Sport | 01.06.2010

Kommunikation zwischen Mensch und Pferd

Mit dem Pferd kommunizieren, gegenseitigen Respekt aufbringen und das Vertrauen des Vierbeiners gewinnen. Erinnert an den Film "Der Pferdeflüsterer" und klingt nach etwas Unwirklichem. Das Parelli-Programm beweist das Gegenteil.
Michael Wanzenried ist einer der Top-Instruktoren des Parelli-Programms.
Bild: parelli-instruktoren.com Hier mit seinem Schimmelhengst "Pecas"... ...und seinem Vollblutaraber "Red Sun". Walter Gegenschatz ist ebenfalls ein Top-Instruktor, auf dem Bild mit seinem Schimmelhengst "Tabacco"... ... und der Cruzado Fuchsstute "Soberbia". Die Begründer des Parelli-Programms: Pat und Linda Parelli.

Einführung:

Es gibt zwei Gattungen von Menschen: Pferdeliebhaber und andere. Und auch bei den Pferdeliebhabern lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Die einen kämpfen mit ihren Pferden und werden in ihrem Pferdealltag deshalb oft mit Frustration und Angst konfrontiert; andere hingegen suchen nach einer anderen, natürlichen und gewaltfreien Umgangsform.

Das Parelli-Programm ist ein Beispiel dafür. Die Begründer von Parelli Natural Horsemanship, Pat und Linda Parelli, haben ihr Ausbildungsprogramm in den vergangenen Jahren so weit entwickelt, dass es allen Menschen möglich wäre, die Sprache der Pferde als Fluchttiere zu verstehen. Wir Menschen sind nämlich das pure Gegenteil vom Fluchttier, wir gehören zur Gattung Raubtier.

Das Horsenality-Profil:

Parelli kennt vier Charaktereigenschaften bei Pferden, so dass von jedem Pferd ein sogenanntes Horsenality-Profil erstellt werden kann: Pferde können extrovertiert und introvertiert sein. Zudem gibt es Pferde, deren Verhalten hauptsächlich von der linken, denkenden Hirnhälfte gesteuert werden. Bei anderen Pferden ist die rechte, instinktive Hirnhälfte ausgeprägter. Daraus lassen sich folgende vier Kategorien ableiten:   

– Linke Hirnhälfte, extrovertiert

Diese Pferde sind dominant und möchten beschäftigt und gefordert werden.  

– Linke Hirnhälfte, introvertiert

Ein eher sicheres Pferd, welches sich jedoch nur ungern bewegt und deshalb immer eine zusätzliche Motivation für sein Tun haben muss.

-Rechte Hirnhälfte, extrovertiert

Ein eher ängstliches Pferd, das nur schlecht stillstehen kann, sondern ständig im Fluchtmodus ist.

– Rechte Hirnhälfte, introvertiert

Ebenfalls eher ängstlich. Diese Pferde tendieren jedoch dazu, vor Angst “einzufrieren”, um dann – wenn der Druck gross genug ist – zu explodieren.

Diese Persönlichkeitslehre wird im Parelli-Programm “Horsenality” genannt.

Die Methode:

Hat man für sein Pferd ein Horsenality-Profil erstellt und kennt man dadurch die speziellen Eigenschaften, Stärken und Schwächen seines Vierbeiners bewusst, kann man damit beginnen, eine gemeinsame Kommunikation aufzubauen. Ziel dieser Kommunikation ist gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Die Kommunikation basiert auf sieben Übrungen , welche zuerst am Boden bei der Arbeit am Seil mit dem Pferd durchgeführt werden. Diese Übungen sind: Freundlichkeitsspiel, Stachelschweinspiel, Bewegungsspiel, Kreisspiel, Yo-Yo-Spiel, Seitwärtsspiel und Engpassspiel.

Hat man die Kommunikation mit dem Pferd am Boden gefestigt, folgt die Umsetzung auf dem Rücken des Pferdes. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung des unabhängigen Sitzes des Reiters sowie die Kraft des natürlichen Fokus für mehr Sicherheit beim Reiten. Im Parelli-Programm wird dieser Bereich “Free Style Reiten” genannt. Im fortgeschrittenen Stadium der Ausbildung kommen dann noch die Bereiche “Liberty” (Freiheitsdressur am Boden ohne Halfter und Seil) sowie “Finesse” (verfeinertes Reiten mit Kontakt) hinzu. Mensch und Pferd werden also nicht nur am Boden, sondern auch beim Reiten gefördert und gefordert.

Parelli in der Schweiz

In der Schweiz gibt es zurzeit 14 lizenzierte Parelli-Instruktoren, welche alle von Pat und Linda Parelli persönlich ausgebildet worden sind und sich regelmässig in den USA am Parelli Center weiterbilden. Sie unterrichten das Parelli Programm an verschiedenen Kursorten in der ganzen Schweiz mittels Kurse, Camps, Workshops, Privatlektionen und Intensivwochen. Zudem nehmen sie auch junge oder schwierige Pferde ins Training. Nebst den Kursen gibt es auch verschiedene DVDs und Lernprogramme, um das Parelli-Programm im Heimstudium zu erlernen.

Mein persönliches Fazit:

Als ich zu reiten aufhörte in der normalen Reitschule, dachte ich, dass ich das Reiten eigentlich nicht aufgeben will, sondern eine andere Art suchen möchte. Nach zwei Jahren hatte ich dann zum ersten Mal Kontakt mit dem Parelli Lernpfad und es hat mich fasziniert. Inzwischen arbeite ich seit bald zwei Jahren nach Parelli, wobei ich meine eigenen Ideen einbaue, und so wurde mein Pferd zum Spiegel meiner selbst. Daraus schliesse ich, dass viele Dinge, die zwischen Mensch und Pferd nicht so rund laufen, an uns Menschen liegen. Und genau deshalb ist Parelli in erster Linie ein Menschen-Trainingsprogramm. Falls du mehr über Parelli erfahren möchtest, gibt es hier weitere Infos:www.parelli-instruktoren.com.