Sport | 14.06.2010

Ohnmächtige Vuvuzela-Bläser?

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser.
Das Palace, das wegen seinen vielen, sagenhaften Konzerten vielen St.Gallern ein Begriff sein dürfte, liegt in der offiziellen Sommerpause nicht auf der faulen Haut, sondern überträgt alle WM Spiele live.
Fussball bei Grill und Garten: Im Palace ist es möglich.
Bild: Seraina Manser.

Es ist ein Klischee. Und es bestätigt sich: Fussball ist Männersache. Gut drei Viertel der bequemen Plüschsessel sind von männlichen Wesen mit Bier in der Hand belagert, die wenigen Frauen unterhalten sich lieber über anderes als Fussball, und wenn doch, dann nur über die schönen Zöpfli eines uruguayischen Spielers oder die ewige Jugend Henrys.

 

WM-tauglich ausgerüstet

Das Palace hat sich so einiges überlegt, um die Fussballbegeisterten anzulocken. Erstens steht im kleinen Garten des Palaces ein Grill. Der Grillmeister verhilft jeder Wurst, vor allem auch den Selbstmitgebrachten, zur perfekten Bräune. Bekanntlich fällt immer dann gerade ein Goal, wenn man auf dem WC ist, oder eben dann, wenn man seine Wurst auf die Glut schmeissen geht. Das Palace kennt anscheinend diese Problematik und hat dafür extra einen Fernseher gleich neben dem Grill installiert, leider überträgt er nur schwarzweiss. Zweitens kann man im Palace auch sein eigenes Fußballkönnen unter Beweis stellen. Für ein richtiges Fussballfeld ist das alte Kino zwar zu klein, aber für einen Tschüttelikasten inklusive Beleuchtung reicht es allemal. Vor allem während der Spielpause wird er rege genutzt.

 

Live-Kommentare

Drittens erhält der Fernsehkommentator Konkurrenz vom vifen Reporterteam Adrenalin und vom lahmen Komiker Pedro Lenz. Zu allem Möglichen geben die drei ihren Senf dazu. Pedro Lenz jeweils mit Berner Verspätung, während die zwei Adrenalinjungs gerne ihre Ostschweizer Herkunft präsentieren: Wird bei Frankreich abermals ausgewechselt, plädieren sie darauf doch den Marc “Zelli” Zellweger reinzuschicken, vielleicht würde er noch seinen siebten Frühling erleben. Zudem erfährt man, dass Pedro Lenz gerne zum Klang der Vuvuzuelas meditieren würde und er die Trikots der Uruguayaner lieber mag, weil sie so einen schönen Kragen haben. Wenn man nach dem Fussball keine Zeit fürs Duschen hat, kann man diese T-Shirts auch gleich ins Geschäft anziehen, so Lenz. Niemand würde etwas bemerken!

 

Gemütlich bis schläfrig

Die alten Kinosessel sind um Längen bequemer als noch jeder Gartenbeizstuhl oder sogar das eigene Sofa. Auf der Leinwand, die extra für die WM aufgespannt wurde, werden die Schweissperlen der Spieler gestochen scharf gezeigt und auch das Soundsystem überzeugt. Nur das schwummrige Licht und die wohlige Wärme schaukeln einem je nach Spannungsfaktor des Spiels in den Tiefschlaf. Bei Frankreich-Uruguay wär ich mehrmals fast eingenickt. Die Emotionen der Zuschauer halten sich in Grenzen, gejubelt und gepfiffen wird selten, nur als ein Adrenalinreporter die riesige Palaceleinwand lobpreist, tobt die Zuschauermenge und die Männer halten ihr Bier in die Höhe.

 

Zuletzt noch ein paar Fragen, die mir während dem eher langweiligen Spiel in den Sinn kamen und die das Reporterteam nicht beantwortet hat: Wechseln die Spieler in der Pause ihre Trikots? Wo schaut sich Köbi Kuhn die WM an? Oder schaut er sie sich überhaupt an? Kann man vom Vuvuzuela blasen ohnmächtig werden?