Kultur | 30.06.2010

Die Schönheit des Rassismus

Zwischen sozialer Hölle und künstlerischem Himmel - über 100 Werke von Jean-Michel Basquiat sind bis September in der Fondation Beyeler in Riehen ausgestellt.
Empfang an der Fondation Beyeler.
Bild: Katharina Good Selbstporträt des Künstlers, 1982 (Ausschnitt). Zusammenarbeit mit dem Künstler- Star Andy Warhol, 1985 (Ausschnitt). Basquiat malte nicht nur auf Leinwänden und auf seinen grossen Bildern wurden Schwarze auch manchmal zu Königen oder Stars (Grillo, 1984).

Man wird mit offenen Armen empfangen. Eine skelettartige, mit unterschiedlichen Farben ausgestaltete Figur grinst den Besucher mit zur Seite hin erhobenen Armen an. Neben ihr steht ein Hund mit leerem Blick und fletschenden Zähnen. Der leuchtend helle Hintergrund hebt die schwarzen Silhouetten der beiden figürlichen Gestalten hervor, deren lebendige Körper durch das hinter ihnen entbrannte Feuer zu schmelzen scheinen. Es wird schnell klar, auf welche Reise man sich einlassen wird.

 

Auf dem Weg zum Kunststar

Die Fondation Beyeler widmet dem amerikanischen Künstler Jean-Michel Basquiat eine umfassende Retrospektive seiner Werke. Gezeigt wird eine Auswahl von über 100 Gemälden und Zeichnungen aus den verschiedenen Phasen der Entwicklung Basquiats auf dem Weg zum Kunststar. Den Eingang bilden die Empfangsfigur mit Hund des Bildes «Boy and Dog in a Johnnypump«, das neben zwei weiteren Grossformaten einen Reiseüberblick verschafft und auf den Anfang des Weges verweist. Schnelle Pinselstriche lassen die immense Energie und Geschwindigkeit spüren, mit der man sogleich durch die Ausstellung getragen wird. Die Bilder sind farbig, fröhlich, düster, melancholisch, grausam.

 

Noch einer

Basquiat, geboren 1960 in New York, machte sich in seinem Frühwerk in künstlerischer Zusammenarbeit mit Al Diaz unter dem Namen “SAMO©” einen Namen in der Graffiti-Szene, die sein Werk noch lange beeinflussen sollte. Bereits im Alter von 21 Jahren, bisher von verschiedenen Galerien gefördert, wurde er als jüngster Teilnehmer an die “Documenta 7” in Kassel eingeladen. Diesem Erfolg schloss eine steile Karriere zum Kunststar an, der in den USA, Europa und Japan einen hohen Bekanntheitsgrad erzielt. Sein früher Tod trug wohl noch verstärkt zu einer Legendenbildung bei: noch ein Drogentoter, der sich im Alter von 27 Jahren in die Mythenreihe Kurt Cobain, Janis Joplin oder James Dean eingliedert. Trotz dieser kurzen Schaffenszeit hat er mit rund 1000 Gemälden und 2000 Zeichnungen ein gewaltige Sammlung hinterlassen.

 

Auf dem schmalen Grat

Die Malerei ist gekennzeichnet von maskenartigen Figuren, deren knochige Körper sich aus der Kombination von Malerei, Zeichnung und Collage zusammensetzen. Basquiat lässt die Malerei mit Zeichnung und Collage in einen Dialog treten, der den Betrachter zum Verweilen einzuladen vermag, gleichzeitig eine Intensität beinhaltet, die einen in Distanz zum Kunstwerk treten lässt. Die exstatische Farbigkeit verschmilzt mit der Linie und der Schrift, bildet zusammen mit den expressiven Figuren einen Kontrast, der den Betrachter auf dem schmalen Grat zwischen Abscheu und Gefallen leitet. In der thematischen Behandlung von Rassismus, Ungleichheit und Kapitalismus brilliert sein Werk in seiner farbigen Intensität als Reflexion über die Gesellschaftsstruktur. Der Rassismus kollidiert mit den farbenprächtigen Kunstwerken, die soziale Hölle mit dem künstlerischen Himmel. Eine thematische Reise, deren Wege sich bis in die Gegenwart erstrecken. Noch bis am 5. September 2010 ist die Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen zu besichtigen.

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