Kultur | 15.06.2010

Feuer ersetzt Worte

Text von Thomas Hirsbrunner | Bilder von PD
Rammstein sorgte am diesjährigen Greenfield Festival für den musikalischen Höhepunkt. Die deutschen Brachial-Rocker erfüllten die hohen Erwartungen und überzeugten mit einem imposanten Auftritt. Für Aufsehen sorgten dabei eine gewaltige Choreografie, viel Feuer und eine penisförmige Kanone.
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Bild: PD

Kurz vor Mitternacht fiel am Samstagabend der schwarze Vorhang, hinter dem die gesamte Hauptbühne verborgen lag. Darunter kam eine monströse Deutschlandflagge zum Vorschein. Als mit den ersten Klängen von Rammstein auch dieses gewaltige Banner fiel, tauchen inmitten meterhoher Flammen die sechs Helden des diesjährigen Greenfield Festivals auf. Angeführt von Sänger Till Lindemann – der in eine rote Fleischerschürze gekleidet war – heizte die deutsche Metalband mit dem ersten Song «Rammlied« gleich von Beginn weg mächtig ein. Neben den typisch harten Tönen und den kontroversen Songtexten wurde der Auftritt von einer gewaltigen Show und einzigartigen Pyroeinlagen begleitet.

 

Laufband und Bootsfahrt

In den darauffolgenden eineinhalb Stunden ging der Auftritt im gleichen Stile weiter. Verschnaufpausen gab es kaum, die 1994 in Berlin gegründete Band reihte Hit an Hit. Dabei fand Rammstein den idealen Mix aus Songs ab dem neuen Album «Liebe ist für alle da« und älteren Klassikern wie “Du Hast”, “Benzin” oder “Sonne”. Für Aufsehen sorgte die zweideutige Performance des jüngsten Klassikers “Pussy”: Anders als im Musikvideo vergnügte sich Sänger Till Lindemann zwar nicht mit Prostituierten, dafür spritzte er mit einer penisförmigen Kanone haufenweise Schaum in die Publikumsmenge. Die körperlich grösste Herausforderung nahm trotzdem nicht der Frontmann, sondern sein Kollege am Keyboard an. Christian “Flake” Lorenz spielte das gesamte Konzert über auf einem Laufband marschierend. Am Ende unternahm er sogar noch eine Reise im Gummiboot über das Händemeer bis hin zum Lichtturm und zurück.

 

Mit acht LKW’s angereist

Rammstein war zweifellos das Highlight des diesjährigen Greenfield Festivals. Dies war nicht zuletzt am eindrücklichen Publikumsaufmarsch während ihres Auftrittes zu spüren. Der Zeltplatz war während dem Konzert praktisch menschenleer, umso dichter reihten sich die rund 26’000 Festivalbesucher vor der Hauptbühne. Rammstein schien dies allerdings wenig zu beeindrucken. Ausser einem “vielen Dank” zum Schluss, sprach Lindemann während der gesamten Show nicht ein Wort zu den Fans. Doch dies wurde den Rockern nicht übel genommen, die grossartigen Showeinlagen machten den fehlenden Dialog bei weitem wett. Doch die enorme Bühnen- und Pyroshow zog auch grossen logistischen Aufwand mit sich. Rammstein reiste mit acht LKW’s nach Interlaken, die ihrer Grösse wegen auf Schweizer Strassen nur knapp zugelassen sind.