Politik | 10.05.2010

„Lasst die Lehrer wieder Pädagogen sein!“

Text von Diana Berdnik | Bilder von Nando Bosshart
Das Bildungssystem in der Schweiz unterliegt einer dauernden Reform. Es scheint, als könne es nie allen recht gemacht werden. Denn wir alle halten uns für Experten in diesem Gebiet, jeder von uns ist einmal zur Schule gegangen. In der Debatte des Workshops "Qualität in der Schule" argumentiert jeder mit seinem persönlichen Bildungshintergrund.
Nicht immer waren die Teilnehmer gleicher Meinung. Herr Sauer machte klar, dass eine Bildungsreform nicht bloss an einem Punkt ansetzen kann.
Bild: Nando Bosshart

Auch in Deutschland und Österreich ist die Qualitäts-Problematik nicht unbekannt. Michael Felder erklärt das Bildungssystem in Österreich und hofft am Vorbild der Schweiz einige neue Ideen mit in sein Heimatland zu nehmen. Doch schnell ist klar, dass auch in der Schweiz kein allgemeines System vorhanden ist, so dass Bildungsinhalte, Lehrerausbildungen, Ferienregelungen und Lernziele im ganzen Land einheitlich sind. Florian Saurer vom Schulamt weist jedoch darauf hin, dass Bestrebungen in diese Richtung im Gang sind. Allerdings dauern solche Prozesse immer eine Weile.

Keine Patentlösung in Sicht
Die Teilnehmenden diskutierten darüber, was die Qualität der Schule steigern könnte. Ideen hatten sie viele, beispielsweise die Verkleinerung der Klassengrössen, eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte oder die Bereitstellung von guten Infrastrukturen. Florian Saurer stellt fest, dass es nicht reicht, wenn man einen dieser Punkte verbessert. Um die Qualität der Schule nachhaltig zu verbessern, müssten wir alle diese Probleme in Angriff nehmen. Ausserdem müssten sich die Lehrer sowie auch die Schüler selbst bemühen, um motiviert zu bleiben. Ein Teilnehmer meinte dazu, dass man sonst am falschen Platz ist. Man müsse jedoch beachten, dass pädagogisches Handeln und auch das Lernen sehr persönliche und individuelle Vorgänge sind.

Flexible Klassen, Lehrerkontrolle
Am Ende forderte die Gruppe, dass die Klassengrössen der Art der Unterrichtssequenz angepasst werden. Lehrer sollen in der Theorie auch grosse Klassen unterrichten können, in den praktischen Unterrichtsteilen aber individuell auf die Schüler in Kleingruppen eingehen.
Als zweites forderten die Workshopteilnehmer, dass der duale Bildungsweg beibehalten und gefördert wird. Sie waren sich einig, dass es nötig ist, einen eher schulischen und einen eher praxisorientierten Weg anzubieten.
Der dritte Punkt betrifft die Qualitätssicherung in den Schulhäusern. Im Bereich der Bildung soll nicht gespart und damit die Qualitätskontrolle durch professionelle Überprüfungen garantiert werden.

Oft müssen die Lehrer zuerst einen Zustand in der Schule herstellen, bevor sie mit ihrem eigentlichen Auftrag, dem Vermitteln von Unterrichtsstoff, beginnen können. Es wird ihnen dabei Willkür und Unwissenheit vorgeworfen. Die Lehrer übernehmen aber immer mehr Aufgaben, die eigentlich von den Eltern übernommen werden sollten. Die Forderungen sollen helfen, diesen Anfangszustand in Zukunft zu verbessern.