Sport | 08.06.2010

Wo ist die WM in St. Gallen?

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
In wenigen Tagen schon beginnt die Weltmeisterschaft in Südafrika. Vermag ein Anlass, der fast 9000 Kilometer entfernt stattfindet, seine Euphoriewellen bis zu uns senden? In St.Gallen deutet noch wenig bis fast gar nichts auf einen bevorstehenden Anpfiff hin.
Ein Ball im Fernsehen und ein Haufen Plastikartikel, so sieht die WM in St. Gallen aus.
Bild: Seraina Manser

WM heisst zuerst einmal Spiele: 20 Männer, die einem Ball hinterher sprinten, zwei Handschuhträger,  die vor einem Netz stehen und nach dem runden Ding hechten. WM heisst aber auch Konsum: Bier wird in Mengen getrunken, Würste und andere Grilladen verzehrt und Chips gemampft. Die Händler dürfte es freuen. Welches sind die absoluten Verkaufsschlager?

Fahnen

Die Migros verkauft Fahnen, aber nicht nur die Schweizerfahne, nein, auch die Azzurri, Deutschen, Spanier, Franzosen und Brasilianer können sich mit der Flagge ihres Landes eindecken. Fragt sich nur, nach welchen Kriterien die Migros diese Fahnenauswahl getroffen hat? Vertreiben sie einfach die Flaggen jener Mannschaften, die am erfolgreichsten oder beliebtesten sind? Als ich die Verkäuferin frage, ob sie auch neuseeländische Fahnen im Angebot haben, guckt sie mich ein wenig schräg an und meint: “Nein, nur das was es dort hat.”

 

Vielleicht sollte ich mir einfach so einen Gartenzwerg, im Schweizertrikot mit Ball unterm Fuss geklemmt, kaufen? Auch die Pappbecher mit Fussballtrikots drauf verbreiten an jedem Grillfest WM Stimmung. Herzig grinst mich Leopard Zakumi an, das Maskottchen der diesjährigen WM. Doch ehrlich gesagt trau ich ihm nicht: Warum hat er denn eine giftgrüne Mähne?

Vuvuzela

Im Manor lacht mir gleich beim Eingang ein Schminkset entgegen. Für wenig Geld kann man damit ganz klar Farbe bekennen und auch schnell, wenn nötig, falls sich die eigene Mannschaft auf Verliererkurs befindet, sich in der Halbzeit abschminken. 4.90 Franken kostet im Manor eine Plastikvuvuzela zum selber zusammen stecken. So laut wie das Original aus Blech wird die Tröte wohl kaum sein, versichert mir die Verkäuferin. Bleibt nur zu hoffen, dass die Vuvuzela in der Schweiz nicht verboten wird.

 

Meinen Lieblingsfanartikel find ich allerdings erst im Internet: Eine Silikonbackform in Form eines Fußballstadions. Denn ausser der Auslage in ein paar Läden deutet in St.Gallen gar nichts auf die WM hin. Einzig eine Tafel mit Aufschrift: “Hier WM live Übertragungen” versucht schon mal ein paar Besucher in ein Cafe zu locken. Hoffentlich macht sich spätestens am Anpfiff auch hier ein wenig WM-Euphorie breit, wo man die Vuvuzela dafür kaufen kann, wisst ihr ja jetzt.