Die Schönheit des Rassismus

Man wird mit offenen Armen empfangen. Eine skelettartige, mit unterschiedlichen Farben ausgestaltete Figur grinst den Besucher mit zur Seite hin erhobenen Armen an. Neben ihr steht ein Hund mit leerem Blick und fletschenden Zähnen. Der leuchtend helle Hintergrund hebt die schwarzen Silhouetten der beiden figürlichen Gestalten hervor, deren lebendige Körper durch das hinter ihnen entbrannte Feuer zu schmelzen scheinen. Es wird schnell klar, auf welche Reise man sich einlassen wird.

 

Auf dem Weg zum Kunststar

Die Fondation Beyeler widmet dem amerikanischen Künstler Jean-Michel Basquiat eine umfassende Retrospektive seiner Werke. Gezeigt wird eine Auswahl von über 100 Gemälden und Zeichnungen aus den verschiedenen Phasen der Entwicklung Basquiats auf dem Weg zum Kunststar. Den Eingang bilden die Empfangsfigur mit Hund des Bildes „Boy and Dog in a Johnnypump“, das neben zwei weiteren Grossformaten einen Reiseüberblick verschafft und auf den Anfang des Weges verweist. Schnelle Pinselstriche lassen die immense Energie und Geschwindigkeit spüren, mit der man sogleich durch die Ausstellung getragen wird. Die Bilder sind farbig, fröhlich, düster, melancholisch, grausam.

 

Noch einer

Basquiat, geboren 1960 in New York, machte sich in seinem Frühwerk in künstlerischer Zusammenarbeit mit Al Diaz unter dem Namen “SAMO©” einen Namen in der Graffiti-Szene, die sein Werk noch lange beeinflussen sollte. Bereits im Alter von 21 Jahren, bisher von verschiedenen Galerien gefördert, wurde er als jüngster Teilnehmer an die “Documenta 7” in Kassel eingeladen. Diesem Erfolg schloss eine steile Karriere zum Kunststar an, der in den USA, Europa und Japan einen hohen Bekanntheitsgrad erzielt. Sein früher Tod trug wohl noch verstärkt zu einer Legendenbildung bei: noch ein Drogentoter, der sich im Alter von 27 Jahren in die Mythenreihe Kurt Cobain, Janis Joplin oder James Dean eingliedert. Trotz dieser kurzen Schaffenszeit hat er mit rund 1000 Gemälden und 2000 Zeichnungen ein gewaltige Sammlung hinterlassen.

 

Auf dem schmalen Grat

Die Malerei ist gekennzeichnet von maskenartigen Figuren, deren knochige Körper sich aus der Kombination von Malerei, Zeichnung und Collage zusammensetzen. Basquiat lässt die Malerei mit Zeichnung und Collage in einen Dialog treten, der den Betrachter zum Verweilen einzuladen vermag, gleichzeitig eine Intensität beinhaltet, die einen in Distanz zum Kunstwerk treten lässt. Die exstatische Farbigkeit verschmilzt mit der Linie und der Schrift, bildet zusammen mit den expressiven Figuren einen Kontrast, der den Betrachter auf dem schmalen Grat zwischen Abscheu und Gefallen leitet. In der thematischen Behandlung von Rassismus, Ungleichheit und Kapitalismus brilliert sein Werk in seiner farbigen Intensität als Reflexion über die Gesellschaftsstruktur. Der Rassismus kollidiert mit den farbenprächtigen Kunstwerken, die soziale Hölle mit dem künstlerischen Himmel. Eine thematische Reise, deren Wege sich bis in die Gegenwart erstrecken. Noch bis am 5. September 2010 ist die Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen zu besichtigen.

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“Die Arbeit am Text hat mehrere Jahre gedauert”

Daumen hoch, Daumen runter. Die Tage der deutschsprachigen Literatur finden zwar im österreichischen Klagenfurt statt, erinnern aber an das antike Rom. Vierzehn literarische Gladiatoren stellen sich der gnadenlosen Kritik der Jury. Eine halbe Stunde lang lesen die Autoren den Fernsehzuschauern und dem Publikum im Saal aus ihrem unveröffentlichten Manuskript vor und werden danach mit der öffentlichen Jurydiskussion konfrontiert. Ziel: der Ingeborg-Bachmann-Preis, eine der bedeutendsten Auszeichnungen im Circus maximus der deutschen Literatur.

 

Zurzeit in Berlin

Eine der nominierten Autorinnen ist Dorothee Elmiger. 1985 in Wetzikon geboren, wuchs Elmiger in Appenzell auf und lebt derzeit in Berlin, wo sie Politikwissenschaft studiert. Davor studierte sie am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2009 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, womit sie den Rummel um den Bachmannpreis bereits einmal aus nächster Nähe miterleben durfte.

 

Ihr Debütroman “Einladung an die Waghalsigen” spielt in einer postapokalyptischen Landschaft. In den unterirdischen Kohlereserven ist vor vielen Jahren ein Feuer ausgebrochen, das immer noch weiterglüht; die Erdoberfläche ist verwüstet. Die Schwestern Margarete und Fritzi brechen zu einer Reise auf, um ihre Herkunft und möglicherweise eine neue Zukunft zu finden. Der zugleich verschachtelte und spartanische Text brachte Elmiger am Samstag viel Lob ein:  Er sei “poetisch”, “originell” und “unglaublich clever gemacht”. Nur der Schweizer Schriftsteller und Übersetzer Alain Claude Sulzer gab sich ratlos: Er sei froh, dass man ihm den Text jetzt erklärt habe, meinte er zum Abschluss der kommentierenden Runde. Bis kurz vor Ende standen die Chancen für Elmiger gut; nach einer Stichwahl ging der Preis jedoch an den Deutschen Peter Wawerzinek. Elmiger gewann den mit 10’000 Euro dotierten Kelag-Preis.

 

Dorothee Elmiger, um in Klagenfurt anzutreten, muss man von einem Jurymitglied nominiert werden. Wie ist das bei Ihnen abgelaufen?

Der Juror und Kulturjournalist Paul Jandl hat mich vorgeschlagen. Ich habe einen Textauszug zusammengestellt, den der Verlag an ihn geschickt hat. So funktioniert das in der Regel. Ich habe im Zug von Berlin nach Basel von meiner Teilnahme erfahren – Herr Jandl hat auf meiner Combox eine Nachricht hinterlassen. Dann, irgendwo vor Frankfurt, war der Akku meines Telefons leer, und ich war mit der Nachricht also erst einmal allein. Das war sehr schön, ich habe mich natürlich gefreut, war aber auch unsicher: Was bedeutet das jetzt?

 

Welches Verhältnis haben Sie selbst zu Ihrem Text?

Die Arbeit an dem Text hat mehrere Jahre gedauert, gerade ist das Buch nun in den Druck gegangen. Ich bin gespannt, wie sich das Verhältnis zu dem Text ändern wird, wenn er plötzlich festgeschrieben als Buch vor mir liegt.

 

Nach dem Klagenfurter Literaturkurs haben Sie sich im “Appenzeller Volksfreund” kritisch über den Bachmann-Preis geäussert: Der Wettbewerb “dümple in flachen Gewässern vor sich hin”, und “nur konventionell erzählte, dem Realismus verpflichtete Literatur scheint überhaupt als Literatur gelten zu dürfen”. Wie stehen Sie heute zu diesen Aussagen?

Ich stehe dem Wettbewerb noch immer  kritisch gegenüber; ich habe lange überlegt, ob ich teilnehmen will. Ich glaube, es ist wichtig, sich zu fragen, was es heisst, einen Literaturwettbewerb zu veranstalten: Lassen sich Texte auf diese Art und Weise vergleichen? Und was hat die Kritik im Sinn? Kritik wird ja vor einem bestimmten Hintergrund geübt oder auf ein bestimmtes Ziel hin: Welcher Hintergrund, welches Ziel ist das? Ich denke aber, dass es vielleicht gut ist, diesen Verhältnissen offensiv zu begegnen: Sonst ändert sich ja sowieso nichts.

 

“Einladung an die Waghalsigen” erscheint im August bei DuMont.

 


Dieser Artikel ist parallel im Tages Anzeiger erschienen.

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Augen auf und durch

Der Tod – das muss ich in einem Auto sein. Es ist tatsächlich so weit: Lange habe ich mich gesträubt, meine Nasenflügel offensiv gebläht, dramaturgisch höchst effektiv auf die liebe Mutter Natur und mein Velo verwiesen. Nun bin ich aber der Meinung, dass ein solches Blättchen im Ausland oder auch sonst mal im Leben doch was nützen kann – wie die meisten Blättchen – und habe mich entschieden, diesen Sommer durch die Stadt zu kurven. Sprich, das Autofahren von der Pike auf zu erlernen. Zumindest es zu versuchen. “Nach links halten!- schreit mein Vater. Gleichzeitig juckt es ihn alle paar Sekunden, die Handbremse zu betätigen. Ich kann es ihm nicht verübeln, da ich mich in der Haut eines blutigen Anfängers und noch dazu am Lenkrad auch nicht gänzlich wohl fühle.

 

Der perfekte Fahrlehrer

Und deshalb suche ich den Markus auf. Der Markus ist ein gemütlicher älterer Mann mit schütterem Haar und gemächlichem Naturell, mit schnellen Reflexen. Kurz: Ein Mann fürs Grobmotorische und für den Beruf des Fahrlehrers perfekt geeignet. So ich da mit dem Markus gemächlich und mittlerweile doch auch beruhigt durch den Parkplatz kurve, sagt er etwas, das klingt wie: “Und bei der nächsten Ausfahrt raus nach rechts, wir ändern das Gelände ein wenig.- Huch. Eine Autobahn! Und mit einem total unschuldigen wer-hätte-dies-gedacht-Blick weist er mich an, doch mal etwas kräftiger aufs Gas zu drücken, ja, noch ein bisschen und noch ein bisschen und, ach ne, das ist zu viel. Dafür, dass ich nicht mal losfahren kann, ohne den Motor dreifach ins Nirwana zu jagen, hätte ich mir den Highway nicht wirklich zugetraut. Aber das Kizmet, der in der Sommerhitze dünstenden und vor Angst schlotternden Anfängerin, will halt anders. Nun, nichts anderes bleibt mir übrig, als an den Markus zu glauben.

 

Fahrtaugliche Waden

Und was lernt man so in der ersten Stunde? Man erfährt viel über das Getriebe eines Vehikels. Aus der fahrenden Perspektive sind sich bewegende Fussgänger kleine perfide schräge Striche in der Landschaft. Auch wenn mein Körper Antikörper gegen Muskelaufbau bildet, so habe ich doch ziemlich tolle und fahrtaugliche Waden. Die Autobahn ist auch nur ein Weg geradeaus. Das Leben ist kein Ponyhof, aber zumindest weiss ich jetzt durch Markus alles, aber auch alles über das Leben auf einem Ponyhof (“und du, reitest du auch?-). Sowie: Tocotronic ist nach einer Fahrstunde Balsam für die Seele.

Sie wollen mehr als nur zuschauen

Männerfussball ist in aller Munde, während der Frauenfussball in der Schweiz immer noch ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Doch Fussball begeistert eben auch Frauen. Eine, die für den Fussball alles gibt, ist Giuliana Pizzolotto. Die Ethnologie -, Publizistik – und Kommunikationswissenschaftsstudentin spielt seit acht Jahren und scheint nicht genug zu bekommen. Giuliana hat das Fussballfieber gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spiel mit dem runden Leder gibt ihr viel: “Ich kann Dampf ablassen und gleichzeitig abschalten. Das ist ein guter Ausgleich zur Uni. Zudem macht man etwas mit den Füssen und muss sich konzentrieren.” Sie wurde nie belächelt oder schief angesehen wegen ihrem Hobby. “Mein Umfeld ist es sich gewohnt, dass Fussball und ich zusammen gehören.” Zur Hälfte ist Giuliana Italienerin, zur anderen Hälfte Kroatin. Zwei Länder, in denen Fussball einen hohen Stellenwert geniesst. Giuliana ist in einer Fussballfamilie gross geworden. “Mein Vater war Fussballtrainer und meine beiden älteren Brüder haben auch immer Fussball gespielt.”

 

Erste Spielerfahrung in Jungenmansschaft

Sie sei aber nie zum Ausüben dieser Sportart gezwungen worden. “Seit meiner Kindheit habe ich immer mitgespielt. Zuerst beim FC Bielsdorf, in einer reinen Jungenmannschaft.” Irgendwann sei die Freude am Fussball auf der Strecke geblieben. Doch ihre Cousine konnte sie ein paar Jahre später für die Frauenmannschaft in Bülach gewinnen und seither dribbelt Giuli, wie sie ihre Freunde nennen, über den Bülacher Rasen. Im Moment laufe es aber nicht so gut: “Wir sind soeben in die zweite Liga abgestiegen, aber das kommt schon wieder”, meint Giuli zuversichtlich. Drei Mal pro Woche trainiert sie, am Wochenende sind dann noch die Matches. Spielt man in einem Fussballclub, muss man bereit sein, Zeit zu investieren. Und man muss gewisse Eigenschaften mitbringen: “Man muss gut im Team spielen können. Aber grundsätzlich ist die Freude am Fussballspiel wichtig”, meint Giuliana auf die Frage.

 

Zwei verschiedene Fussballwelten

In einigen Punkten gibt es zwischen Frauen – und Männerfussball grosse Unterschiede. Bei den Jungs komme immer schnell der Wunsch auf, Profifussballer zu werden. Bei den Mädchen sei dies anders. Die Schweizer Nationalmannschaft der Frauen besteht nur aus Frauen, die neben dem Fussball noch berufstätig sind. Sich für eine Profikarriere zu entscheiden, ist viel risikoreicher als für Männer. Trotz eher düsteren Aussichten gibt Giuliana auf dem Platz alles. Der Wiederaufstieg in die 1. Liga sei das mittelfristige Ziel.

 

Wenn man einen Blick auf die Fussballwelt wirft, zeichnet sich ein unterschiedliches Bild ab. Während in den USA Frauenfussball weit verbreitet ist und es an den Colleges auch professionell betreute Mannschaften gibt, ist es in Europa immer noch eine Randsportart. “Wir fallen hier kaum auf. Italien zum Beispiel verbindet man sehr stark mit Fussball, aber nur mit dem Männerfussball. Während die deutsche Frauenmannschaft etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt”, sagt Giuliana.

 

Wenig Aufmerksamkeit

Auf die Frage, was sich denn verändern müsste, damit der Frauenfussball mehr Aufmerksamkeit bekommt, muss Giuliana einen Moment lang überlegen: “Frauenmatches sind weniger intensiv als die Spiele der Männer. Uns fehlt die körperliche Voraussetzung”, meint sie selbstkritisch. Es müsse viel Zeit vergehen, bis der Frauenfussball gesellschaftlich besser akzeptiert sei. Eine Möglichkeit, auf den Frauenfussball aufmerksam zu machen, sieht sie über den Männerfussball. “Man könnte an einem Männerspiel auf die nächsten Frauenspiele aufmerksam machen”, meint Giuliana. Wolle man ein Frauenspiel sehen, dann setze dies immer viel Eigenrecherche voraus. Dass Fussball ein Männersport ist, sei fest in der Gesellschaft verankert. “Im Laufe der Jahre haben sich die Gesellschaften gefestigte Kategorien geschaffen.” Bis diese Bilder wieder verschwunden seien, brauche es Zeit. Wer weiss: Vielleicht erleben es einst unsere Enkelinnen und Enkel, dass man sich auch Frauen ins Paninialbum kleben kann.

Unverkrampfter Umgangston der Jungen

Jan, geht die Politik mit künftigen Generationen unter? Sind die Parlamente überaltert?

Ich habe nicht das Gefühl, dass Jugendpolitik untergehen wird. Es ist zwar heute schon so, dass viele Junge nicht zur Urne gehen oder politisch aktiv sind. Dennoch blicke ich optimistisch in die Zukunft. Was das Alter auf der politischen Bühne angeht, bin ich grundsätzlich der Meinung, jede und jeder sollte selber merken, wann es Zeit ist, das Amt für Jüngere “freizugeben”. Ein Maximalalter lehne ich deshalb ab, vielmehr müsste man über eine Amtszeitbeschränkung für Parlamentarier nachdenken.

 

Während deiner Kandidatur für den Grossrat musstest du aber viele Wählerinnen und Wähler zum Urnengang überzeugen – sicher auch Kolleginnen und Kollegen. Wie beurteilst du das politische Interesse Jungendlicher?

Naja, das ist schwierig zu sagen. Klar ist, dass die Jungen, welche in der Stadt oder grossen Ortschaften wohnen, eher an die Urne gehen. Doch gerade bei Wahlen ist die Stimmbeteiligung im Allgemeinen sehr tief – nicht nur bei den Jungen. Wahrscheinlich weil es einerseits komplizierter ist, den Wahlzettel auszufüllen und andererseits Sachabstimmungen interessanter sind.

Auch die Mentalität unserer Gesellschaft ist sicherlich ein Grund, warum viele Jugendliche nicht abstimmen gehen. 18-jährige interessieren sich für andere Dinge als Politik: Sport, Kollegen, Konsum, Ausgang und Beruf. Sie vergessen dabei aber oft, dass diese Bereiche alle etwas mit Politik zu tun haben.

 

Als einer der jüngsten Grossratskandidaten hast du im Wahlkampf wohl auch potenzielle Wähler in deinem Alter angesprochen: Meinst du, dass in deinem Freundeskreis zukünftig mehr Leute abstimmen werden?

Ich denke, dass sicher einige gemerkt haben, was sie mit abstimmen und wählen erreichen können. Doch im Grossen und Ganzen habe ich nicht das Gefühl, dass sich viel ändern wird.

Zudem glaube ich zu wissen, dass mich auch viele ältere Menschen gewählt haben.

 

Ob die Jungen wählen und abstimmen, hängt wohl stark von ihrer politischen Bildung ab. Wie sind deine eigenen Erfahrungen mit dem Staatskundeunterricht?

Der Staatskundeunterricht ist etwas sehr Wichtiges. Das Problem ist, dass am Ende der obligatorischen Schulzeit viele noch nicht abstimmen dürfen. Deswegen interessiert es sie auch nicht. Im Allgemeinen ist es aber schwierig, politische Bildung in der Schule zu fördern – darf doch der Staatskundeunterricht das Individuum nicht beeinflussen im Bezug auf die politische Meinung.

 

Zum Stichwort Parteien und Jugend: Die BDP hat als einzige “grosse” Partei keine Jungpartei. Was hältst du von Jungparteien?

Oft ist es natürlich schon so, dass der Einstieg in die Parteipolitik durch eine Jungpartei hilft. So kann man in einer Jungpartei viel lernen, um dann auf der „grossen Bühne“ schon erfahrener zu sein. Dennoch ist meiner Meinung nach das System der BDP besser. In einer Jungpartei trägt man eine kleinere Verantwortung, da auch das öffentliche Interesse viel kleiner ist. Dies führt nicht selten dazu, dass zu stark provoziert wird. Es ist schon klar, dass Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker frecher auftreten sollen und dürfen. Trotzdem war ich froh, von Anfang an mit erfahrenen PolitikerInnen zusammen arbeiten zu können – so lernte ich schon von Anfang an, welchen Ton man zum Beispiel im Grossen Rat anschlagen muss.

 

Wird die BDP also auch in Zukunft keine Jungpartei haben?

Nein, wohl nicht. Was aber bereits existiert, sind verschiedene Untergruppen, wo es unter anderem auch eine für junge PolitikerInnen gibt.

 

Du bist jetzt Grossrat, also schon ziemlich mittendrin im “Politik-Business”. Wann hast du gemerkt, dass du dich politisch engagieren willst?

Etwa Anfang 2008 begann ich aktiv zu politisieren und bin auch einer Partei, der FDP, beigetreten. Doch schon nach einem halben Jahr wechselte ich zur frisch gegründeten BDP. Seit dem 6. Mai 2009 bin ich Gründungspräsident der Sektion Jäissberg. Ein prägendes Ereignis gab es eigentlich nicht, welches mich dazu veranlasst hätte, einer Partei beizutreten. Wo wir gerade beim Parteibeitritt sind: Für Jugendliche unter 18 Jahren, denke ich, macht es am meisten Sinn in einer Partei politisch aktiv zu werden. In einer Partei ist auch das Themenspektrum viel breiter, als zum Beispiel in einer Organisation wie dem WWF. Zudem kann man in einer Partei, in verschieden Gremien mitwirken und sich so ebenfalls zu verschiedenen Themenbereichen äussern.

 

Du hast vorhin die Provokationen und somit den Umgangston der Jungparteien angesprochen. Zum Schluss möchte ich dich darum fragen: Ist die Diskussionskultur bei Jungen besser?

Es stimmt, dass der Umgangston bei Jungpolitikerinnen und -politiker unverkrampfter ist. Auch ich diskutiere gerne mit ihnen. Doch man darf nicht zu viel am Umgangston der “Alten” kritisieren, denn schauen wir in die Parlamente von Nachbarländern, so erscheint unsere Umgangs- und Diskussionskultur vergleichsweise freundlich. Im Grossen Rat zum Beispiel herrscht ein sehr höflicher Umgangston, obwohl klare Voten zum Ausdruck gegeben werden.

 

 

Zur Person


Jan Gnägi ist 18 Jahre alt und wurde am 28. März 2010 in den Grossen Rat des Kanton Berns gewählt. Er gehört der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) an und ist Gründungspräsident der Sektion Jäissberg. Diesen Sommer wird er seine Ausbildung als Kaufmann E-Profil bei der Atlas Copco in Studen abschliessen.

“Die Royal Family ist bei jeder Tour dabei.”

Um die Band Alberta Cross herrscht ein ungelöstes Geheimnis: Wieso um Himmels willen haben sie sich Alberta Cross genannt? Etliche Interviews später – ein kurzer Blick auf Wiki hätte es auch getan – entdecken wir unser heutiges Ziel: Alberta Cross ist ein Anagramm! Wofür? Das sagen sie NIE. Na dann, wir werden es versuchen!

 

 

Also, wir fangen gleich mit unserem Rechercheergebnis an und zwar haben wir gedacht, wenn ihr das Geheimnis um euren Namen und dessen Anagramm nicht lüften wollt, dann werden wir es tun. Wir haben hier eine Auswahl einer Liste der möglichen Anagramme, die man mit “Alberta Cross” machen kann.

Terry: Oha, na dann, zeigt mal her!

 

Da wäre zum Beispiel “Albatross Rec”, das nach einem interessanten Plattenlabel tönt.

Austin: “Sacra Lobster”! Heiliger Hummer, das ist ja geil!

Tink.ch: Cobra Artless (Kunstlose Kobra) ist unser persönlicher Favorit.

Terry: Da hat es tatsächlich ein paar gute Beispiele darunter.

 

Und…?

Terry: Wir werden nicht verraten ob die richtige Lösung darunter ist. Sie könnte zwar da sein, aber wir werden es noch nicht enthüllen. (lacht)

 

Petter ist ja teilweise in Schweden aufgewachsen, ist das Anagramm auf Englisch oder auf Schwedisch? Wir haben nämlich auch versucht Anagramme auf Schwedisch herauszufinden, war aber ziemlich schwer.

Terry: (lacht) Nein, nein, das Anagramm ist auf Englisch.

 

Nun aber Platz für unser Festivalinterview, welches ihr mit euch selbst machen werdet.

Austin: Super, ich fang an. Also, Terry dein liebstes Trinkspiel?

Terry: Kennt ihr den Film “Mask”? Das ist dieser Film mit Cher. Sie hat ein Kind mit einem sehr langen Gesicht, das ein wenig aussieht wie ne Maske. Also, jedes Mal wenn dieser Junge anfängt zu weinen oder rumzunörgeln, muss man einen Trinken. Und ich sag’s euch, es ist ziemlich unmachbar, es bis zum Schluss des Films zu schaffen. (Alle lachen)

 

Wie viele Male hast du den Film gesehen?

Terry: Naja, das ist gerade die Ironie dahinter. Ich mag diesen Film eigentlich überhaupt nicht. Ich kann mich eh nur an die erste Hälfte des Films erinnern. Was danach passiert, weiss ich nicht.

 

Dann wäre die Frage wohl eher, wie oft du ihn zu Ende gesehen hast.

Terry: Das wäre dann Null. Normalerweise sind wir in der Hälfte so besoffen, dass wir einfach ausgehen.

 

Terry: Ok, Austen. Was war das schlechteste Konzert, dass du je an einem Festival gesehen hast?

Austin: Oh… ahm… Blackout. Schlechte Konzerte vergesse ich schnell. Das ist ziemlich praktisch.

 

Austin: Was war deine Lieblingsmusik, als du klein warst?

Terry: Meine Schwester hat mich schon früh an viele Heavy Metal-Konzerte mitgenommen. Da war es ganz natürlich, dass ich mich auch dafür interessierte. Iron Maiden, Metallica, Motörhead und solche Sachen. Mit der Zeit hab ich meinen musikalischen Geschmack ausgebreitet und mich immer mehr für Shoegaze und Britpop interessiert. Hauptsächlich solche Sachen. Brave New World, Blur’s Anfänge. Ich wuchs in London auf, wo es eine riesige Szene dafür gab. All diese Bands waren dauernd da. The Verve waren aber meine Hauptlieblingsband.

 

Terry: Wovon bist du momentan gerade besessen?

(Während Austin nachdenkt, wird ein wenig geplaudert bis er leise eine Antwort gibt, die wir aber alle hören.)

Austin: Leder.

Alle: Leder!? (Alle lachen)

Austin: Nein, Blödsinn. Soll es mehr in der Musik sein oder irgendwas?

 

Egal. Hauptsache, du bist davon besessen!

Austin: Nun ja, Musik ist eigentlich das Einzige, was mich immer begeistert.

 

Und im Moment gerade?

Terry: Sex!

 

Oh, ist das eine neue Band?

Terry: Jaja, die machen einen ziemlich harten Sound…

Austin: Momentan ist es hauptsächlich Indische Musik von Künstlern, deren Name ich nicht aussprechen kann. Ellenlange, sehr meditative Stücke. Meistens habe ich gar keine Zeit, die ganze Platte zu hören, so lang ist sie.

 

Meditierst du?

Austin: Ich habe lange meditiert, habe aber momentan keine Zeit mehr dafür. Ich versuche jeweils beim Aufstehen zu meditieren!

 

Austin: Was war die schlechteste Ausrede, die du je gebraucht hast?

Terry: Wahrscheinlich als ich meinem damaligen Arbeitsgeber gesagt habe, dass meine Grossmutter gestorben war, um eine Woche frei zu kriegen. Dabei war sie schon vier Jahre zuvor gestorben.

Austin: Ist aber die Wahrheit, schliesslich war sie tot.

Terry: Das stimmt eigentlich.

 

Wo hast du denn früher gearbeitet?

Terry: Ich habe in London beim Label “Tower Records” gearbeitet.

Austin: Ja, und nach dieser Woche, ging das Label bankrott. Das war also alles seine Schuld.

 

Du hast also auch ein wenig hinter die Kulissen geschaut, indem du bei einem Label gearbeitet hast. Würdest du sagen, dass es heute schlecht um Indielabels steht? Und wenn ja wieso?

Terry: “Tower Records” war früher so gross, weil Indie Musik massiv wichtiger war als “Mainstream” und weil wir wussten, wovon wir sprechen. Heutzutage brauchst du Verkaufserfahrung, um in einem Plattenladen zu arbeiten. Du brauchst gar nichts über Musik zu wissen, du tippst einfach Namen in deinen Computer ein, und dann weisst du, was du suchen musst. Was soll das? Um einen guten Laden zu schmeissen, ist es unabdingbar zu wissen, wovon du sprichst, was du verkaufst und vor allem wieso. Damit, wenn Leute was wollen, du ihnen auch etwas Zusätzliches empfehlen kannst. Viele Bands bleiben durch diese “Vereinfachung” des Berufs unentdeckt. Früher konnten Labels junge Bands auch unterstützen, was heute gar nicht mehr möglich ist. Wir konnten noch davon profitieren, aber dutzende talentierte, junge Leute können nichts machen. Dafür starten Bands heutzutage oft ihre eigenen Labels, produzieren so ihre Alben selbst und verteilen sie an Konzerten. Das bringt gute Musik in Umlauf. Und wer weiss, in ein zwei Jahren wird vielleicht eines dieser kleinen, neuen Label ein sehr wichtiges sein.

Austin: Vielleicht braucht es auch einfach ein paar kreative Leute, die ein neues Medium für Musik erfinden. Die Lage ist momentan einfach sehr chaotisch. Auch mit dem Wiedererwachen des Vinyls.

Terry: Vinyl bleibt aber die beste Form, sich Musik anzuhören.

 

Terry: Wie überlebt man ein Festival?

Austin: Das Catering übernehmen. Oder alles spenden. Zumindest als Band. Als Besucher mit den üblichen Sachen halt. Viel trinken. Kein Sex in dem Schlamm. Da kann man Krankheiten erwischen. Sich auf natürliche Katastrophen gefasst machen. Aber am einfachsten ist womöglich, ein Bandmitglied kennen zu lernen und Backstage gratis Bier zu trinken.

 

Oh! Hallo, sehr erfreut!

(Alle lachen)

 

Austin: Was wolltest du schon immer machen, hast es aber bis jetzt noch nie gewagt?

Terry: Fallschirmspringen. Ich hab extreme Höhenangst, aber ich stell mir das so toll vor. Als ob du fliegen würdest.

Austin: Und was, wenn du eine Gans treffen würdest auf dem Weg nach unten?

Terry: Der Aufprall könnte die Gans töten, aber er könnte genauso mich umbringen. Gänse sind generell sehr robuste Tiere, hört man.

 

Terry: Austin, was sind deiner Meinung nach die schlechtesten Gewohnheiten deiner Bandkollegen?

Austin: Oh, das kann ich nicht sagen.

Terry: Komm schon, ist eh keiner da ausser mir.

Austin: Also Terry furzt mir manchmal ins Gesicht. Das ist schon ziemlich unangenehm.

Terry: (schockiert) Was?

Austin: Ok, nein das war frei erfunden. Petter klaut mir immer das Fleisch aus meinem Teller. Nur das Fleisch. Alec klaut mir immer die Frauen weg, sobald mir eine gefällt. Das grösste Problem mit Terry ist vermutlich, dass er immer mit mir Sex haben will.

Terry: Oh ja, total.

 

Aber ich dachte, dass Sex deine Obsession war?

Austin: Ah nein, nein. Das war Leder. Und Terry’s Haut ist sehr weich, also ganz und gar nicht lederig. Ich brauch dieses raue Gefühl.

Terry: Und wie ihr euch vorstellen könnt, kann ich es kaum erwarten, bis das Interview vorbei ist, und ich weiterhin versuchen kann, mit ihm zu schlafen (alle lachen). Ich habe es nämlich für die letzten zehn Minuten nicht mehr versucht.

 

Austin: Was ist das Komischste auf deinem Rider?

Terry: Wir haben ein eingerahmtes Bild der Royal Family auf unserem Rider. Ich denke, das ist vermutlich das Komischste. Obwohl das eigentlich sehr üblich ist.

 

Ja sicher, wir haben noch nie eine Band ohne so ein Bild gesehen.

Terry: Sie sind sicherlich nicht die schönsten Menschen auf dieser Welt.

 

Aber wieso ein Bild der Royal Family?

Terry: Das ist doch meine Familie, und wohin ich gehe, folgen sie mir. Ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann. Und sie sind nicht gerade sehr attraktiv, das boostet mein Selbstbewusstsein. Ist das exotisch genug?

 

Leider müssen wir hier Schluss machen. Wollt ihr die Anagramm Liste behalten?

Terry: Ja, doch, das wäre cool. Und irgendwann einmal, wenn wir das Rätsel aufdecken wollen, dann rahmen wir diese Liste ein, falls die Lösung drauf ist. Was wir ja nicht verraten können.

“Adams Vater hatte ein Date mit Brigitte Bardot!”

Jonathan Pierce und Jacob Graham haben sich auf Anhieb verstanden und entschliessen sich musikalisch zu vereinigen, bis sie 2003 getrennte Wege gehen. Jon gründet die Band Elkland und Jake die Band Horse Shoes. Beide Bands haben mässigen Erfolg. 2008 finden sie wieder zueinander: das ist die Geburtsstunde von The Drums. Vervollständigt wird die Truppe noch im Nachhinein mit Adam Kessler, der schon mit Jonathan als Gitarrist von Elkland die Bühne rockte, und Connor Hanwick, dem unscheinbaren Lockenkopf am Schlagzeug.

 

Seid ihr das erste Mal in der Schweiz?

Jon: Ja, das ist unser erstes Mal hier, wir sind sehr aufgeregt. Unser letztes Konzert liegt schon eine Woche zurück, das ist eine lange Zeit für uns. Es ist die letzte längere Pause, die wir seit langem gehabt haben. Und überhaupt ist das St.Gallen erst unser zweites Festival.

 

Was ist das Reizende an einem Openair zu spielen?

Jon: Viele Leute, die sich sonst unsere Show nicht ansehen würden, hören unseren Sound und wir können anderen Bands zuschauen, was immer interessant ist.

 

Ihr seid auf Tour und werdet in der nächsten Zeit öfters an Openairs spielen. Auf welches freut ihr euch am meisten?

Jake: Wir freuen uns sehr auf das Summer Sonic in Japan. Wir haben kürzlich in Tokyo gespielt, coolster Ort auf Erden.

 

Welche Bands wollt ihr an diesem Openair unbedingt sehen?

Jon: Ich denke, The Strokes ist die beste Band der vergangenen zehn Jahre. Ich hab sie noch nie live gesehen, darauf freue ich mich sehr.

Adam: NOFX! Damit bin ich aufgewachsen.

 

Jon, du bist in einem religiösen Haushalt aufgewachsen. Wie nehmen es deine Eltern hin, dass du Musiker geworden bist?

Jon: Ich weiss nicht so recht… nein, ich weiss nicht, wir reden einfach nicht darüber.

 

Ist es euch überhaupt wichtig, was eure Eltern denken?

Jon: Mir ist es schon immer egal gewesen.

Adam: Ich würde nie etwas machen, das ich nicht meiner Mama erzählen würde.

 

Wirklich?

Jake: Ja, das ist toll.

 

Nun wollen wir unser Festivalkartenspiel mit euch machen: Ihr zieht eine Karte und stellt euch gegenseitig die Fragen, die darauf aufgeschrieben sind.

Adam: Ich fang an. Also Jon, was wolltest du immer tun, wozu du dich aber nie getraut hast?

Jon: Ich wollte schon immer mal ein Auto explodieren lassen. Das klingt nach Spass. Eigentlich würde ich alles Mögliche in die Luft sprengen wollen. Vielleicht nicht gerade ein Spital, doch, auch das wäre vermutlich interessant. Es ist nicht so, dass ich mich nicht getraut hätte, ich hatte bis jetzt einfach keine Zeit. Ich werde das vielleicht nach dieser Tour nachholen.

 

Jon: Jacob, was ist dein Lieblingstrinkspiel?

Jake: “4 gewinnt” würde ich sagen. Es ist nicht wirklich ein Trinkspiel, aber man kann aus allem ein Trinkspiel machen.

 

Wie würdest du aus “4 gewinnt” ein Trinkspiel machen?

Jake: Nach jedem Zug nimmt man einen Schluck, es kommt eigentlich gar nicht so drauf an. Ich versteh das Konzept von Trinkspielen so oder so nicht, jeder der spielt, ist einfach darauf aus, in einen bestimmten Zustand zu kommen. Alle trinken das ganze Spiel durch, also kommt es wirklich nicht darauf an. Ich weiss auch nicht.

 

Connor: Was ist die beste/schlimmste Ausrede, die du jemals verwendet hast?

Jake: Einfach, dass ich richtig beschäftigt bin.

Connor: (Todernst) Eine sehr klassische Ausrede.

Jake: Ich finde, das ist die beste und schlimmste Ausrede zugleich und meistens trifft sie auch noch zu. Menschen sind echt eigenartig.

 

Jon: Das schlechteste Konzert, dass du je gesehen hast?

Connor: Unser drittes Konzert.

 

 

Adam sieht die Tafel mit der Aufschrift “Getränke” und fragt wie man das Wort ausspricht. Worauf er meint, es höre sich wie “get drunk” an.

 

 

Connor: Wenn du als alkoholisches Getränk wiedergeboren werden könntest, was wärst du?

Jake: Ich wäre ein “Rootbeer flow” mit Jägermeister. Weil dieses Getränk ein Freund von mir erfunden hat und es das einzige alkoholische Getränk ist, das ich kenne, das Eis enthält.

 

Jake: Adam, was ist das seltsamste oder exotischste auf unserem Rider?

Adam: Wir haben Socken auf der Liste, das ist ein wenig seltsam. Ich hätte gerne ein Bett, dann könnten wir uns mal Backstage ein Nickerchen erlauben. Oder auch nur ein Sofa würde genügen, sogar ein Secondhand-Sofa.

 

Connor: Was ist deine aktuellste Obsession oder welche Band hörst du momentan?

Jon: Ich bin im Moment von der Band CEO besessen, ihr neues Album erscheint im Juli.

Adam: Ich bin von Motorrädern besessen, also hauptsächlich von Harleys.

 

 

Hat das was mit Brigitte Bardot zu tun?

Adam: Nein, mehr mit meinem Vater.

Jake: Ja, sein Vater hatte nämlich ein Date mit Brigitte Bardot!

“Radiohead sollte für viele Bands ein Vorbild sein!”

Vor drei Jahren haben die drei Schotten von Biffy Clyro mit dem Album “Puzzle”, welches im Vereinten Königreich sogar mit dem Goldstatus ausgezeichnet wurde, die Rockszene im Sturm erobert. Danach wurde es für zwei Jahre still um die Band, doch das Anschlussalbum “Only Revolutions” schlug ein wie eine Bombe und vermochte sogar den Erfolg des Vorläufers “Puzzle” zu toppen. “Only Revolutions” erhielt innerhalb weniger Tage Goldstatus, und die ausgekoppelten Singles “Mountains” und “That Golden Rule” erreichten sogar die Top Ten der Englischen Single-Charts. Auch hierzulande hat sich die schottische Band einen Namen in den Rockerkreisen gemacht und kann sich sogar damit rühmen, am diesjährigen Openair St.Gallen als einer der grossen Bands aufzutreten. Schlagzeuger Ben Johnston sprach mit Tink.ch über Ruhm, Indiebands und böse Major-Labels.

 

 

Hallo Ben, schön dich zu sehen. Die heissen Temperaturen hier in St.Gallen sind wohl auch etwas zu hoch für einen Schotten, nicht wahr?

Ach, wir hatten in den vergangenen Tagen in Schottland traumhaftes Wetter. Bei uns war es sogar heisser als im Moment in Australien. Obwohl, das mag wohl daran liegen, dass die Australier jetzt gerade Winter haben. Aber es ist einfach so cool, behaupten zu können, bei uns sei es heisser als in Australien (lacht).

 

Das ist aber nicht euer erstes Konzert in der Schweiz, oder?

Nein, wir waren jetzt auch schon einige Male in der Schweiz. Es war unglaublich toll, zurück zu kommen und all diese Begeisterung zu spüren, die man uns entgegenbringt. Wir hatten einige ganz schöne Erlebnisse hierzulande.

 

Ihr habt ja einen wahnsinnig dicht gedrängten Terminkalender, ihr seid die ganze Zeit unterwegs auf Festivals.

Ja, da hast du recht. Morgen spielen wir zum Beispiel auf dem Glastonbury. Wir haben echt viel vor in den nächsten Monaten, wir spielen noch auf ganz vielen Festivals, davon einige ganz grosse im UK. Am Wochenende gehen wir ab und zu nach Hause, um zu proben oder um am neuen Album zu feilen.

 

Ist dieser Stress mühsam oder seht ihr das Ganze eher als Spass?

Nun, wohl als einen Mix aus beidem. Ich bin zum Beispiel im Moment extrem müde, aber das Touren macht natürlich auch viel Spass.

 

Mit eurem Album “Puzzle” habt ihr Bekanntheit in der Rockszene erlangt, mit “Only Revolutions” werdet ihr nun als Stars gefeiert. Ist “Only Revolutions” nach euer eigenen Revolution, eurem Durchbruch, benannt? Ihr bezeichnet dieses Album zudem auch als eine typische Biffy Platte.

Mit “Our Revolutions” sind wir sicherlich zu unseren ursprünglichen Wurzeln zurückgekehrt, allerdings ist auf dieser Platte sicherlich auch ein Fortschritt zu hören gegenüber unserer älteren Sachen. Das Album wurde auch sehr positiv von der breiten Masse aufgenommen, wir sind also sehr zufrieden.

 

Was plant ihr für euer nächstes Album? Wollt ihr etwas völlig anderes machen?

Wir planen solche Dinge nicht, wir lassen uns einfach leiten von unserer Intuition. Ich denke, das ist auch das Geheimrezept für unseren Erfolg: Wir wollen uns zu nichts drängen lassen, sondern machen einfach das, was wir wollen und für richtig halten. Eine gute Portion Egoismus gehört da auch dazu, das ist wichtig.

 

Nach eurem Auftritt heute spielen The Strokes. Sie galten als diejenigen, die den Indierock zurückbrachten. Bedeutet denn Indie dir etwas, und wenn ja: was genau?

Indiemusik bedeutete mir früher insofern viel, weil ich Fan von Oasis und Blur war. Heute sind das natürlich grosse Namen, man kann solche Bands nicht mehr als Independent Bands bezeichnen. Das Gleiche gilt für The Strokes, die haben sich längst ausserhalb der Indieszene einen Namen gemacht. Ich denke, heute würde niemand mehr eine solch bekannte Band als independent bezeichnen. Ich denke, der Begriff “indie” verkörpert vor allem die einfache Produktionsweise eines Albums, ohne viel Geld und Schnickschnack.

 

Seid ihr dann auch eine “Indieband”?

Ich denke, wir haben als Indie-Band gestartet, da wir unser Album selbst produziert haben. (überlegt) Wir waren eigentlich für die ersten drei Alben eine Indie-Band, doch nachher wechselten wir ja zu einem Major-Label, daher würde ich sagen, wir sind mittlerweile wohl auch zu einer Mainstream-Band geworden.

 

Dann würdest du sagen, es kommt also auf die Produktion eines Albums an, um zu entscheiden, ob eine Platte “indie” ist? Sobald man zum Beispiel das Album in einer Küche aufnimmt, ist es indie, egal wie gut oder schlecht die Platte ist.

Doch, ich denke das könnte man so sagen. Das Problem ist jedoch, dass es heutzutage sehr viel schwieriger geworden ist, indie zu sein. Labels nehmen nur noch Bands unter Vertrag, die ganz gross rauskommen könnten, für alles andere ist leider zu wenig Geld da. Heute verdienen die Labels fast nichts mehr an den Plattenverkäufen, da man alles gratis downloaden kann. Daher kommt auch die Gier der grossen Labels: Sie wollen so viel Profit wie möglich aus den Künstlern schlagen. Das frustriert mich sehr, denn die grossen Musiklabels kontrollieren die ganze Industrie. Ich denke es wäre wichtig, dass die Majors wieder Macht an die Musiker zurückgeben. Ich denke, wir zum Beispiel sind zu einer Band geworden, die von der breiten Masse gehört wird, doch wir machen noch immer unser eigenes Ding. Wir machen nur, was uns gefällt und lassen uns nicht verbieten. Doch für Bands, die am Anfang ihrer Musikkarriere stehen, kann dies schwierig werden. Die Labels haben das Sagen, und bestimmen, was du machen sollst.

 

Vielleicht kommt da das Internet den Musikern zu Gute, da Bands ihre Platten selber über das Internet vermarkten können und somit Labels umgehen können?

Ganz klar: ja. Ich sehe das Internet als eine Chance für kleine Bands, die gross werden wollen, denen aber das Mittel dafür fehlt oder für Musiker, welche sich nicht den Bedürfnisse der Plattenfirmen anpassen und somit ihr eigenes Ding machen wollen. Das Internet ist eine vielversprechende Alternative zu den grossen Labels.

 

Da könnte man natürlich auch die Frage stellen, wieso ihr bei einem grossen Label unter Vertrag seid.

Natürlich, das mag jetzt kontrovers erscheinen. Aber das Problem ist nun mal, dass man ohne eine einflussreiche Plattenfirma nicht weit kommt. Wir wären heute nie da, wo wir sind, ohne ein Major-Label. Wir wären immer eine kleine Band geblieben, denn wir könnten uns ja offensichtlich niemals derartige Promotionsaktionen und ähnliches leisten, wie wir es mit einem Major-Label können.

 

Und wenn es alle wie Radiohead mit ihrem Album “In Rainbows” machen würden? Wenn ein Album über das Internet vertrieben wird, fällt die Funktion eines Labels aus.

Das wäre tatsächlich toll, wenn dies so funktionieren würde. Leider tut es einfach bis jetzt einfach niemand. Ich denke, Radiohead dachten, viele Bands würden folgen und ihre Alben auch so veröffentlichen. Was ja am Ende  ins Wasser fiel. Wir haben es bis jetzt auch noch nicht geschafft. Aber ich hoffe wirklich, dass sich in Zukunft etwas in der Plattenindustrie ändern wird.