Kultur | 01.06.2010

“Mir sin die Beschte”

Mit Begeisterung und einer guten Prise Selbstironie stellte die Klasse 3a aus dem Inselschulhaus Kleinhüningen in Basel das Leben und sich selbst dar. Die Aufführung war ein Teil der Theaterproduktion "fremd?!".
Die Schülerinnen Margi (links) und Vanessa begrüssen die Zuschauer mit ein paar Liedern.
Bild: zVg Musik war ein grosser Bestandteil des Theaterstücks.

“Wir hatten mal einen Schweizer in der Klasse. Aber der machte zu viel Blödsinn. Jetzt ist er in einem Internat”, erklärt ein Schüler. Gelächter. Denn in der Theaterproduktion “fremd?!” geht es unter anderem darum, mit den Vorurteilen gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund aufzuräumen. Wer an dieser Stelle ein Stück erwartet, das auf der “Wir sind auch Menschen”-Selbstmitleid-Schiene fährt, wird glücklicherweise enttäuscht. Denn das Fremdsein wird nicht vordergründig thematisiert. “Im Vordergrund stehen wir und das Leben”, sagt die 14-jährige Melissa aus der Türkei. Zu diesem Alltag gehören auch die verschiedenen Nationalitäten, aber nicht nur. So darf sich das Publikum Kindheitsanekdoten anhören, die liebevoll mit Fotos von Geschwistern und Kuscheltieren untermalt werden. Weitere Alltagsthemen, welche die Jugendlichen beschäftigen, sind ihre Freizeit und die Zukunft. Eine Tour durch das neue Einkaufscenter “Stücki” lässt uns in die Shoppingvorlieben der Mädchen einblicken. “Tally Weijl” ist toll. Und billig. Starbucks ist lecker. Aber teuer. Aber dort trinken angeblich die Stars ihren Kaffee. “Ist das nicht…?!” – Eine Hysterie um einen Star bricht aus.

 

“Wenn ich gross bin, möchte ich einen Job im Büro und ein tolles Auto”, so der 13-jährige Nikola aus Serbien. “Ich werde Fussballspieler”, sagt Fatjon. Und wenn das nicht klappt? “Dann werde ich Pilot. Und wenn das nicht klappt, Tramführer oder so”, antwortet der aus dem Kosovo stammende 13-jährige Schüler. Das sind nur zwei Berufswünsche der Klasse 3a. Eine Problemklasse. So wurde sie bis vor kurzem noch genannt. “Doch seit dem letzten Jahr sind wir eine richtige Klasse geworden”, sagt Melissa. “Schreiben Sie das auf: Mir sin die Beschte!”, sagt eine Schülerin. Und der 13-jährige Orhan aus der Türkei findet es super, dass sich jetzt alle gegenseitig helfen. Das Theaterprojekt hat die Klasse zusammengeschweisst, obwohl einige anfangs Mühe mit den Theaterübungen hatten. “Es war langweilig« erläutert die 14-jährige Vanessa aus dem Kosovo, “aber dann hat man uns erklärt, dass die Übungen nötig seien, weil wir noch keine Theater-Erfahrung hatten.” Und Fatjon fügt hinzu: “Als wir einige Szenen fertig entwickelt hatten, machte es viel mehr Spass.”

 

Und was oder wer ist jetzt fremd? “Für mich ist jemand fremd, wenn ich ihn nicht kenne. Egal woher er ist”, antwortet der 14-jährige Portugiese Claudio. So einfach ist es also.

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