Kultur | 10.05.2010

Wenn Julia mit Romeo Hiphop tanzt

Text von Céline Graf | Bilder von Universum Film Gmbh
Was geschieht, wenn Street Dance und Ballett aufeinanderprallen? Die beiden Welten entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft: das Tanzen. Die Geschichte im 3D-Film "Street Dance" ist wenig ideenreich, die Choreographien sind es dafür umso mehr.
Sie tanzt Street Dance, er Ballett: Nichola Burley als Carly und Richard Winsor als Tomas sind sympathisch sture Anführer. "Street Dance" ist der erste Tanzfilm in 3D. Nähe schaffen aber vor allem Musikvideotricks.
Bild: Universum Film Gmbh

Ein Unglück kommt selten allein. Carlys Freund, der Anführer ihrer Street Dance Gruppe, wechselt zur Konkurrenz und legt zugleich ihre Beziehung auf Eis. Nun steht Carly nicht nur ohne Freund da; sie muss auch noch einen neuen Ort finden, wo sie mit ihrer Tanzcrew proben kann. Schliesslich steht das Finale der UK Street Dance Meisterschaften an, was für die ehrgeizigen Streetdancer üben, üben, üben bedeutet. Notfalls auch auf der Strasse.  

Das Londoner Regenwetter vermiest aber jedes Training draussen. So ist Carly froh, als ihr Helena, die Leiterin der renommierten Royal Dance School (Charlotte Rampling), anbietet, in ihrer Schule zu proben. Allerdings unter der Bedingung, dass Carly und ihre Crew einige Ballettschüler in Street Dance unterrichten. Diese stehen vor der Aufnahmeprüfung ins Royal Ballett und brauchen dringend andere, frische Ideen für ihre Choreographie.  

Sneakers treffen auf Ballettschuhe  

Was nun folgt, ist keineswegs neu im modernen Tanzfilm: Lässiger Hip Hop trifft auf anmutiges Ballett. Bei den ersten Proben in der Tanzschule herrscht Konkurrenzkampf. Jeder versucht, den anderen mit Sneakers oder Ballettschuhen, Saltos oder Luftsprüngen zu beeindrucken. Schliesslich erkennen die Rivalen aber, dass eine Leidenschaft sie alle verbindet: das Tanzen. Die Aufnahmeprüfung fällt leider prompt auf das Datum, an dem der Street Dance Final stattfindet. Jetzt müssen Street- und Balletttänzer gemeinsam gegen die Zeit antanzen.  

London ist ihre Bühne. In Clubs und Autogaragen, im Einkaufscenter, vor der Tower Bridge oder in einem Coiffeursalon erobern die jungen Tänzer die Stadt mit unglaublichen Choreographien. Kein Wunder, denn der grösste Teil der Schauspieler sind Tänzerinnen und Tänzer. Für viele von ihnen ist „Street Dance“ ihr erster Kinofilm. Mit den Gruppen „Diversity“ und „Flawless“ vertreten zwei Grössen den britischen Street Dance. Und die Regisseure Max Giwa und Dania Pasquini drehen sonst Musikvideos mit Künstlern aus Hiphop, R’n’B und Pop.

Bei so einem publikumserprobten Team macht es kaum einen Unterschied, dass „Street Dance“ der erste Tanzfilm in 3D überhaupt ist. Nicht nur die 3D-Optik bringt den Zuschauern die Tanzperformances näher, sondern vor allem der schnelle Perspektivenwechsel der Kamera. Von Weitem verschmelzen die Tänzer scheinbar leicht zu einer Formation – erst von Nah sieht man die Anstrengung der Tänzer am Schweiss, der ihre Gesichter hinabrinnt, und an den angespannten Muskeln, die sich unter ihrer Haut abzeichnen.  

Von „Westside Story“ bis „Romeo und Julia“  

Bei all den raffinierten Tanzszenen rückt die Geschichte in den Hintergrund. Die Hiphop Tänzer erkennt man eher an ihren Kleider- und Tanzstilen, denn an Charakterzügen. Da wären zum Beispiel Aimee mit der wilden Lockenfrisur oder „Küken“ Eddie mit seinen witzig-charmanten Tanzeinlagen. Nur die beiden Hauptdarsteller Nichola Burley als Carly und Richard Winsor als Tomas zeigen ein wenig Tiefe, sind sympathisch selbstbewusst und harmonieren als sture Anführer, die sich gegenseitig zum Tanz „herausfordern“.  

Die Romanze zwischen Carly und Tomas ist eine Ansammlung von Referenzen aus Tanzfilm und Musical: Da ein Kuss zwischen Feuerwehrtreppen, wie in „Westside Story“, dort eine Hebefigur aus „Dirty Dancing“ und zur kitschigen Krönung eine Ballett-Hiphop-Version von „Romeo und Julia“. Von der Sonnenuntergang-rosa Stadtromanze berieseln lassen können sich jugendliche Tanzbegeisterte und Fans von „Dirty Dancing“, „Step up“, „Street Style“, „Westside Story«, „Save the last Dance“ und Co. Oder aber sie wippen im Takt zu den mitreissenden Ballett-Hiphop-Beats. 3D hin oder her.

„Street Dance 3D“ läuft ab jetzt im Kino.