch und der übergewichtige Computerfreak wird zum sportlichen Frauenheld. Im Theaterstück "real.life" wird geflirtet, geplaudert und gestritten - jeder ist auf der Suche nach neuen Freundschaften und vergisst dabei völlig, dass er einsam und allein vor seinem Computerbildschirm sitzt.
Bild: Amadis Brugnoni

Laut einer im Jahre 2001 in Deutschland durchgeführten Studie benutzen Jugendliche zwischen 13 und 24 Jahre das Internet hauptsächlich zum Chatten. Die Kommunikationswege verlagern sich immer mehr auf virtuelle Plattformen und zerstören somit Stück für Stück die wenigen realen Kontakte, die man noch besitzt.

 

Genau mit dieser Problematik setzt sich das Theaterstück „real.life“ von Philipp Romann auseinander. Unter der Leitung von Andreas Schmidhauser-Nold und Christoph Oser-Meier haben sechs Jugendliche der Jugendtheatergruppe des Vereins „share&show“ in ihrer Freizeit das Stück einstudiert und letzte Woche in der Querfeldhalle Basel aufgeführt. Eine weitere Vorstellung wird an diesem Wochenende im Kultur- und Kongresshaus Aarau stattfinden.

 

Ein Leben in der virtuellen Welt

In „real.life“ treffen sechs völlig unterschiedliche Menschen in einem Chatraum aufeinander. Dabei fangen sie an, sich völlig von ihrem realen Leben zu lösen. Sie landen in einer Traumwelt, in der plötzlich alles möglich ist. Fast keiner realisiert, dass wenn er am nächsten Morgen aufwacht und in den Spiegel schaut, wieder damit konfrontiert sein wird, wer er wirklich ist. Alle finden Freunde und haben Spass, aber bleiben am Ende trotzdem allein. In eindrücklicher Art und Weise wird in „real.life“ dargestellt, was ein Leben in der virtuellen Welt wirklich bedeutet.

 

Ernstes Thema dynamisch dargestellt

Die Schauspieler schlüpfen dabei gekonnt in die verschiedenen Rollen des Aufreissers, des Aufgedrehten, der Gesellschaftskritikerin, der Vorlauten, der Aussenseiterin und des Romantikers. Trotz dem Ernst der Thematik werden die Dialoge mit witzigen Pointen aufgelockert und durch die reiche Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren dynamisch dargestellt. Lediglich ein paar wenige Szenen ziehen das Stück unnötig in die Länge.

 

Sofa als Schnittstelle zur Realität

Der Verein  „share&show“ legt Wert darauf, dass bei den durchgeführten Projekten die Jugendlichen in den Entscheidungs- und Entstehungsprozessen einbezogen werden. Somit konnten die Schauspieler auch bei Bühnenbild, Kostüme und Choreographie mitbestimmen. Auf raffinierte Art und Weise verwandelt „share&show“ die Bühne in einen Chatraum, wobei jeder einzelne Chatter sein eigenes Sofa besitzt, welches am Rande des Chatraums aufgestellt ist und als Symbol für sein reales Zuhause steht.

 

Auch Schauspieler im „real.life“ angekommen

Es ist sichtbar, dass hinter der sehr locker und authentisch gespielten Aufführung eine strenge Vorbereitungszeit liegt. Regisseur Andreas Schmidhauser-Nold sieht aber mit Freude auf die diversen intensiven Probewochenenden zurück. Schmidhauser sieht in „real.life“ ein Theaterstück, mit dem man sich erst eine Zeit lang auseinandersetzen muss, um den Aussagen des Stückes auf den Grund zu kommen. Die sechs Schauspieler hätten anfangs teilweise Schwierigkeiten damit gehabt, haben aber am Ende alle in der Welt von „real.life“ Fuss gefasst.

 

Die Theatergruppe von „share&show“ setzt sich aus jungen Freiwilligen zusammen, welche einzelne Projekte in intensiver Arbeit realisieren.

 

Nächste und letzte Vorstellung von „real.life“

Samstag 5. Juni 2010, 15:30 Uhr im Kultur & Kongresshaus Aarau, Saal 1, Schlossplatz 9, Aarau

 

Vorverkauf und Preise: www.theatertage.ch

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