Politik | 11.05.2010

“Mit offenen Armen wird man nie empfangen”

Text von André Müller | Bilder von Julian Stiefel
Manuel Angehrn, Präsident des St. Galler Jugendparlaments, zieht ein positives Fazit aus der Session. Auch diese Forderungen wird man so gut wie möglich verkaufen, auch wenn es schwierig ist, die alten Strukturen zu durchbrechen.
Manuel Angehrn weiss, dass der politische Weg der Forderungen oft steinig ist: "Wenn Verwaltung und Kantonsrat darüber beraten, ist schon viel erreicht."
Bild: Julian Stiefel

Bist du zufrieden mit dem Ablauf dieser Jugendsession?
Ja, sehr. Eigentlich sehr zufrieden.

Auch mit den Forderungen?

Ja, man kann einige Forderungen planen, einige nicht. Es wurde viel diskutiert, war lebhaft und manchmal ist der Austausch wichtiger als das Endergebnis.

Was passiert denn jetzt mit diesen Forderungen?
Prinzipiell schauen wir diese Forderungen einmal an. Dann ordnen wir es einem Departement auf Kantosebene zu und schauen, wer da quasi der Abnehmer sein könnte und wo das umgesetzt werden kann. Dann werden wir sicher einen Brief schreiben und die Prinzipien darlegen, warum das Jugendparlament das fordert und wie diese Forderung entstanden ist. Dann nehmen wir Kontakt auf, jetzt zum Beispiel mit dem FC St. Gallen, der Stadt St. Gallen und der Fanorganisation. Wir könnten uns auch selbst als Mediatoren im Hooliganismus-Streit anbieten, wobei das nicht unser Job wäre. Es ist eine politische Sache, von der wir finden, dass es wichtig wäre, da weiter zu kommen.

Ihr habt schon zwölf Jahre Erfahrung im Umgang mit den Behörden. Wie kommen eure Forderungen jeweils an?

Mit offenen Armen wird man nie empfangen, wenn man etwas verändern will und in die gestandenen Strukturen eingreift. Man muss schon nachhaken. Allerdings muss man auch sehen, dass einige unserer Forderungen nicht beachtet werden können. Es kamen in diesen Jahren auch sehr schwachsinnige Forderungen, beispielsweise Weltfrieden, was jeder einmal fordern kann. Es gibt aber auch Dinge, die softer daherkommen und von denen man die Verwaltung und den Kantonsrat überzeugen kann. Vielleicht wird daraus auch mal etwas. Aber wenn Verwaltung und Kantonsrat darüber beraten, ist schon viel getan.

Habt ihr konkrete Ziele für die Zukunft?

Das eine Ziel des Jugendparlaments ist, die politische Bildung im ganzen Kanton St. Gallen zu verbessern. Es heisst nicht, dass wir direkt Einfluss nehmen, aber insofern, dass wir den Jugendlichen zeigen, was sie machen können. Es ist aktiv, es ist lebhaft und lohnenswert, etwas zu machen.
Zum zweiten wollen wir diesen Jugendlichen ein fassbares Instrument in die Hand geben, damit der Kantonsrat sagt: “Ja doch, das kommt von Jugendlichen, das müssen wir behandeln!”

Es braucht viel Zeit fürs Jugendparlament und viel freiwilliges Engagement. Findet ihr genügend Nachwuchs?
Zeitintensiv ist vor allem die Jugendsession und die Zeitspannen vor- und nachher. Als Student habe ich genug Zeit auch einmal zwischendurch ein zwei Tage zu investieren. Der Nachwuchs ist da, wir haben gerade ein paar neue Mitglieder im Vorstand, sodass es für ein zwei Jahre gut aussieht. Wir schauen laufend weiter und orientieren uns an der Situation.