Kultur | 07.06.2010

Von Groupies halten sie nicht viel

Seit sieben Jahren behauptet sich die Frauen-Rockband Red Chicks auf dem Parkett einer Männerdomäne. Mit ihrer neuen EP "Move on" geben die drei Zürcherinnen ein weiteres rockiges Statement ab.
Seit sieben Jahren Band und Freundschaft: Die Red Chicks.
Bild: PD "Wir sind eine Liveband": Sängerin Tanja Willi. Oliver Gutfleisch

Ein Blick auf die Musikhitparaden zeigt: Frauen sind im Musikbusiness dick im Geschäft. Künstlerinnen wie Lady Gaga, Shakira oder zuletzt die Eurovision-Abräumerin Lena Meyer-Landrut laufen ihren männlichen Kontrahenden zusehends den Rang ab. Und doch gibt es einzelne Musiksparten, in denen das weibliche Geschlecht nicht viel zu bestellen hat: Hip-Hop ist nach wie vor eine Männerdomäne und auch in der Rockmusik sind schlägkräftige Frauenbeiträge an einer Hand abzuzählen.

 

Incubus als Vorbild

Auch in der Schweiz sieht es diesbezüglich düster aus: Scheinbar einsam kämpfen die Delilahs seit längerem um Anerkennung, was ihnen mit ihrem letzten Album eindrücklich gelang. Kleiner Schönheitsfehler: Die Band hat inzwischen einen Männeranteil von 50 Prozent. Bei der Suche nach einer reinen Frauenrockband wird man im Zürcher Oberland fündig: Von Effretikon aus spielen die Red Chicks seit sieben Jahren eine erfolgreiche Mischung aus hartem Rock und vereinzelten Pop-Elementen. Im Verlaufe ihres Bestehens haben sie schon für bekanntere Bands wie QL, Daniel Kandlbauer oder Börni den muskalischen Warm-up-Teil übernommen. Als Vorbilder nennen sie erfolgreiche Künstlertruppen wie Incubus oder Paramore.

 

Sind die drei Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren eine weibliche Verkörperung des Sex, Drugs and Rock’n’Roll-Klischees? Ihre neue EP “Move on” beweist zumindest, dass die drei zierlichen Frauen ordentlich in die Saiten hauen können. Die fünf Songs sind kurz und knackig und gehen mit griffigen Hooklines schnell ins Ohr. “Wir sind musikalisch reifer geworden”, analysiert Sängerin Tanja Willi die Entwicklung der Band in den letzten Jahren. Obwohl eins ihrer Gründungsmitglieder abgesprungen ist, gelinge es ihnen auch zu dritt, viel Druck zu erzeugen. “Wir sind eindeutig eine Liveband”, sagt die Oberländerin.

 

“Wir brauchen keine Drogen”

Gelegentlich komme es bei den Auftritten vor, dass am Bühnenrand männliche Groupies auf ihre Gelegenheit warten. Wenn diese dann nach dem Konzert und alkoholisiert ihre Chance ergreifen wollen, empfinden die Red Chicks das eher als “abstossend”. Die Band hält viel von Rock, aber nicht von den Klischees, die diese Musikart umgeben: “Wir brauchen keine Drogen, um uns besser zu fühlen.” Schliesslich hätten sie auch eine “gewisse Vorbildfunktion” wenn sie auf der Bühne stehen. Die drei jungen Frauen gehen im Alltag geordneten Tätigkeiten nach und wirken ziemlich abgeklärt: Bassistin Jacqueline Wüthrich studiert an einer Fachhochschule, Schlagzeugerin Jessica Ott ist Dental-Assistentin und die Bandleaderin arbeitet in einem Sportgeschäft und ist dort unter anderem für die Lehrlingsbetreuung zuständig. “Wir machen Musik aus Freude und nicht, weil wir damit aus dem Alltag flüchten wollen”, sagt Tanja Willi.

 

Mit ihrer unbekümmerten Art haben die Red Chicks schon beachtliche Erfolge gefeiert. Bereits im Teenageralter standen sie regelmässig auf kleineren und mittleren Bühnen. Ihr Repertoire enthielt schon zu Beginn überwiegend eigene Songs. Den Vertrag beim Zürcher King Motor-Label sehen sie als Bestätigung ihrer Anstrengungen. Mit dem Wetziker “Tonwerk 132” stand ihnen erstmals ein professionelles Studio zur Verfügung. Auf einen möglichen “Frauenbonus” angesprochen, spricht die Sängerin entschieden dagegen: Es sei ja nicht so, dass die Red Chicks ihr Aussehen aktiv vermarkten würden. In der Vergangenheit seien auch schon Stimmen laut geworden, die drei Musikerinnen mögen doch live mit Miniröcken performen. Doch von solchen Massahmen halten die Red Chicks nicht viel: “Zumindest bei der sitzenden Schlagzeugerin wäre diese Ankleide etwas problematisch”, sagt die Sängerin. Und die nervenden Avancen der männlichen Groupies würden dadurch auch nicht zurückgehen. Die Konzentration liegt bei den ambitionierten Musikerinnen alleine auf der Musik.

 

 

Die neue EP “Move on” ab sofort als Digitaldownload erhältlich oder auf der Webseite www.redchicks.ch zu bestellen.

 

Verlosung


Tink.ch verlost 3x die neue EP der Red Chicks. Zur Teilnahme sende deinen Namen und das Stichwort “Move on” an martin.sturzenegger(at)tink.ch.

 

 

 

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