Politik | 11.05.2010

Kritisches Plenum

Text von André Müller
Zum Abschluss der Session stimmten die Teilnehmer darüber ab, welche Forderungen der Vorstand im Namen des Jugendparlaments weiterverfolgen soll. Nur zwei Anträge schafften das erforderliche absolute Mehr.
Ein harter Tag als Politiker ging zu Ende. Manchem merkte man das auch an.

80 Jungparlamentarier haben sich zur entscheidenden Debatte im grossen Saal eingefunden. Es gilt, fünf Anträge aus verschiedenen Workshops zu beurteilen. Wenn die Mehrheit hinter dem Anliegen steht, sorgt der Vorstand dafür, dass dieses auch ausserhalb des Kantonsratssaales Gehör findet.

Die erste Forderung will dem Hooliganismus in St. Gallen durch einen obligatorischen Dialog zwischen Fans, FC St. Gallen und Polizei den Nährboden entziehen. Unter Leitung eines geeigneten Mediators sollen die zerstrittenen Konfliktparteien wieder an einen Tisch geholt werden. Die konkreten Ergebnisse liegen dann in der Hand dieser Arbeitsgruppe. Die Forderung wird mit grossem Mehr angenommen.

Keine Massnahmen gegen Gewaltspiele
Sollen für Shooterspiele die internationale PEGI-Alterslimiten staatlich verankert werden? Das Jugendparlament spricht sich knapp dagegen aus. Die Diskussion dreht sich vor allem darum, ob eine solche Regelung die Jugendlichen wirklich davon abhalten kann, sich die Spiele zu besorgen. Es wird befürchtet, die minderjährigen Spieler würden dadurch bloss in die Illegalität getrieben. Vergeblich argumentieren die Befürworter, dass mit dieser Regelung in erster Linie die Eltern darauf aufmerksam gemacht werden sollen, was ihre Kinder eigentlich spielen.

Schülerinformation statt Lehrerkontrolle
Gleich drei Stellungnahmen brachte der Workshop “Qualität in der Schule” ins Plenum ein, doch nur eine kam durch. Eine Mehrheit spricht sich dafür aus, den dualen Bildungsweg zu stärken, indem Oberstufenschüer früher und besser über Mittelschule und Berufslehre informiert werden.

Keine Gnade finden die anderen beiden Anträge, die eine flexiblere Klassengrösse, beziehungsweise eine bessere Qualitätskontrolle im Lehrkörper forderten. In der Diskussion prallten dabei grundverschiedene Ansichten zum Bildungswesen aufeinander, entsprechend emotional waren die einzelnen Voten.

Überregionales Treffen
Im Rahmen der Bodenseeagenda 21, welche den Austausch in der Seeregion fördern will, beteiligen sich auch einige Jungpolitiker aus Deutschland und Österreich an der Debatte. Delegationsleiterin Elisabeth Ott zeigt sich in einem abschliessenden Statement sehr erfreut über den regen Austausch unter allen Teilnehmern. Eine nächste Möglichkeit für politische Diskussionen im Bodenseeraum steht mit dem Jugendgipfel in Lindau auch schon vor der Tür.

Noch nie ging es uns so gut!
Das letzte Wort in der Plenarsitzung hat Vincenz Rentsch, Präsident der Jungfreisinnigen St. Gallen. In seiner Schlussrede plädiert er für einen intensiveren Dialog zwischen den Generationen. Unsere Jugend sei viel besser als ihr Ruf, ein Grossteil engagiere sich auch ausserhalb von Schule und Beruf. Der beste Beweis dafür sei die Jugendsession selbst. Doch man solle auch den älteren Generationen gegenüber Respekt zeigen, schliesslich ermöglichten sie es uns, in diesem funktionierenden Gemeinwesen aufzuwachsen.

Mit etwas Verspätung schliesst Manuel Angehrn, der Präsident des Jugendparlaments, den offiziellen Teil der Sitzung und lädt zum gemütlichen Treff im Restaurant. Nach diesem langen Tag haben sich die Teilnehmer das auch verdient.