Kultur | 21.05.2010

“Wir werden zu Sklaven der Computer”

Menschenrechte & Digitalisierung des Alltags - wo ist da die Verbindung? Und was wird in der Zukunft die grösste Herausforderung bei der Einhaltung der Menschenrechte sein in Bezug auf die Digitalisierung des Alltags? Tink.ch hörte sich am Menschenrechtsforum Luzern um und fing folgende Stimmen ein.
Anina Peter: "Viele Berufe kann man gar nicht mehr ohne die digitale Welt ausführen. Diese Entwicklung wird weitergehen, immer mehr Menschen werden miteinbezogen."
Bild: Janosch Szabo Jürg Odermatt sieht durch die Digitalisierung die Privatsphäre in Gefahr. Natalie Erard Amgweid: Trotz Unterschieden: "Eine universelle Lösung muss her." Nik Dillier und Daniel Gwerder machen sich Gedanken über Internetkosten in Entwicklungsländern.

Anina Peter, Studentin an der Hochschule Luzern, Soziale Arbeit

“Wenn ich höre, dass nur zwei Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet haben, sehe ich grosse Herausforderungen für die Zukunft. Beispielsweise wird es für ältere Menschen immer schwieriger sich in der digitalisierten Welt zurecht zu finden. Ich vermute aber auch, dass das Internet die Meinung der Masse beeinflussen kann. Die grössten Schwierigkeiten in der Zukunft sehe ich im Bereich Datenschutz und Privatsphäre. Aber auch in der Selbstbestimmung. Denn die digitale Welt kann mehr als wir Menschen, wir werden zu Sklaven der Computer.”

 

Jürg Odermatt, Student an der Hochschule Luzern, Architektur

“Mit der Digitalisierung können die Menschenrechte besser bekannt gemacht werden, es werden mehr Menschen erreicht. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Privatsphäre nicht mehr genügend geschützt werden kann. Auch der Unterschied zwischen den westlichen Ländern und den Entwicklungsländern wird immer grösser. Wir können hier immer auf dem neusten Stand sein, während ihnen der Zugang zum Internet vielfach verwehrt bleibt.”

 

Natalie Erard Amgweid, Eidgenössisches Departement für Auswärtiges

Die Digitalisierung des Alltags ist Gefahr und Chance zugleich für die Menschenrechte. Auf der einen Seite kann man durch die Digitalisierung die Menschenrechte bekannter machen, auf der anderen Seite kann diese Entwicklung die Menschenrechte auch verletzen, beispielsweise im Bezug auf die Privatsphäre. Alle Länder weltweit sind enorm unterschiedlich und doch muss eine universelle Lösung her.

 

Nik Dillier, Student an der Hochschule Luzern, Maschinentechnik

Daniel Gwerder, Student an der Hochschule Luzern, Elektrotechnik

Durch die vermehrte Kameraüberwachung wird die persönliche Freiheit mehr und mehr eingeschränkt. Wir glauben auch, dass sich die Videoüberwachung hier ähnlich entwickeln wird wie in London. Eine grosse Herausforderung wird in Zukunft sein, dass auch sozial Schwächere Zugang zu den Medien haben. Heute kostet für Menschen in manchen Entwicklungsländern ein Monat Internetzugang weit mehr als sie monatlich verdienen.

 

Silvia Tanner, Studentin an der Hochschule Luzern, Soziale Arbeit

Mein Sohn verbringt sehr viel Zeit im Internet auf Seiten wie Facebook. Oder er chattet im MSN. Mich beschäftigt, was mit diesen Daten passiert, die er ins Internet stellt. Das kann ja auch Auswirkungen auf die Zukunft haben. Beim Suchen einer Lehrstelle haben bestimmte Bilder negative Konzequenzen. In Gesprächen mache ich ihn auf diese Gefahren aufmerksam. Ich selber bin nicht mit dem Internet aufgewachsen, deshalb habe ich Respekt davor, weil ich nicht weiss, welche Ausmasse die Digitalisierung in Zukunft noch annehmen wird. Doch hat sie auch positive Effekte. Früher suchte ich in der Bibliothek nach Informationen, heute kann ich mich ganz einfach im Internet schlau machen. Viel mehr Menschen können so erreicht werden. Ich glaube jedoch auch, dass die Kluft zwischen Armen und Reichen dadurch noch grösser wird. Auch innerhalb der westlichen Welt.