Kultur | 19.05.2010

Liebe im Jahresabo

Eine Welt, in der die Menschen Gefühle nach Lust und Laune im Jahres-, Monats- oder Wochenabonnement kaufen können. Unmöglich? Eine 6. Klasse aus dem luzernischen Horw hat sich so ihre Welt vorgestellt und dazu ein Theaterstück geschrieben und mit Choreographien und eigenen Liedern ergänzt. Die Uraufführung fand im Rahmen des 7. Internationalen Menschenrechtsforums statt.
Mephista überschüttet die Menschen mit Liebe. Sehnsuchtsvolle Blicke - die Liebe stand den Schülerinnen und Schülern ins Gesicht geschrieben. Mephisto und Mephista glauben nicht, dass die Liebe ewig hält. Fotos: Tink.ch

Das Theater beginnt mit einem Anruf in den Laden „Sentimento“, der per Telefon Gefühle verkauft. Das Gefühl Liebe scheint ein absoluter Renner zu sein, während niemand Angst, Sehnsucht oder Stress bestellt. Dabei ist das Motto „Sentimento – Für jeden Fall ein Gefühl“. Und so will beispielse ein Privatdetektiv Mut, und ein trauriger Clown aus dem Zirkus Knie braucht Fröhlichkeit in der Monatspackung. Frau Wyss, die Telefonistin von „Sentimento“, verdreht genervt die Augen, weil sie keinen Moment ihre Ruhe geniessen kann. Dauernd klingelt der Aparat.

 

Mutige Schauspieler

Doch irgendwoher müssen diese kaufbaren Gefühle ja kommen. Auch dazu hat sich die 6. Klasse, die dieses Theater unter der Leitung von Marcel Tscherfinger entwickelt hat, etwas überlegt. Die beiden Teufelchen Mephisto und Mephista haben den Auftrag, den Menschen die Gefühle auszusaugen. Es mangelt vor allem an Liebe und so suchen die beiden ein ohnehin schon zerstrittenes Päärchen auf. Mephisto und Mephista saugen den letzten Rest Liebe aus ihnen heraus bis sich das Ehepaar nur noch streitet und sogar aufeinander losgeht. Mutig versetzen sich die Schüler in ihre Rollen, nie bekommt das Publikum ein privates Gesicht zu sehen. „Die Schüler haben durch das Theater einen grossen Schritt voran gemacht“, meint der Lehrer stolz. „Während den Proben gab es einen Konflikt, der nicht allein gelöst werden konnte“, erzählt er. Die Klasse habe sich dann Hilfe geholt und gemeinsam den Streit analysiert und ausdiskutiert.

 

„Verliebt, verliebt…“

Mephisto und Mephista führen Böses im Schilde mit den abgefüllten Gefühlen. Zuerst überschütten sie die Menschen mit Stress und anschliessend mit Angst. Das setzt ihnen derart zu, dass sie auf den Boden fallen und liegen bleiben, bis die Teufelchen sie mit Liebe aus der Flasche beträufeln. Jetzt stehen die Menschen auf und singen: „Verliebt, verliebt, verschosse und verknallt chame glücklich und trurig si“. Man kann bis in die letzte Reihe spüren, dass Liebe in der Luft liegt, so intensiv ist der Ausdruck in den Gesichtern der Schüler.

 

Happy End? – Wohl kaum: „Auch diese Liebe wird einmal aufgebraucht sein“, sagt Mephista am Ende. Dem Geschäft „Sentimento“ steht eine rosige Zukunft bevor.

 

Positive Rückmeldungen

Anschliessend an das Theater konnte das Publikum Fragen und Rückmeldungen direkt an die Klasse richten. „Das war das beste Theater, das ich je von einer 6. Klasse gesehen habe“, sagte eine begeisterte Besucherin. „Wie seid ihr auf diese Thematik gekommen?“, fragte eine andere Besucherin. Weil das ganze Leben auf Gefühlen basiere, erklärte die Klasse. Wie hat es denn eine 6. Klasse geschafft, ein komplettes Theaterstück allein zu schreiben? – „Wir haben uns einfach zusammengesetzt und Dialoge geschrieben.“ Ja, so einfach kann das sein, und doch so beeindruckend.