Gesellschaft | 17.05.2010

Nanozid fürs Seelenheil

Psychotherapie selbstgemacht: Nadja H., ihr Freund und ihre Cousine gingen ganz pragmatisch gegen ihre Abneigung gegen Gartenzwerge vor - und sprengten sie! Ein nicht ganz ernst zu nehmendes Interview mit einer Gartenzwerg-Schlächterin.
Diese Zwerge haben gut lachen.
Bild: pixelio.de/Sven Richter Da war der Zwerg noch ganz... Bilder: zVg

Wie kam es dazu, wehrlosen und unschuldigen Gartenzwergen reihenweise mit Sprengladungen den Garaus zu machen?

Mein Freund und ich kamen auf die Idee, als wir ein Plakat des Schweizer Films „Zwerge sprengen“ betrachtet haben. Da kamen bei mir verdrängte Gefühle hoch. Du musst wissen: Ich hasse Gartenzwerge. Ich konnte die noch nie ausstehen. Und Gleiches wusste ich auch von meiner Cousine. Und so führte eines zum anderen: Auch sie war sofort für eine Sprengaktion zu haben.

Ihr habt ja ein spezielles Datum für euren Nanozid ausgewählt…

Stimmt, die Aktion fand am Ostermontag statt, beim traditionellen Brunch mit der ganzen Familie. Die meisten wussten von unserer tiefen Abneigung gegen diese kleinen Keramikmonster. Deshalb ging an alle Verwandten die Parole raus: „Bringt Gartenzwerge statt Osterhasen!“

Wie habt ihr die Gartenzwerge zusammengetrieben?

Das war keine leichte Aufgabe, denn weisst du: Gartenwerge sind vom Aussterben bedroht. Meine Oma reiste dazu sogar bis nach Deutschland – leider erfolglos. Doch schliesslich konnten mein Freund und ich ein Zwergenrudel in einer hiesigen Ladenkette auftreiben. Und auch unsere Verwandten waren bei ihrer Suche erfolgreich.

Erklär uns mal: Wie sprengt man einen Gartenzwerg?

Mein Stiefvater erklärte sich dazu bereit, sich um die Explosionen zu kümmern. Zunächst gingen wir davon aus, er bringe Frauenfürze oder vielleicht Thunder mit. Aber nein: Er tauchte tatsächlich mit einem Sprengmeister auf. Dieser war mit richtigen Sprengstoff, Zündschnur, einer massiven Unterlagenplatte und allem drum und dran ausgestattet.

Oha, ihr wolltet beim Sprengen nichts anbrennen lassen…

Klar, schliesslich ging es ja um unser Seelenheil, um das Flicken tief sitzender Traumata.

Warst du nervös?

Ich brachte kaum einen Bissen runter bei unserem Osterbrunch, die Vorfreude war zu gross.

Wie sah die erste Explosion aus?

Zunächst ging es darum zu ermitteln, wie gross die Sprengladung sein muss. Nach dem der erste Gartenzwerg fast pulverisiert wurde und Teile auf dem Dach landeten, wussten wir: Oookeeee, das war zu viel.


Und dann?

Es war wahnsinnig lustig. Aus geschützter Position genoss unsere Familie die Show. Und da wir zu wenig Sprengstoff hatten, gaben wir einigen Zwergen mit Hämmern den Rest.

Also kann man sagen, eure Zwergenexekution hat den Wunsch nach Seelenfrieden gänzlich erfüllt?

Ja, voll. Und nicht nur den unseren: Ein Mann, der von unserer Aktion erfahren hatte, tauchte mit einigen Gartenzwergen beim Familienfest auf. Er sagte, die gehörten seiner Ex-Frau. Er hoffte, dass er sich durch ihre Zerstörung besser von ihr lösen könnte. Wahnsinn, was so ein Zwergesprengen auslösen kann…

Wird es eine Fortsetzung geben?

Natürlich, es soll sozusagen eine Familien-Ostertradition werden. Und für nächstes Jahr planen wir sogar eine Choreo, mit Musik und elektrischer Sprengung.

Anmerkung


Das Zwergesprengen fand unter der fachmännischen Anleitung eines Sprengmeisters statt. Die Tink.ch-Redaktion rät euch dringend davon ab, es auf eigene Faust nachzumachen.

Links

  • Wer sich ein eigenes Bild vom österlichen Zwergesprengen machen möchte, findet hier das Video zum Event.