Kultur | 10.05.2010

Hotpants und Karotten

Text von Martin Sigrist
Das 13. Mal schon lässt das Melt Festival diesen Juli nach Sachsen-Anhalt bitten. Zwischen ausgedienten Baggern und einem angelegten Baggersee lockt der trendy Indie-Sommer auch New Raver in den Osten Deutschlands.
Zwischen den gigantischen Baumaschinen wird die Bühne am Baggersee aufgebaut... ...was für eine aussergewöhnliche Atmosphäre sorgt. Fotos: Martin Sigrist

Diesen Sommer pilgert die Fangemeinde angesagter Bands der Electronic- und Indie-Szene wieder zum Melt im ostdeutschen Gräfenhainichen. Und auch dieses Jahr wird das Festival wohl ausverkauft sein, bevor es anfängt und die Besuchenden begeistert.  

Freizeitstress vorprogrammiert

Ferropolis, der Austragungsort des Melt, ist ein ehemaliges Tagebauwerk, das mittlerweile zu einem Nahausflugsziel geworden ist und vermehrt Konzerten eine aussergewöhnliche Szenerie bietet. Die Bühnen werden zwischen den gigantischen Baumaschinen und am künstlichen Strand des Baggersees aufgebaut.  

Das Melt steht seit seiner Gründung vor allem für viel gute Musik – und dies rund um die Uhr. Das Rahmenprogramm an DJs wird laufend ausgebaut, so dass immer noch früher, noch länger und noch intensiver getanzt werden kann. Neben diesen bilden die Bands den Fokus dieses Festivals. Dieses Jahr sind grosse Namen wie Massive Attack, Goldfrapp oder The XX angekündigt. Aber auch «kleinere Namen« wie die Überflieger Two Door Cinema Club, Miike Snow, Yeasayer oder Delphic lassen erahnen, welche Qualität das Line-Up erreichen wird, denn das Programm ist noch nicht komplett. Die hohe Dichte wird musikalisch auf jeden Fall ein Highlight in diesem Festivalsommer markieren. Freizeitstress ist garantiert.  

Leider ist das Festival nicht ganz günstig, vor allem wer das Preisniveau in dortigen Gefilden sonst kennt. Für Schweizer Verhältnisse aber sind die Preise für die Tickets im Rahmen des Üblichen. Und vielleicht lässt sich die Reise noch mit einem Abstecher in die nahen Städte Berlin oder Leipzig verbinden.  

Gummistiefelfreies Festival

Das Festival entspricht nicht ganz den üblichen Festivals. Nicht nur bezüglich des Programms und des Geländes sondern auch im Hinblick auf das Publikum. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, kein Dreck auf den Klamotten geduldet, keine Gummistiefel toleriert. Wenn vor dem Gang aufs Konzertgelände alle in ihren Zelten verschwinden, um sich in Hotpants oder Karotte zu zwängen, die Dauerwelle zu richten und das Ensemble mit dem passenden Stoffbeutel zu komplettieren, ist wohl allen klar: Das Melt ist eben etwas ganz Besonderes.

Links