Kultur | 10.05.2010

“So etwas sollte nicht gut gehen können”

Text von Ennio Cadau
Vier komplett verschiedene Musiker, die gemeinsam auch noch gut klingen wollen: Die Bedroom Community bezeichnet ihr Projekt als "total verrückt". Ihr Auftritt im Salzhaus zeigte, dass es trotzdem funktioniert.
Ihr Auftritt im Salzhaus versetzte die Zuschauer in Trance: Bedroom Community. Fotos: Facebook.com Der Versuch glückte: Vier unterschiedliche Musiker mit gemeisamem Projekt - sogar der Hund macht mit.

Auf der Bühne herrscht ein reger Austausch. Abgesehen von den drei Hauptakteuren sind noch zwei Violinisten, ein Kontrabassist und ein singender Posaune-Spieler dabei. Fast wie bei einer Schulaufführung, erhält jeder mindestens einmal die Chance, im Mittelpunkt zu stehen und sich zu profilieren.

Talent gibt es an diesem Abend  mehr als genug. Jeder Song entfaltet sich langsam, die Beteiligten lassen sich Zeit, jede Note, jedes Geräusch entstehen in enger Zusammenarbeit. Was zu hören ist, lebt jenseits von Mainstream und ist nicht leicht zu verdauen. Ben Frosts Klangwelten wirken verstörend laut, enden meistens in einer Knallexplosion. Es sind Bilder, die er versucht aufzubauen und Gefühle die er wecken möchte – ohne ein einziges Wort zu singen.

Spannende Vermischung mit Elektrokeyboard

Nico Muhly, der als einziger direkt zum Publikum spricht, wird seinem Ruf als begnadeter Pianist mehr als gerecht. Seine Werke sind akustischer angehaucht als die von Frost, erhalten aber durch die Arrangements neue Dimensionen. Besonders spannend wird es, wenn er neben seinem Klavier am kleinen Keyboard spielt und Elektronik in sein klassisches Spiel einbringt.

Überraschenderweise ist Valgeir, der Mann hinter der ganzen Produktion, der ruhigste und unauffälligste der ganzen Truppe. Er fällt zwischen dem hüpfenden Frost und dem fröhlichen Muhly kaum auf. Highlight des Abend ist die Performance von Posaunist Helgi Johnsson, der einige Songs von Nico vorträgt, mit einer faszinierend tiefgründigen Stimme: so glasklar wie gefühlsvoll – das Publikum hält die Luft an, bis das Lied endet. Danach sind die Zuschauer hin und weg und müssen zuerst in die Realität zurück geholt werden.

Und es funktioniert…

Es war umso erstaunlicher, dass die Band so einwandfrei spielte, weil es sich bei der Bedroom Community nicht um eine eigentliche Band, sondern um vier Einzelmusiker handelt. “Sowas sollte nicht gut gehen können” – meint die Band selbst. Der Pessimismus ist unangebracht, denn nach diesem Abend konnte mit Sicherheit gesagt werden: Es funktionierte, und wie!

Bedroom Community


Ben Frost meint im Promo-Video zur Whale Watching Tour, der ganze Plan sei eigentlich total verrückt. Vier vollkommen unterschiedliche Musiker, die gemeinsam ihre Songs auf einer Bühne spielen und auch noch gut klingen wollen.

Zuerst die Fakten: 2006 gründet der treue Mitarbeiter von Björk, Valgeir Sigurðsson, die Bedroom Community. Ein kleines Label, dass bald schon international Aufsehen erregt als Nico Muhly und Ben Frost dazu stossen. Muhly aus Rhode Island, ein kleines Piano-Wunderkind, schuf sich innerhalb von wenigen Jahren einen Namen in der Musikwelt. Er kann sowohl auf Kollaborationen mit Björk, Anthony & The Johnsons und Grizzly Bear zurückschauen als auch auf Auftragsarbeiten für die New Yorker Metropolitan Opera.

Ben Frost ist gebürtiger Australier und beschäftigt sich mit minimalistischer Industrial-Musik. Über diverse Umwege landet er in Island und arbeitet mit Valgeir an ein paar Songs. Die Zusammenarbeit verläuft so gut, dass er gleich sein ganzes  Hab und Gut verschiebt und nach Island zieht.

Als Letzter stösst der post-moderne Folk-Sänger Sam Amidon aus den USA zum Label. Bevor er als Solokünstler durch die Welt tourte, spielte er jahrelang in der Band "Popcorn Behaviour". Nun schon zum zweiten Mal gehen die vier Freunde zusammen auf Tour.

Links