Politik | 07.06.2010

Ich stimme Ja oder Nein, weil…

Am 13. Juni stimmt das Zürcher Stimmvolk über die Volksinitiative "Kinderbetreuung Ja!" ab. Tink.ch wollte wissen, was die kommende Generation der Mütter und Väter für ein Familienbild hat und wie sie abstimmen.
Am kommenden Sonntag entscheidet das Zürcher Stimmvolk über die Intiative "Kinderbetreuung Ja!".
Bild: pixelio.de / Rolf van Melis Lukas aus Buochs: "Der Staat soll sich stärker an den Kosten der Krippenplätze beteiligen." Deniz Yüzüak Tess aus Küsnacht: "Kinder sollten nicht leichtfertig abgeschoben werden." Archiv Tink.ch

Mit der Frauenbewegung Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die traditionelle Rollenverteilung zwischen Frau und Mann in Frage gestellt. Wir wollten wissen, was sich seither im Bereich der Kinderbetreuung geändert hat.

 

Gemäss einem Bericht von 2008 vom Bundesamt für Statistik gehen 34% der Mütter in einem Paarhaushalt mit einem Kleinkind vollumfänglich der Rolle als Hausfrau nach. Weitere 28% arbeiten mit einem Pensum unter 50%, wobei die Mütter mit steigendem Alter ihres jüngsten Kindes ihr Arbeitspensum ausbauen. Die Betrachtung der Vollzeitbeschäftigten in einem Paarhaushalt mit mindestens einem Kind zeigt den Zeitgeist besonders deutlich: Während 88% der Väter in einem Arbeitspensum von mindestens 90% arbeiten, sind es bei den Müttern lediglich 14%. Die Zahlen zeigen, dass auch in der heutigen Zeit das klassische Rollenverständnis vom Mann als Haupternährer gelebt wird. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Teilzeitpensen der Mütter in Paarhaushalten in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben, wobei die familienergänzende Kinderbetreuung eine wichtiger Faktor ist, um dies zu ermöglichen.

 

Die Initiative „Kinderbetreuung Ja“, über die am 13. Juni im Kanton Zürich abgestimmt wird, verfolgt das Ziel, ein der Nachfrage entsprechendes Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung für Kinder und Jugendliche zur Verfügung zu stellen. Wir von Tink.ch haben uns in diesem Zusammenhang gefragt, wie die junge Generation zur Organisation der Kinderbetreuung steht:

 

 

Xavier O.* , 18 Jahre, Schüler aus Zürich:

„Ich stimme Nein. Ich glaube, dass wir bereits genug Kinderbetreuungen haben. Dazu kommt, dass ich der Meinung bin, dass ein Kind, das immer in die Krippe muss, den Bezug zu den Eltern verlieren könnte. Es sollte das Ziel der Eltern sein, eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Und das ist sicher weniger schnell und gut möglich, wenn das Kind immer (wieder) in der Krippe ist.“

Deshalb stimme ich zweimal Nein.

 

Barblin Michelsen, 18 Jahre, Schülerin aus Wald (ZH):

„Fördernd ist die Krippe für die Sozialkompetenz der Kinder. Auch bezüglich Integration wäre es hilfreich, wenn sich mehr Leute einen Krippentag leisten können. Auch weiss ich, dass die Kinder in den Krippen gut aufgehoben sind – meine Freundin arbeitet dort. Andererseits habe ich Mühe damit, wenn bereits Babys fünf Tage die Woche in der Krippe abgeliefert werden. Das sind Ausnahmen, aber sie kommen vor. Die allgemeine Skepsis gilt einer fehlenden Beziehung zwischen Kind und Eltern, aber solange man es nicht übertreibt, sehe ich darin keine Gefahr. Im Gegenteil: Abstand kann auch gut tun.“

Ich stimme zweimal Ja.

 

Tess Zürcher, 19 Jahre, Schülerin aus Küsnacht (ZH):

„Ich habe bereits ein Nein gestimmt. Meine Meinung ist hart. Aber ich finde, dass Mütter für ihre Kinder bis mindestens zum Kindergartenalter hundertprozentig da sein sollten, um ihnen den Grundstock einer Erziehung und Werte mitzugeben.  Wer die Möglichkeit dazu nicht hat, sollte abwarten und das Kind nicht einfach „abschieben“.“

Deshalb stimme ich zweimal Nein.

 

Daniela Metzger, 31 Jahre, Kommunikationsfachfrau aus Zürich:

„Ich finde, die Behörden sollten dafür sorgen, dass den Eltern eine möglichst hohe Entscheidungsflexibilität gewährt wird. Es gibt Mütter und Väter, die arbeiten abends oder am Wochenende. Auch für sie soll eine externe Kinderbetreuung möglich sein. Wenn ich selbst einmal Kinder haben sollte, möchte ich frei entscheiden können, ob ich nun zu 100 Prozent für das Kind da bin oder zumindest Teilzeit arbeite. Käme es dann soweit, dass ich einen Job nicht annehmen könnte, nur weil ein ergänzendes Kinderbetreuungsangebot fehlt, fände ich das sehr ärgerlich. Nur wenn den Eltern eine 100-prozentige Entscheidungsfreiheit gewährt wird, sind diese zufrieden. Und zufriedene Eltern, machen auch das Kind glücklich.“

Ich bin deutsche Staatsbürgerin. Wenn ich abstimmen könnte, würde ich bei der Volksinitiative „Kinderbetreuung Ja“ zweimal ein Ja in die Urne werfen.

 

Lukas S., 19 Jahre, Gymnasiast aus Buochs (NW):

„Ich möchte eine Familie mit zwei bis drei Kindern gründen. Auch nach der Geburt meiner Kinder sehe ich mich bei einem Vollzeitjob und erwarte, dass meine Partnerin die Kinderbetreuung übernimmt. Nachdem die Kinder etwas älter geworden sind, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie beispielsweise zwei Halbtage in der Woche fremdbetreut werden und meine Partnerin auf ihren Wunsch Teilzeit arbeiten könnte.Aufgrund der hohen Kosten der externen Kinderbetreuung würde ich es befürworten, wenn sich der Staat stärker an den Kosten der Krippenplätze beteiligt.«

Wenn ich Zürcher wäre, würde ich zweimal Ja stimmen.

 

Anais Kaspar, 19 Jahre, Schülerin aus Zürich:

„Die Eltern sollten sich vorzeitig überlegen, ob sie genug Zeit, den Willen und auch die finanziellen Mittel haben, um für das Kind sorgen zu können. Ein Kind bedeutet nicht nur eine Umstellung, sondern eben auch, dass man Verantwortung übernimmt und zwar die volle.“

Ich werde zweimal Nein stimmen.


 

Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Wie werdet ihr am kommenden Sonntag abstimmen?

 

 

 

*Der Name wurde auf Wunsch anonymisiert und ist der Redaktion bekannt. (1.10.2015)

 

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