Kultur | 07.06.2010

Mehr Europa, weniger USA

Vom 11. bis 13. Juni hallen in Interlaken wieder laute Töne durch die Bergidylle. Das Line-Up an der sechsten Ausgabe des Greenfield Festivals hat es in sich: Insgesamt 43 Bands rocken den alten Militärflugplatz auf zwei Konzertbühnen.
Beatsteaks treten am diesjährigen Greenfield auf und waren schon am Greenfield 2008 zu sehen.
Bild: Thomas Hirsbrunner

Der 11. Juni ist wohl in so mancher Agenda seit längerer Zeit fett angestrichen. An diesem Tag beginnt nicht nur die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Mit dem Greenfield Festival öffnet auch die grösste Schweizer Rockveranstaltung seine Tore. Eines vorweggenommen: Zwischen den beiden Ereignissen entscheiden muss sich der Fussball- und Musikfan nicht, am Greenfield werden alle WM-Spiele live auf Grossleinwand übertragen. Wem auch dies noch zu wenig Fussball ist, kann erstmals sein eigenes kleines Turnier spielen und am festivalinternen Soccer Cup teilnehmen. Denn der WM wegen auf das Greenfield zu verzichten, wäre definitiv schade: Das Festival verspricht auch dieses Jahr drei Tage schnörkellosen, harten Rock inmitten der beeindruckenden Bergkulisse Interlakens.

Rammstein als Highlight

Fulminant beginnt das Greenfield am Freitagnachmittag. Dass The Hives für eine gewaltige Bühnenshow gut sind, bewiesen die Garage-Punker an gleicher Wirkungsstätte vor drei Jahren. Nach den Beatsteaks betritt noch am selben Abend The Prodigy die Hauptbühne. Die Briten spielen mit ihrem unvergleichlichen Electro-Soundmix erstmals in Interlaken. Mit Rammstein tritt am Samstag eine Band auf, die zweifellos zu den absoluten Topacts in der sechsjährigen Geschichte des Greenfield zählt. Dass ihr brachialer Musikstil – den die Bandmitglieder selber als “Tanzmetal” bezeichnen – erfolgreich ist, bewies ihr im Herbst erschienenes Album “Liebe ist für alle da”. Die Platte konnte sich in acht Ländern auf Platz eins der Album-Charts behaupten, in Deutschland sogar als erfolgreichste Einsteigerplatte des Jahres. Am Sonntag lassen Danko Jones und HIM das Festival mit ihrem etwas ruhigeren Sound ausklingen. Ob sie es jedoch schaffen, die grossen Massen bis Festivalschluss in Interlaken zu halten, ist zu bezweifeln.

Line-Up wieder vielfältiger

Die deutschen Veranstalter gestalteten das Greenfield Festival in den letzten Jahren zunehmend metallastig. Dieser Trend scheint sich mit dem jüngsten Line-Up jedoch nicht fortzusetzen. Obwohl die harten Stilrichtungen das Programm auch dieses Jahr klar dominieren, gibt es wieder vermehrt Punkrock, Indierock, Ska und ja sogar Pop oder Electro zu hören. Auffallend dabei: Wenn bislang meistens Bands aus Übersee die Ehre der Headliner genossen, wird diese Rolle heuer ausschliesslich von europäischen Bands verkörpert. Von den zehn topgesetzten Bands kommt mit der Rockerin Juliette Lewis nur gerade ein Act aus den USA. Mit acht Bands ist die Schweiz verhältnismässig stark vertreten. Der wohl meist ersehnte Schweizer Export am diesjährigen Greenfield sind Eluveitie mit ihrem melodischen Pagan-Metal.

Tickets


Dreitagespässe gibt es im Vorverkauf unter www.eventim.ch. Bahn- und Busfahrt sowie das Mülldepot sind im Preis von 198 Franken inbegriffen.

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