Gesellschaft | 17.05.2010

Wo sich Medizinstudis und Pflanzenliebhaber Gutenacht sagen

Text von Eva Hirschi | Bilder von Julia Weiss
Der Botanische Garten Bern feiert dieses Jahr seinen 150-jährigen Geburtstag mit viel Kultur und einer Ausstellung, die ganz im Zeichen der Biodiversität steht.
Gewächshäuser, Teiche, Picknicktische und dieses Tropenhaus liegen im BoGa fast Tür an Tür.
Bild: Julia Weiss

Es war kein normaler Garten, der im Jahre 1789 mitten in Bern an der Vannazhalde unterhalb des Bundeshauses entstand. Ursprünglich wurde der Botanische Garten für die Berner Medizinstudenten angelegt, und bildete somit eine wichtige Ausbildungsstätte für die Universität. Er wechselte mehrmals den Standort, bevor der Regierungsrat des Kantons Bern schliesslich 1859 ein Grundstück im Rabbental kaufte und der Botanische Garten somit an seinen heutigen Standort gelangte. Er beherbergte nicht nur zahlreiche Heilpflanzen, sondern auch Zier- und Nutzpflanzen und sogar einige vom Aussterben bedrohte Arten. Diese Vielfalt an Gewächsen zog sowohl Medizinstudenten wie auch Biologen und Lehrer an.

Vom Ausbildungsinstitut zum Kulturveranstalter

Heute zeigt der „BoGa“, wie er von der Bernerinnen und Berner gerne genannt wird, ein breites Besucherspektrum auf. Vom Biologiestudenten zum Hobbygärtner, vom Medizinprofessor zum Oberstufenlehrer, vom Pflanzenliebhaber zum Primarschüler sind Gäste jeglichen Alters dabei. Längst stehen dabei nicht mehr nur die Pflanzen im Vordergrund, es gibt auch ein grosses kulturelles Angebot. Der Botanische Garten hat sich von einem Ausbildungsinstitut zu einem kulturellen Veranstalter entwickelt.

Regelmässig finden verschiedene Anlässe statt; die Museumsnacht und die Poesienacht gehören zu den alljährlichen Highlights. Daneben gibt es auch immer wieder neue Ausstellungen, Lesungen, Theater oder Konzerte. Diese Anlässe sind auch deshalb ein besonderes Erlebnis, weil sie nicht wie gewöhnlicherweise in der Altstadt stattfinden, sondern mitten in der Natur.

Gespräche auf der Gartenbank

Anlässlich des von der UNO erklärten internationalen Jahrs der Biodiversität und des 150-Jahre-Jubiläums des BoGa findet bis Ende Juli die Sonderausstellung „Lebensräume – Vielfalt lokal bis global“ statt, welche zehn verschiedene Ökosysteme mit dazu gehörender Flora und Fauna präsentiert. „Den Besuchern soll bewusst gemacht werden, dass die Biodiversität die Grundlage für jegliches Leben ist“, sagt Verena Gysin, Leiterin für Kultur und Kommunikation des BoGa. Ein besonderes Augenmerk wird vor allem auf die biologische Vielfalt gelegt.

Verschiedene Aktionen begleiten die Ausstellung zum Jubiläum. So finden zum Beispiel Konzert- und Theaterauftritte, Vernissagen und Fotoausstellungen sowie Workshops und Gespräche auf der Gartenbank mit illustren Gästen statt. Das Programm ist vielfältig und bietet für jedes Alter und jeden Geschmack etwas. Auch für das zweite Halbjahr von August bis November sind Anlässe und Ausstellungen geplant. Besonders spannend dürfte das Gespräch vom 5. Juli werden. Es nehmen teil: Der ehemalige CEO der SBB, Benedikt Weibel und Heidi Maria Glössner, Schauspielerin am Stadttheater Bern. Ebenfalls einen Besuch wert: Das Theater im Garten mit dem Titel „Von Gnomen, Elfen und Trollen, Gnomologische Diversitäten“, welches bereits an der diesjährigen Museumsnacht die Zuschauer begeistert hat.