Kultur | 26.06.2010

„Die Royal Family ist bei jeder Tour dabei.“

Entgegen den Erwartungen gehört der Name "Alberta Cross" keiner Frau mit hoher Soulstimme, sondern einer Band, die trotz der langen Lockenpracht männlicher nicht sein könnte. Wir haben uns mit Terry und Austin über ihre ungewohnte Namenwahl und sexuelle Vorlieben unterhalten.
Klaut Petter seinen Bandkollegen wirklich das Fleisch vom Teller?
Bild: Madelien Waegemans und Jens Baert

Um die Band Alberta Cross herrscht ein ungelöstes Geheimnis: Wieso um Himmels willen haben sie sich Alberta Cross genannt? Etliche Interviews später – ein kurzer Blick auf Wiki hätte es auch getan – entdecken wir unser heutiges Ziel: Alberta Cross ist ein Anagramm! Wofür? Das sagen sie NIE. Na dann, wir werden es versuchen!

 

 

Also, wir fangen gleich mit unserem Rechercheergebnis an und zwar haben wir gedacht, wenn ihr das Geheimnis um euren Namen und dessen Anagramm nicht lüften wollt, dann werden wir es tun. Wir haben hier eine Auswahl einer Liste der möglichen Anagramme, die man mit „Alberta Cross“ machen kann.

Terry: Oha, na dann, zeigt mal her!

 

Da wäre zum Beispiel „Albatross Rec“, das nach einem interessanten Plattenlabel tönt.

Austin: „Sacra Lobster“! Heiliger Hummer, das ist ja geil!

Tink.ch: Cobra Artless (Kunstlose Kobra) ist unser persönlicher Favorit.

Terry: Da hat es tatsächlich ein paar gute Beispiele darunter.

 

Und…?

Terry: Wir werden nicht verraten ob die richtige Lösung darunter ist. Sie könnte zwar da sein, aber wir werden es noch nicht enthüllen. (lacht)

 

Petter ist ja teilweise in Schweden aufgewachsen, ist das Anagramm auf Englisch oder auf Schwedisch? Wir haben nämlich auch versucht Anagramme auf Schwedisch herauszufinden, war aber ziemlich schwer.

Terry: (lacht) Nein, nein, das Anagramm ist auf Englisch.

 

Nun aber Platz für unser Festivalinterview, welches ihr mit euch selbst machen werdet.

Austin: Super, ich fang an. Also, Terry dein liebstes Trinkspiel?

Terry: Kennt ihr den Film „Mask“? Das ist dieser Film mit Cher. Sie hat ein Kind mit einem sehr langen Gesicht, das ein wenig aussieht wie ne Maske. Also, jedes Mal wenn dieser Junge anfängt zu weinen oder rumzunörgeln, muss man einen Trinken. Und ich sag’s euch, es ist ziemlich unmachbar, es bis zum Schluss des Films zu schaffen. (Alle lachen)

 

Wie viele Male hast du den Film gesehen?

Terry: Naja, das ist gerade die Ironie dahinter. Ich mag diesen Film eigentlich überhaupt nicht. Ich kann mich eh nur an die erste Hälfte des Films erinnern. Was danach passiert, weiss ich nicht.

 

Dann wäre die Frage wohl eher, wie oft du ihn zu Ende gesehen hast.

Terry: Das wäre dann Null. Normalerweise sind wir in der Hälfte so besoffen, dass wir einfach ausgehen.

 

Terry: Ok, Austen. Was war das schlechteste Konzert, dass du je an einem Festival gesehen hast?

Austin: Oh… ahm… Blackout. Schlechte Konzerte vergesse ich schnell. Das ist ziemlich praktisch.

 

Austin: Was war deine Lieblingsmusik, als du klein warst?

Terry: Meine Schwester hat mich schon früh an viele Heavy Metal-Konzerte mitgenommen. Da war es ganz natürlich, dass ich mich auch dafür interessierte. Iron Maiden, Metallica, Motörhead und solche Sachen. Mit der Zeit hab ich meinen musikalischen Geschmack ausgebreitet und mich immer mehr für Shoegaze und Britpop interessiert. Hauptsächlich solche Sachen. Brave New World, Blur’s Anfänge. Ich wuchs in London auf, wo es eine riesige Szene dafür gab. All diese Bands waren dauernd da. The Verve waren aber meine Hauptlieblingsband.

 

Terry: Wovon bist du momentan gerade besessen?

(Während Austin nachdenkt, wird ein wenig geplaudert bis er leise eine Antwort gibt, die wir aber alle hören.)

Austin: Leder.

Alle: Leder!? (Alle lachen)

Austin: Nein, Blödsinn. Soll es mehr in der Musik sein oder irgendwas?

 

Egal. Hauptsache, du bist davon besessen!

Austin: Nun ja, Musik ist eigentlich das Einzige, was mich immer begeistert.

 

Und im Moment gerade?

Terry: Sex!

 

Oh, ist das eine neue Band?

Terry: Jaja, die machen einen ziemlich harten Sound…

Austin: Momentan ist es hauptsächlich Indische Musik von Künstlern, deren Name ich nicht aussprechen kann. Ellenlange, sehr meditative Stücke. Meistens habe ich gar keine Zeit, die ganze Platte zu hören, so lang ist sie.

 

Meditierst du?

Austin: Ich habe lange meditiert, habe aber momentan keine Zeit mehr dafür. Ich versuche jeweils beim Aufstehen zu meditieren!

 

Austin: Was war die schlechteste Ausrede, die du je gebraucht hast?

Terry: Wahrscheinlich als ich meinem damaligen Arbeitsgeber gesagt habe, dass meine Grossmutter gestorben war, um eine Woche frei zu kriegen. Dabei war sie schon vier Jahre zuvor gestorben.

Austin: Ist aber die Wahrheit, schliesslich war sie tot.

Terry: Das stimmt eigentlich.

 

Wo hast du denn früher gearbeitet?

Terry: Ich habe in London beim Label „Tower Records“ gearbeitet.

Austin: Ja, und nach dieser Woche, ging das Label bankrott. Das war also alles seine Schuld.

 

Du hast also auch ein wenig hinter die Kulissen geschaut, indem du bei einem Label gearbeitet hast. Würdest du sagen, dass es heute schlecht um Indielabels steht? Und wenn ja wieso?

Terry: „Tower Records“ war früher so gross, weil Indie Musik massiv wichtiger war als „Mainstream“ und weil wir wussten, wovon wir sprechen. Heutzutage brauchst du Verkaufserfahrung, um in einem Plattenladen zu arbeiten. Du brauchst gar nichts über Musik zu wissen, du tippst einfach Namen in deinen Computer ein, und dann weisst du, was du suchen musst. Was soll das? Um einen guten Laden zu schmeissen, ist es unabdingbar zu wissen, wovon du sprichst, was du verkaufst und vor allem wieso. Damit, wenn Leute was wollen, du ihnen auch etwas Zusätzliches empfehlen kannst. Viele Bands bleiben durch diese „Vereinfachung“ des Berufs unentdeckt. Früher konnten Labels junge Bands auch unterstützen, was heute gar nicht mehr möglich ist. Wir konnten noch davon profitieren, aber dutzende talentierte, junge Leute können nichts machen. Dafür starten Bands heutzutage oft ihre eigenen Labels, produzieren so ihre Alben selbst und verteilen sie an Konzerten. Das bringt gute Musik in Umlauf. Und wer weiss, in ein zwei Jahren wird vielleicht eines dieser kleinen, neuen Label ein sehr wichtiges sein.

Austin: Vielleicht braucht es auch einfach ein paar kreative Leute, die ein neues Medium für Musik erfinden. Die Lage ist momentan einfach sehr chaotisch. Auch mit dem Wiedererwachen des Vinyls.

Terry: Vinyl bleibt aber die beste Form, sich Musik anzuhören.

 

Terry: Wie überlebt man ein Festival?

Austin: Das Catering übernehmen. Oder alles spenden. Zumindest als Band. Als Besucher mit den üblichen Sachen halt. Viel trinken. Kein Sex in dem Schlamm. Da kann man Krankheiten erwischen. Sich auf natürliche Katastrophen gefasst machen. Aber am einfachsten ist womöglich, ein Bandmitglied kennen zu lernen und Backstage gratis Bier zu trinken.

 

Oh! Hallo, sehr erfreut!

(Alle lachen)

 

Austin: Was wolltest du schon immer machen, hast es aber bis jetzt noch nie gewagt?

Terry: Fallschirmspringen. Ich hab extreme Höhenangst, aber ich stell mir das so toll vor. Als ob du fliegen würdest.

Austin: Und was, wenn du eine Gans treffen würdest auf dem Weg nach unten?

Terry: Der Aufprall könnte die Gans töten, aber er könnte genauso mich umbringen. Gänse sind generell sehr robuste Tiere, hört man.

 

Terry: Austin, was sind deiner Meinung nach die schlechtesten Gewohnheiten deiner Bandkollegen?

Austin: Oh, das kann ich nicht sagen.

Terry: Komm schon, ist eh keiner da ausser mir.

Austin: Also Terry furzt mir manchmal ins Gesicht. Das ist schon ziemlich unangenehm.

Terry: (schockiert) Was?

Austin: Ok, nein das war frei erfunden. Petter klaut mir immer das Fleisch aus meinem Teller. Nur das Fleisch. Alec klaut mir immer die Frauen weg, sobald mir eine gefällt. Das grösste Problem mit Terry ist vermutlich, dass er immer mit mir Sex haben will.

Terry: Oh ja, total.

 

Aber ich dachte, dass Sex deine Obsession war?

Austin: Ah nein, nein. Das war Leder. Und Terry’s Haut ist sehr weich, also ganz und gar nicht lederig. Ich brauch dieses raue Gefühl.

Terry: Und wie ihr euch vorstellen könnt, kann ich es kaum erwarten, bis das Interview vorbei ist, und ich weiterhin versuchen kann, mit ihm zu schlafen (alle lachen). Ich habe es nämlich für die letzten zehn Minuten nicht mehr versucht.

 

Austin: Was ist das Komischste auf deinem Rider?

Terry: Wir haben ein eingerahmtes Bild der Royal Family auf unserem Rider. Ich denke, das ist vermutlich das Komischste. Obwohl das eigentlich sehr üblich ist.

 

Ja sicher, wir haben noch nie eine Band ohne so ein Bild gesehen.

Terry: Sie sind sicherlich nicht die schönsten Menschen auf dieser Welt.

 

Aber wieso ein Bild der Royal Family?

Terry: Das ist doch meine Familie, und wohin ich gehe, folgen sie mir. Ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann. Und sie sind nicht gerade sehr attraktiv, das boostet mein Selbstbewusstsein. Ist das exotisch genug?

 

Leider müssen wir hier Schluss machen. Wollt ihr die Anagramm Liste behalten?

Terry: Ja, doch, das wäre cool. Und irgendwann einmal, wenn wir das Rätsel aufdecken wollen, dann rahmen wir diese Liste ein, falls die Lösung drauf ist. Was wir ja nicht verraten können.