Gesellschaft | 28.06.2010

Augen auf und durch

Die ersten Fahrstunden: Für viele eine nervliche Zerreissprobe. Dabei ist es hilfreich, wenn ein beruhigend wirkendender Fahrlehrer zur Seite steht. Die Notbremse jederzeit griffbereit.
Eine Fahrschule mit beruhigender Wirkung.
Bild: www.pixelio.de/Alexander Hauk

Der Tod – das muss ich in einem Auto sein. Es ist tatsächlich so weit: Lange habe ich mich gesträubt, meine Nasenflügel offensiv gebläht, dramaturgisch höchst effektiv auf die liebe Mutter Natur und mein Velo verwiesen. Nun bin ich aber der Meinung, dass ein solches Blättchen im Ausland oder auch sonst mal im Leben doch was nützen kann – wie die meisten Blättchen – und habe mich entschieden, diesen Sommer durch die Stadt zu kurven. Sprich, das Autofahren von der Pike auf zu erlernen. Zumindest es zu versuchen. «Nach links halten!- schreit mein Vater. Gleichzeitig juckt es ihn alle paar Sekunden, die Handbremse zu betätigen. Ich kann es ihm nicht verübeln, da ich mich in der Haut eines blutigen Anfängers und noch dazu am Lenkrad auch nicht gänzlich wohl fühle.

 

Der perfekte Fahrlehrer

Und deshalb suche ich den Markus auf. Der Markus ist ein gemütlicher älterer Mann mit schütterem Haar und gemächlichem Naturell, mit schnellen Reflexen. Kurz: Ein Mann fürs Grobmotorische und für den Beruf des Fahrlehrers perfekt geeignet. So ich da mit dem Markus gemächlich und mittlerweile doch auch beruhigt durch den Parkplatz kurve, sagt er etwas, das klingt wie: «Und bei der nächsten Ausfahrt raus nach rechts, wir ändern das Gelände ein wenig.- Huch. Eine Autobahn! Und mit einem total unschuldigen wer-hätte-dies-gedacht-Blick weist er mich an, doch mal etwas kräftiger aufs Gas zu drücken, ja, noch ein bisschen und noch ein bisschen und, ach ne, das ist zu viel. Dafür, dass ich nicht mal losfahren kann, ohne den Motor dreifach ins Nirwana zu jagen, hätte ich mir den Highway nicht wirklich zugetraut. Aber das Kizmet, der in der Sommerhitze dünstenden und vor Angst schlotternden Anfängerin, will halt anders. Nun, nichts anderes bleibt mir übrig, als an den Markus zu glauben.

 

Fahrtaugliche Waden

Und was lernt man so in der ersten Stunde? Man erfährt viel über das Getriebe eines Vehikels. Aus der fahrenden Perspektive sind sich bewegende Fussgänger kleine perfide schräge Striche in der Landschaft. Auch wenn mein Körper Antikörper gegen Muskelaufbau bildet, so habe ich doch ziemlich tolle und fahrtaugliche Waden. Die Autobahn ist auch nur ein Weg geradeaus. Das Leben ist kein Ponyhof, aber zumindest weiss ich jetzt durch Markus alles, aber auch alles über das Leben auf einem Ponyhof («und du, reitest du auch?-). Sowie: Tocotronic ist nach einer Fahrstunde Balsam für die Seele.