Sport | 15.06.2010

Wenn der Reichsadler ins Auge sticht

Text von Audrey Djouadi
Die Fussballspieler an der WM müssen vor allem eins: Gut spielen. Umso besser, wenn sie dabei noch gut aussehen. Unsere Moderedaktorin beurteilte die Go- und No Go's unter den diesjährigen Mannschafts-Trikots.
Der Deutsche Reichsadler prangt stolz auf der Brust. Fotos: www.shop.bigsoccer.com Ghana ist mit einem Sieg in die WM gestartet. Auch in ihren Auswärtstrikots machen sie eine gute Figur. Verlieren und dabei noch gut aussehen: Das beherrschen die Algerier. Schon Maradona rollte damit über den Platz: Die Argentinier in den gewohnten Farben. Die eigentlichen Modegötter: Die Franzosen werden ihrer Favoritenrolle nicht ganz gerecht.

Spätestens seit der Unterwäsche-Kampagne von Emporio Armani, für welche David Beckham modelte, weiss man: Fussball ist nicht reine Männersache. Anlässlich der WM befassen wir uns also mit einem ebenso essentiellen Thema wie gestählte Oberkörper- der Mode. Welches Trikot lässt die Modeherzen höher schlagen, welches ist ein No-Go?

 

Zum Anfang, liebes Uruguay, was habt ihr euch bei den Heim-Trikots gedacht? Es geht schliesslich um Fussball und nicht darum, die spezielle Affinität zu Wölkchen und Babyblau zu zeigen. Bei den Auswärts – Trikots halten sich die Herren immerhin dezent zurück, mit einem weissen Shirt mit feinen hellblauen Linien. Bestimmt nicht ohne den Hintergedanken, den Gegner beim Spiel zu blenden. Muahaha wie teuflisch!

 

Kommen wir zum Modestaat schlechthin: Frankreich. Beim Blick auf das Heim – Trikot sticht sofort ein schlimmer Fauxpas ins Auge. Im Rippenbereich sind auf das an sich schöne Trikot überaus seltsame Streifen gedruckt. Erinnert stark an die Skelett-Kostüme, die besonders zu Halloween gerne getragen werden. Nun ja, jedem das seine, vielleicht wollen die Franzosen den Gegenspieler zu Tode erschrecken, was ja durchaus zum Sieg verhelfen kann.

 

Alles richtig gemacht wurde beispielsweise beim Auswärts-Trikot von Ghana. Nicht nur machen die Farben gute Laune, nein, sogar einer der grössten Trends diesen Sommer haben die werten Herren berücksichtigt: Asymmetrie. Zu den amerikanischen Trikots, Heim- wie auch Auswärts, lässt sich nicht wirklich viel sagen, ziemlich langweilig aber solide. Anders ist das bei den Deutschen. Die Sun (Anm.: Klatschblatt) stellte sogleich den Vergleich mit den SS-Uniformen an. Selbstverständlich hat in den Augen Amerikas jeder Wimpernschlag von Deutschland mit dem zweiten Weltkrieg zu tun, aber bitte, doch nicht wenn’s um Fussball geht. Sollte Fussball nicht die Nationen vereinen?

 

Wie auch immer, kommen wir zum persönlichen Favorit: Algerien. Obwohl die wahnsinnig tollen Algerier gerade gegen Slowenien verloren haben (und das nur wegen einem winzig kleinen Goaliefehler und einem unnötigen Hands. Peanuts!) sind sie trotzdem die stylishsten Spieler auf dem Feld. Besonders das Auswärts – Trikot hat es mir angetan. Für alle die es noch nicht begriffen haben, diese Siegerkrönung ist nicht so objektiv wie man annehmen könnte. Ja, genau, Djouadi ist ein algerischer Name. Daher weht das. Und auch wenn meine Landsgenossen eine etwas seltsame Maus auf das Trikot gepfeffert haben. Ist doch ir-gend-wie süss. Doch die fachliche Meinung würde wohl Argentinien oder Ghana als “most stylish football-Hömli”-Träger auserküren. Doch etwas Gutes haben sie alle: kurze Hosen, enge Shirts. Und am besten gefallen sie  uns die doch sowieso, wenn sie sich vor lauter Torfreude verdünnisieren.

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