Kultur | 15.06.2010

Am Rande des Genreteichs fischen

Nicht nur die grossen Namen wie Prodigy oder Rammstein überzeugten am Greenfield Festival. So überraschten Blessed By A Broken Heart aus Montreal am Samstag mit Glam-Metal im Stile der 80er Jahre.
Ein bisschen wie Kiss und Alice Cooper: Blessed By A Broken Heart aus Montreal. Fotos: Thomas Hirsbrunner Sänger Tony Gambino stiess erst 2006 zur kanadischen Gruppe, vier Jahre nach der Bandgründung.

An einem Festival gehören neben den bekannten Bands, die mit ihren Namen für Ticketverkäufe sorgen, oftmals die Neuentdeckungen zu den Highlights. Ohne Erwartungen an ein Konzert zu gehen und dafür positiv überrascht zu werden, ist ein besonderer Reiz und war auch dieses Jahr in Interlaken wieder garantiert. Die Organisatoren hatten viele Perlen zwischen Prodigy, Rammstein und Co. gestreut.

 

Dazu gehörten auch Blessed By A Broken Heart, zu Deutsch “Gesegnet mit einem gebrochenen Herzen”. Die Musik war dann aber ganz und gar nicht melancholisch, sondern ein überaus tanzbarer Glam-Metal im Stile von Kiss oder Alice Cooper. Die härteren Lieder der Band wurden begleitet von wildem Gepoge und die melodiöseren Nummern bewegten auch die umstehenden Zuschauer zum Tanzen. Zudem erwies sich Sänger Tony Gambino als genialer Anheizer. Dies war nicht zuletzt möglich dank der kleineren Bühne. Im Vergleich zur grossen Hauptbühne bot die Nebenbühne eine intimere Atmosphäre und schönere Akustik.

 

Mut zur Abwechslung

Eine Überraschung waren auch die Peacocks. Die Schweizer Band vermochte mit ihrer Mischung aus Punkrock und Rockabilly viel Farbe in den grauen Sonntagabend zu bringen. Seit fast 17 Jahren touren die Peacocks durch die Welt – die Erfahrung war ihnen auch anzumerken. Routiniert und mit viel Charme holten sie jene im Publikum ab, die noch nicht genug hatten vom Tanzen.

 

Es ist zu wünschen, dass auch weiterhin eine gesunde Mischung gefunden wird am Greenfield Festival. Das Konzept, voll auf den Musikgeschmack einer bestimmten Zielgruppe zu setzen, hat sich nicht nur in Interlaken bewährt und soll laut Festivaldirektion beibehalten werden. Und doch darf auch weiterhin an den Rändern des Genreteichs gefischt werden.

Links