Gesellschaft | 27.05.2010

“Wir haben einen Traum”

Text von Tanja Bangerter | Bilder von Tanja Bangerter
Grosser Einsatz und der Wunsch nach Gerechtigkeit und Menschenrechten für alle: Dies verbindet die drei Projekte, die für den IHRF-Förderpreis nominiert wurden. Das Menschenrechtsprojekt Zwangsheirat.ch, das Bildungs-und Sozialprojekt Fashion Toaster und das Vorschulprojekt Bal Krriti beeindruckten am Menschenrechtsforum Luzern mit grossen Ideen.
Ein Workshop, drei Projekte, drei Förderpreise: Hier die Präsentation von Bal Krriti, ein Vorschulprojekt, ... ... mit dem Regula Willi und ihr Team im nordindischen Jaipur, den Alltag vieler Kinder bereichern. Carmen Tobler-Ghofli zeigt Bilder der Schulkinder, die von Fashion Toaster profitieren konnten. Mitglieder des Teams von Zwangsheirat.ch stellen ihr Projekt vor, mit dem sie sich für die Einhaltung des Menschenrechts auf freie Partnerwahl einsetzen. Die Jury hört den Projektvorstellungen interessiert zu und stellt im Anschluss Fragen dazu.
Bild: Tanja Bangerter

“Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Glaubensbekenntnisses gemäß leben wird: Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind.”

Mit diesen Worten wandte sich der Freiheitskämpfer Martin Luther King im August 1963 in Washington an das amerikanische Volk. Das Internationale Menschenrechtsforum Luzern IHRF verfolgt mit dem Verleih des Förderpreises “Wir haben einen Traum” das Ziel, Martin Luther Kings Traum von einer Welt, in der für alle die gleichen Rechte gelten, in der Menschenrechte nicht länger verletzt werden, weiterleben zu lassen. Am ersten Forumstag des IHRF hatten die Gründer der drei Projekte die Möglichkeit ihre Ideen in einem Workshop der Jury und den Besuchern vorzustellen.

Bal Krriti – Bildung für mehr Lebensqualität

Den Anfang der Präsentationen machte Bal Krriti – Education for the poor, ein Bildungsprojekt, das sich in Nordindien für sozial benachteiligte Kinder einsetzt. Regula Willi hat Bal Krriti im Jahre 2007 gegründet und engagiert sich zusammen mit ihrem Team dafür, die Lebensqualität der Kinder in Jaipur zu verbessern und ihnen insbesondere einen besseren Zugang zu Bildungsangeboten zu ermöglichen. Das Bildungsteam von Bal Krriti bereichert mit seinem vielfältigen Schulungsangebot den Alltag der Kinder. So werden sie auf spielerische Weise in Hindi, Englisch, Mathematik und Allgemeinbildung unterrichtet. Ihre kreativen Talente werden im Musik- und Kunstunterricht gefördert. Bal Krriti bietet den Kindern zudem Nahrungsmittel und ärztliche Versorgung an. Die Hausaufgabenhilfe und die Begleitung auf späteren Bildungswegen, ebenfalls Teil des Projektes von Bal Krriti, sollen einen frühzeitigen Schulabbruch der Kinder verhindern. Regula Willi und ihr Team in Jaipur stehen in engem Kontakt mit den Familien der Kinder und wollen diese so auf die Wichtigkeit der Bildung als Basis für eine bessere Zukunft ihrer Kinder aufmerksam machen.

Fashion Toaster – Aus Kleidern wird Schulmaterial

Fashion Toaster – Vintage goes Charity. Das vielversprechende Projekt, das “etwas verkauft, das nicht mehr gebraucht wird und den Ertrag daraus in etwas investiert, das dringend gebraucht wird”, wurde von Thomas und Carmen Tobler-Ghofli im Jahre 2009 realisiert. Dabei verkaufen die beiden auf dem Web-Portal Ricardo gebrauchte Kleider, um mit dem Erlös die Bildungssituation im Iran, besonders in abgelegenen Bergdörfern, zu verbessern. Für die Kinder in diesen Bergdörfern sind mangelhaftes Schulmaterial sowie zu kleine und renovationsbedürftige Schulgebäude Alltag. Carmen und Thomas Tobler-Ghofli leisten mit ihrem Projekt einen grossen Beitrag, den Zustand der Schule in Sirzar, einem Bergdorf im Nordosten von Iran, zu verbessern. So konnte den Kindern mit dem Erlös aus dem Verkauf der gebrauchten Kleider Schulmaterial besorgt werden. Des weiteren sollen die Renovationen der sanitären Anlagen, des Schulgebäudes und des Pausenhofes ermöglicht werden. Carmen und Thomas Tobler-Ghofli waren bei ihrem Besuch in Sizar berührt von der Freude der Kinder über die ihnen zukommende Hilfe.

Zwangsheirat – Sensibilisierung der Bevölkerung

“Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden.” Dies beschreibt Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das Menschenrechtsprojekt Zwangsheirat.ch setzt sich für die Durchsetzung dieses Rechtes der freien Partnerwahl ein, das auch in der Schweiz verletzt wird. Das multikulturelle Team von Zwangsheirat.ch sensibilisiert die Bevölkerung mit viel Fachkompetenz für das Thema der Zwangsheirat und betreibt Aufklärungs-und Präventionsarbeit. Um Zwangsheiraten präventiv entgegenzuwirken brauche es fundiertes Wissen, erklärt das Team auf ihrer aufschlussreichen Homepage. So widmet sich das Projektteam auch der Forschung rund um das Thema der Zwangsheirat und setzt die gewonnen Ergebnisse in Projektaktivitäten und in Öffentlichkeitsarbeit um. Zudem bietet Zwangsheirat.ch eine Beratung für Betroffene an, die sich per Mail anonym und kostenlos an das Team wenden können.

An der Preisverleihung, die am zweiten Forumstag stattfand, wurden die drei Projekte mit einem Preisgeld honoriert. Zwangsheirat.ch erhielt 5000, bal kritti 3000 und Fashion Toaster 2000 Franken. Das Preisgeld wurde von Betten Thaler zur Verfügung gestellt und wird nun den Projekten helfen den Traum von Gerechtigkeit und der Einhaltung der Menschenrechte zu verwirklichen.

Links