Sport | 28.06.2010

Sie wollen mehr als nur zuschauen

Text von Luzia Tschirky | Bilder von Luzia Tschirky
Die ganze Welt schaut nach Südafrika - es herrscht Fussballfieber. Was die Frauen auf dem Fussballplatz zu bieten haben, interessiert jedoch die wenigsten. Giuliana Pizzolotto - Fussballerin aus Leidenschaft - fordert ein Umdenken in der Gesellschaft.
Eine unter vielen: Giuliana Pizzolotto - die Fussballerin.
Bild: Luzia Tschirky

Männerfussball ist in aller Munde, während der Frauenfussball in der Schweiz immer noch ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Doch Fussball begeistert eben auch Frauen. Eine, die für den Fussball alles gibt, ist Giuliana Pizzolotto. Die Ethnologie -, Publizistik – und Kommunikationswissenschaftsstudentin spielt seit acht Jahren und scheint nicht genug zu bekommen. Giuliana hat das Fussballfieber gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spiel mit dem runden Leder gibt ihr viel: „Ich kann Dampf ablassen und gleichzeitig abschalten. Das ist ein guter Ausgleich zur Uni. Zudem macht man etwas mit den Füssen und muss sich konzentrieren.“ Sie wurde nie belächelt oder schief angesehen wegen ihrem Hobby. „Mein Umfeld ist es sich gewohnt, dass Fussball und ich zusammen gehören.“ Zur Hälfte ist Giuliana Italienerin, zur anderen Hälfte Kroatin. Zwei Länder, in denen Fussball einen hohen Stellenwert geniesst. Giuliana ist in einer Fussballfamilie gross geworden. „Mein Vater war Fussballtrainer und meine beiden älteren Brüder haben auch immer Fussball gespielt.“

 

Erste Spielerfahrung in Jungenmansschaft

Sie sei aber nie zum Ausüben dieser Sportart gezwungen worden. „Seit meiner Kindheit habe ich immer mitgespielt. Zuerst beim FC Bielsdorf, in einer reinen Jungenmannschaft.“ Irgendwann sei die Freude am Fussball auf der Strecke geblieben. Doch ihre Cousine konnte sie ein paar Jahre später für die Frauenmannschaft in Bülach gewinnen und seither dribbelt Giuli, wie sie ihre Freunde nennen, über den Bülacher Rasen. Im Moment laufe es aber nicht so gut: „Wir sind soeben in die zweite Liga abgestiegen, aber das kommt schon wieder“, meint Giuli zuversichtlich. Drei Mal pro Woche trainiert sie, am Wochenende sind dann noch die Matches. Spielt man in einem Fussballclub, muss man bereit sein, Zeit zu investieren. Und man muss gewisse Eigenschaften mitbringen: „Man muss gut im Team spielen können. Aber grundsätzlich ist die Freude am Fussballspiel wichtig“, meint Giuliana auf die Frage.

 

Zwei verschiedene Fussballwelten

In einigen Punkten gibt es zwischen Frauen – und Männerfussball grosse Unterschiede. Bei den Jungs komme immer schnell der Wunsch auf, Profifussballer zu werden. Bei den Mädchen sei dies anders. Die Schweizer Nationalmannschaft der Frauen besteht nur aus Frauen, die neben dem Fussball noch berufstätig sind. Sich für eine Profikarriere zu entscheiden, ist viel risikoreicher als für Männer. Trotz eher düsteren Aussichten gibt Giuliana auf dem Platz alles. Der Wiederaufstieg in die 1. Liga sei das mittelfristige Ziel.

 

Wenn man einen Blick auf die Fussballwelt wirft, zeichnet sich ein unterschiedliches Bild ab. Während in den USA Frauenfussball weit verbreitet ist und es an den Colleges auch professionell betreute Mannschaften gibt, ist es in Europa immer noch eine Randsportart. „Wir fallen hier kaum auf. Italien zum Beispiel verbindet man sehr stark mit Fussball, aber nur mit dem Männerfussball. Während die deutsche Frauenmannschaft etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt“, sagt Giuliana.

 

Wenig Aufmerksamkeit

Auf die Frage, was sich denn verändern müsste, damit der Frauenfussball mehr Aufmerksamkeit bekommt, muss Giuliana einen Moment lang überlegen: „Frauenmatches sind weniger intensiv als die Spiele der Männer. Uns fehlt die körperliche Voraussetzung“, meint sie selbstkritisch. Es müsse viel Zeit vergehen, bis der Frauenfussball gesellschaftlich besser akzeptiert sei. Eine Möglichkeit, auf den Frauenfussball aufmerksam zu machen, sieht sie über den Männerfussball. „Man könnte an einem Männerspiel auf die nächsten Frauenspiele aufmerksam machen“, meint Giuliana. Wolle man ein Frauenspiel sehen, dann setze dies immer viel Eigenrecherche voraus. Dass Fussball ein Männersport ist, sei fest in der Gesellschaft verankert. „Im Laufe der Jahre haben sich die Gesellschaften gefestigte Kategorien geschaffen.“ Bis diese Bilder wieder verschwunden seien, brauche es Zeit. Wer weiss: Vielleicht erleben es einst unsere Enkelinnen und Enkel, dass man sich auch Frauen ins Paninialbum kleben kann.