Kultur | 01.06.2010

„Jööö“-Kinder und Kampfmönche

«Unser Robin ist erst fünf und macht schon Wushu", seine Eltern strahlen stolz, «Robin, zeig dem Mann vom Onlinemagazin mal dein Wushu-T-Shirt!«. Die Familie mit Kampfsport-Nachwuchs, der Frauenclub der Tai-Chi-Anhängerinnen und das Ehepaar im Seniorenalter, das grosse Veranstaltungen eigentlich meidet, aber vom Regionalfernsehen ein Ticket geschenkt bekommen hat - ein buntgemischtes Volk pilgerte am Freitagabend in die ebenso bunt dekorierte St. Jakobshalle.
Ein Samurai in "Original"-Rüstung macht einen gefährlichen Schnitt.
Bild: Marina Estermann Eine weibliche Samurai. Eine seltene Szene: Jean-Claude Van Damme Hand Kämpfende Mönche. Betende (hinten) und kämpfende Mönche. Hollywood-Star John Foo ist noch jung und gelenkig. Bolo Yeung erhält den "Budo Gala Award" für sein Lebenswerk.

„Welcome to the Budo Gala 2010!“ – eine donnernde Stimme begrüsst die St. Jakobshalle. Auf einer halbtransparenten Leinwand sind archaische Filmaufnahmen asiatischer Landschaften zu sehen. Trommlerinnen pauken mehr oder weniger im Takt und die thailändische Sängerin Ying Julaluck singt dazu in blauer Robe.

Nach diesem heroischen Auftakt stürmen 30 Kinder die Kampffläche, zeigen athletische Figuren, rennen schreiend von der Bühne. Es wird nicht ihr letzter Auftritt sein. Die Kinder sorgen jeweils zwischen den Kampfszenen für den bestellten „Jööö!“-Effekt. Man merkt, dass mit Elmar Otthental einer Regie führt, der sich mit den Mechanismen des Musicals, also mit der geplanten Beeindruckung des Publikums, bestens auskennt. Na gut, nach dem gefühlt zwanzigsten Einzug der Kinder, wirken sie vor allem lästig.

Kämpfen mit Humor

„Das kann doch nicht wahr sein!“, denkt sich der Zuschauer, als ein Samurai mit verbundenen Augen eine Ananas entzweit, die auf der Lende seines Kollegen liegt. Gleichsam beeindrucken die Shaolin-Mönche, die mit purer Körperkraft Stangen verbiegen.

Die Berner Kampfsport-Akrobatiker Swisstricks bringen „Pepp“ in die sonst eher ernste Budo Gala. In ihren kurzen Sketches läuft plötzlich Sound von den Backstreet Boys, dann zerbricht einer aus Versehen den Kopf des Kollegen statt eines Holzbretts und auch eine Beatbox-Einlage bieten die Swisstricks.

Enttäuschende Stars

Dass bisher noch keine Namen von Kampfkunst-Stars gefallen sind, ist kein Zufall. Guido Kessler, der „King of Nunchaku“, dem die Budo Gala gewidmet war, wirkte mit seiner Darbietung demotiviert, spannungslos, bisweilen sogar arrogant.

Hollywood-Star Jean-Claude van Damme wäre besser erst gar nicht nach Basel gekommen: Aus der angekündigten „Kampf-Demonstration“ wurde eine Katastrophe. Van Damme redete mehr als er sich bewegte, obwohl er letzteres wohl besser gekonnt hätte. Noch ein Handshake mit Filmrivale Mr. Bolo Yeung und nach mysteriösen fünf Minuten war die Farce vorbei. Erste Zuschauer verliessen die St. Jakobshalle. Einzig „Batman Begins“-Schauspieler John Foo vermochte mit Kicks auf Kopfhöhe zu überzeugen.  

Nächste Budo Gala 2011?

Die nächste Budo Gala in Basel ist bereits fürs nächste Jahr angekündigt. Martial-Arts-Grossmeister Jackie Chan soll dann in die St. Jakobshalle kommen. Ob sich die Budo-Fans dann wieder zu einem Besuch hinreissen lassen, ist fraglich. Auf der Facebook-Seite der Budo Gala herrscht ein negativer Grundtenor: „Wo bleibt die offizielle Entschuldigung der Organisatoren?“, fragt etwa ein Facebook-User.

Und ob die Show dem kleinen Robin mit dem Wushu-Shirt gefallen hat? Wahrscheinlich schon, denn die teuren Tickets haben wohl die Eltern bezahlt.  

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