Kultur | 25.05.2010

Subtil ironisch und antifaschistisch

Die Anarcho-Pop-Folk-Band Chumbawamba stellte exklusiv in der Raumbar der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn ihr 17. Album "ABCDEFG" vor.
Bild: kofmehl.net / Patrick Obrecht "ABCDEFG" ist das 17. Album von Chumbawamba. PD

Vor neun Jahren spielten Chumbawamba in der alten Kulturfabrik Kofmehl, heuerkehrte die britische (Kult-)Band nach Solothurn zurück. Das fünfköpfige Ensemble – Bandgründer & Gitarrist Boff Whalley, die himmlische Sängerin Lou Watts, Bassist Neil Ferguson, Trompeterin Jude Abott & Akkordeonist Phil Moody – präsentierte ein subtil ironisches aber kämpferisches Konzert, während just nebenan Sugarhill Gang auftraten.  

Laute Nachbarn

Als kurz nach zehn die Bässe in der grossen Halle der Kulturfabrik zu wummern begannen, besang Chumbawamba bereits – schon fast sarkastisch – Ex-Premierministerin und “Neoliebhaberin” Margreth Thatcher (“Soon she’s gonna die…”). Immer wieder übertönte das Konzert nebenan den kleinen, feinen Anlass in der Raumbar: ein Fauxpas der Organisatoren, den Chumbawamba aber gekonnt überspielten. So sagten die Briten nach einer Weile, dass sie jetzt einen ruhigeren Song singen würden, damit das benachbarte Konzert besser gehört werden könnte.  

Ein Mix von Ideen

Um Musik per se dreht sich das neue Album von Chumbawamba. Es präsentiert einen Durchlauf in diverse Betrachtungen von Musik und ihrer Geschichte: was Musik für verschiedene Charaktere bedeutet, und was Musik für die Band bedeutet. “ABCDEFG” ist musikalisch vielseitig, von A-Capella über Pop zu Folk zu Jazz. Nichts wird ausser Acht gelassen. Ein Mix von Ideen – Ideen von Musik: ein Freudenfest zu von Soldaten geschriebenen Songs im ersten Weltkrieg (“Singing Out The Days”); die Geschichte über den Kampf gegen den kommunistischen Staat und seine Ideologie (“Hammer, Stirrup & Anvil”); oder: eine Reaktion auf das plötzliche Interesse von Nick Griffin, dem British National Leader (laut Chumbawamba eindeutig eine faschistische Partei…), für traditionelle Folk-Musik (“Dance, Idiot, Dance”).  

Gerade “Dance, Idiot, Dance” steht in der Tradition des gesellschaftskritischen Engagements der Band, die 1982 in Leeds aus der Hausbesetzerszene entstand. Stark antifaschistisch ist vor allem das 1994 erschienene Album “Anarchy” mit dem Song “Enough is Enough”, wo symbolisch dem Faschisten ein “gunshot” gegeben wird. Einen richtiggehenden Hype löste die Band mit dem auf dem Majorlabel EMI veröffentlichten Album “Tubthumber” mit dem WM-Hit von 1998 «I get knocked down, but I get up again” aus. Dies brachte der Band aber auch Kritiken ein. Darin wurden Zweifel geäussert, die Band sei nicht mehr dem kämpferischen Underground verpflichtet.  

Musik als sozialkritisches Sprachrohr

Die links-kämpferische, antifaschistische Tradition der Band konnte aber auch bei der Wiederkehr der Briten in der Raumbar nicht überhört werden. Musik verstehen Chumbawamba als sozialkritisches Sprachrohr, alles andere erscheint ihnen absurd. Noch immer. Rock’n’Roll ist in ihren Augen eine leere Papiertapete. Mit Songs wie “Bella Ciao” – das linke Kampflied schlechthin – oder “Homophobia” als Zugaben unterstrichen sie dies. Nicht nur das: sondern auch, dass Themen wie Homophobie nach wie vor hochaktuell sind. Zweifel an den Absichten der Band sind daher unangebracht. Nicht zuletzt auch, weil das Album “ABCDEFG” unter dem Slogan “Folk Against Fascism” prangt. Und ja: das Konzert von Chumbwamba dauerte länger als jenes nebenan.

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